Der Kabarettist und Orienthelfer Christian Springer bei seinem Auftritt in der Geltinger Kulturbühne Hinterhalt.
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Unter dem Eindruck der Explosion in Beirut stand der Auftritt von Christian Springer im Hinterhalt.

Kabarettabend im Zeichen der Katastrophe von Beirut

Warum der Abend mit Christian Springer nicht zum Lachen war

Es war kein Abend zum Lachen: Unter dem Eindruck der Katastrophe von Beirut stand der Auftritt des Kabarettisten Christian Springer in der Geltinger Kulturbühne Hinterhalt.

  • Eine verheerende Explosion legte am 4. August das Hafenviertel von Beirut in Schutt und Asche.
  • Auch das Büro des Orienthelfers Christian Springer wurde zerstört.
  • Im Geltinger Hinterhalt berichtete der Kabarettist über ein schwer gebeuteltes Land.

Gelting – Es war wie bei jedem Livestream aus der Kulturbühne Hinterhalt. Bevor es auf Sendung ging, gab’s genaue Anweisungen. Diesmal war es ein kurzer, einstudierter Beifall der wenigen zugelassenen Gäste. Für seinen unermüdlichen humanitären Einsatz ist das wohl auch das Mindeste, was der bayerische Kabarettist Christian Springer verdient hat.

„Wir schauen zu, wie Menschen im Mittelmeer ertrinken. Das gehört sich nicht als Europäer.“

Christian Springer

2012 gründete der gebürtige Münchner, Jahrgang 1964, seine Hilfsorganisation „Orienthelfer“. Mit einem roten Feuerwehrfahrzeug, vollgestopft mit Kuscheltieren, machte sich der bayerische Kabarettist auf den Weg zu den Menschen in das vom Bürgerkrieg gebeutelte Land Syrien. Daraus sind bis heute 30 Einsätze vor Ort geworden. „Glauben Sie mir, ich kenne jeden Winkel in diesem Land“, sagt Springer und fand deutliche Worte: „Wir schauen zu, wie Menschen im Mittelmeer ertrinken. Das gehört sich nicht als Europäer. Da sind wir Dreckbären.“ Von 70 Millionen Flüchtlingen auf dieser Erde, kämen gerade Mal sechs Prozent nach Deutschland. „Uns kommt das Geld zu den Ohren raus. Wir könnten noch viel mehr helfen.“

Christian Springers Eltern hatten einen Obst- und Gemüseladen. Einfache Leute, wie er sagt, die „das Herz am rechten Fleck haben“. Seine Mutter habe einmal zu ihm gesagt: „Bua, wenn einer hingefallen ist, dann gehst Du hin und hebst ihn auf.“ Es ist für Springer, der Arabisch studiert hat, ein Leitsatz geworden. Unermüdlich engagiert sich der Münchner für die Humanitäre Hilfe im Nahen Osten.

Der bayerische Kabarettist ist bühnengewandt, quasi „eine Rampensau“, wie er selbst sagt. An diesem Abend erlebte man ihn als empathischen Menschen, der berührende Worte fand, der Einblicke in die Situation der Menschen in den Krisengebieten Syriens und des Libanons gab. Ein mutiger Mann, der selbstlos handelt.

Auch das Büro der Orienthelfer wurde zerstört

Drei Tage vorher waren in Beirut rund 3000 Tonnen Ammoniumnitrat in einer Lagerhalle im Hafen explodiert. „Das war eine atombombenartige Druckwelle mit unfassbarer Zerstörungskraft“, berichtete Springer. Nahe dem Hafengebiet lag das Büro der Orienthelfer. „Das Herzstück meiner Organisation“. Eine Mitarbeiterin wurde schwer verletzt. „Ein Wunder, dass sie noch lebt.“

Für Springer war das ein Schock. Regierungs-, Finanz- und Wirtschaftskrise, Währungsverfall, Corona-Pandemie, und nun diese unfassbare Katastrophe. „Dieses Land ist so schwer gebeutelt. Doch die Menschen helfen zusammen.“ Christian Springer und die Orienthelfer helfen Menschen in Not, egal, auf welcher Seite sie stehen, welcher Ideologie sie folgen. 500 000 Kuscheltiere sind inzwischen bei den Kindern angekommen. Viele von ihnen haben Mutter und Vater verloren. „Sie brauchen kein Spielzeug. Sie brauchen etwas, woran sie sich festhalten können.“

Die Eintrittsspenden aus dem Livestream-Abend gehen an die Orienthelfer für ihren unermüdlichen Einsatz.

Andrea Weber

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