1. Startseite
  2. Lokales
  3. Geretsried-Wolfratshausen

Ein schräges Paar sagt Ja

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Bettelhochzeit
Ein "schönes Paar" gab sich auf einem Misthaufen in Egling das Ja-Wort. © Hans Lippert

Egling - Am Sonntag hat nach zehn Jahren in Neufahrn r.d.I. wieder eine Bettelhochzeit stattgefunden. Es war eine Riesengaudi.

Der Bräutigam versuchte mehr als einmal, Reißaus zu nehmen. Er, der dorfbekannte „Antonius Sattelschlepper Heiddatreiba vo da Veiglbergleitn“ (gespielt von Anna Zengerle), sollte einen richtig „schiachen Bachratz“ ehelichen. Eigentlich ein Unding. Doch die Hochzeitsgesellschaft zeigte kein Erbarmen: Hebammen und Pfarrerskinder, Bierpanscher und Schnapsdrosseln, Schnorrer und Tratschkatteln: Sie alle waren auf Einladung der Trachtler zur Bettelhochzeit nach Neufahrn r.d.I. gekommen. Über 400 Besucher verfolgten am Sonntagmittag das schräge Spektakel am Standesamt Dungberg beim Holzmoar.

Die Braut ging 13 Mal in die zweite Klasse

Die Braut „Gratiella Jacqueline Ziaglstoascheißerin vo da Loamgruam“ (Jakob Degele) ist wahrlich keine Schönheit. Der Meinung war zumindest der Standesbeamte „Uterus Orang“ (Flori Wiedenbauer). Bereits 1879 wurde das Mädel von einer Hebamme „zärtlich ins Leben gewatscht“, erzählte er. Die zweite Volksschulklasse bestritt sie ganze 13 Mal, die Lehrer landeten allesamt in der Irrenanstalt. Die Zähne der Jungfrau mit elf ledigen Kindern sind extrem schief gewachsen. Dafür war der Herrgott bei der Körpergröße ziemlich spendabel. Ganz im Gegensatz zu ihrem Ehegemahl, der eher als kleinwüchsiger Zwerg daherkam. Dieser wurde vom Tierarzt im Kuhstall auf die Welt gebracht. Studiert hat Antonius an der „Akademie der geistigen Tiefflieger“. Zumindest in puncto kurioser Lebensläufe passten die Eheleute also ganz gut zusammen. „Er wird seine Frau bis zum Lebensabend auf Händen tragen“, rief der Standesbeamte vom Misthaufen der johlenden Menge zu. „Und zwar zum Stall, Herd, Wirt und Kramer.“

Das Publikum johlte und klatschte

Das Publikum in Neufahrn amüsierte sich über eine Stunde lang prächtig. Man klatschte, lachte und johlte über die zündenden Pointen. Auch die Festgesellschaft kam verkleidet zur Faschingsgaudi, die traditionell nur alle zehn Jahre stattfindet. Die Mannsbilder waren als Damen mit ordentlich Holz vor der Hütt’n unterwegs – meist dank Federkissen oder großen Orangen. Die Frauen ihrerseits trugen Rauschebärte und sparten nicht mit hingeschminkten Bartstoppeln. Dass der Hochzeitslader (Seppi Müller) für die Gesellschaft nicht nur warme Worte fand – „die bucklige Bekanntschaft“, fluchte er – tat der der ausgelassenen Stimmung keinen Abbruch.

Sebastian Dorn

Auch interessant

Kommentare