Bezirk spart an der Integration von Behinderten

- Bad Tölz-Wolfratshausen – Behinderte und nicht behinderte Mädchen und Buben spielen gemeinsam im Kindergarten: Das Konzept der so genannten integrativen Gruppen ist seit langem bewährt. Eine Sparmaßnahme des Bezirkes gefährdet diese Errungenschaft jetzt aber massiv. Weil die Regierung von Oberbayern ihre Fördermittel zurückfährt, steht im Landkreis der Fortbestand der integrativen Kindergartengruppen womöglich bald auf der Kippe.

Von Andreas Steppan UND MATTHIAS BECKER <P>Integrative Gruppen (I-Gruppen) mit drei bis fünf behinderten und zehn nicht behinderten Kindern gibt es im Nordlandkreis im Kindergarten St. Michael in Wolfratshausen, im evangelischen Kindergarten in Geretsried und im Degerndorfer Kindergarten. Was die Änderungen im komplexen Zuschuss-System für sie genau in Euro bedeuten, daran rechnen die Träger noch herum. Margot Kainz, Geschäftsführerin der Lebenshilfe, sagt jetzt schon: &#8222;Uns gehen 50 Prozent und mehr an Förderung verloren.&#8220; <P>&#8222;Es ist fatal, behinderte Kinder in Tagesstätten wegzusperren&#8220; <P>Für den evangelischen Gemeindepfarrer der Stadt Wolfratshausen, Florian Gruber, gibt es keine Zweifel, dass für die I-Gruppen gekämpft werden muss. &#8222;Wenn behinderte Kinder einzeln integriert werden, kommen sie oftmals unter die Räder&#8220;, so Gruber, dessen evangelische Gemeinde der Träger des Wolfratshauser Kindergartens St. Michael ist. Laut Gruber wäre es &#8222;fatal, behinderte Kinder in Tagesstätten wegzusperren&#8220;. Da die Verhandlungen zwischen den verschiedenen Trägervereinen und der Regierung von Oberbayern noch andauern, ist laut Gruber &#8222;das letzte Wort noch nicht gesprochen&#8220;. <P>Margot Kainz prognostiziert: &#8222;Wir werden die Standards nicht halten können.&#8220; Das betreffe etwa die therapeutische Förderung der behinderten Kinder, für die der Bezirk künftig wohl weniger Geld gibt. Zudem würden I-Gruppen vermutlich in Zukunft nur noch Kinder bis zu einem gewissen Grad der Behinderung aufnehmen können. Denn für eine dritte Betreuungskraft in der I-Gruppe reiche das Geld nicht mehr. <P>&#8222;Die Kinder müssen dann in Sondereinrichtungen&#8220;, so Kainz. Und das koste den Bezirk am Ende noch mehr. &#8222;Volkswirtschaftlich unsinnig&#8220; findet das die Lebenshilfe-Chefin. Im Vordergrund steht aber auch für sie, dass eine solche Entwicklung dem Integrations-Gedanken zuwider laufen würde. <P>In der Regel drei bis fünf behinderte und rund zehn nicht behinderte Kinder bilden im evangelischen Kindergarten in Geretsried eine I-Gruppe. &#8222;Der Bedarf ist da&#8220;, erklärt die Leiterin Sabine Eberlein. Momentan werde die Gruppe von drei Betreuern geleitet. Zu der geplanten Kürzung der Fördermittel möchte sich Eberlein aber noch nicht äußern. &#8222;Die Unterlagen liegen in der Verwaltungsstelle. Die Situation ist noch zu vage, um konkret darüber zu reden.&#8220; <P>Mit den geplanten Kürzungen spart die Regierung von Oberbayern laut Kainz am falschen Ende: &#8222;Die Frage ist: Wie wichtig ist uns, wie wir mit den Schwächsten in der Gesellschaft umgehen?&#8220; <P>

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