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Der beste Schutz gegen Zecken ist, sorgfältig den Körper abzusuchen und betroffene Stellen zu beobachten.

Robert-Koch-Institut warnt vor Zecken

Blutsauger warten wieder auf ihre Chance

Bad Tölz-Wolfratshausen - Die Zeckensaison hat wieder begonnen. Seit zwei Jahren ist der Landkreis ein Risikogebiet für FSME. Allerdings gab es bis jetzt kaum Erkrankungen.

Zecken fühlen sich im Landkreis wohl. Seit zwei Jahren ist Bad Tölz-Wolfratshausen laut Robert-Koch-Institut (RKI) Endemiegebiet für Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Dieses Virus wird von Zecken übertragen. Jetzt im Frühling, wenn die Menschen wieder mehr in die Natur gehen, wittern die Milbentiere wieder ihre große Chance.

FSME-Infektionen verlaufen in vielen Fällen ganz ohne Symptome, können aber auch zu Hirnhautentzündung führen. Das Risiko aber „ist bei uns sehr gering“, gibt Dr. Franz Hartmann Entwarnung. Laut dem Leiter des Tölzer Gesundheitsamts gab es nur „zwei bis drei Fälle über die vielen Jahre hinweg“. Aufgrund dieser Fälle habe das Institut den Landkreis zum Risikogebiet erklärt. „Aber Risikogebiet ist eben nicht gleich Risikogebiet“, sagt Hartmann.

Generell haben die von Zecken übertragenen Erkrankungen im vergangenen Jahr massiv zugenommen. Laut RKI hat sich die Zahl der registrierten FSME-Erkrankungen 2013 bundesweit auf 420 mehr als verdoppelt. Bayern hat mit 80 Landkreisen mit Abstand die meisten Risikogebiete. Vor allem Menschen, die oft in der Natur unterwegs sind, sollten sich vor Zecken in Acht nehmen. „Schützen ist schwer und leicht“, sagt Hartmann. Gegen FSME gibt es eine Impfung, die mehrere Jahre wirkt. „Da berät der Hausarzt. Ich rate jedem dazu, der gern wandert.“ Vor Zeckenbissen allerdings könne man sich kaum schützen. „Das passiert einfach.“

Hartmann selbst bekommt jedes Jahr ein paar Zecken ab. „Die müssen dann möglichst schnell runter.“ Wichtig: die Zecke dabei nicht unter Druck setzen. Wenn die Blutsauger um ihr Überleben kämpfen, entleeren sie möglicherweise ihren Darminhalt und geben Krankheitserreger in die Wunde ab.

„Ich packe die Zecke mit einer Zeckenzange aus der Apotheke möglichst nah an der Haut“, sagt der Leiter des Gesundheitsamts. Danach desinfiziert er die Wunde. Wichtig sei, den Stich wochenlang zu beobachten, ob eine so genannte Wanderröte auftritt. „Dann wurden Borrelien übertragen“, erklärt Hartmann. Zu sehen sei eine Rötung mit dem Durchmesser eines Zwei-Euro-Stücks, die immer größer werde. „Das muss der Hausarzt mit Antibiotika behandeln.“ Die Bakterienerkrankung Borreliose – vor ihr schützt keine Impfung – trete gehäuft auf. „Auch bei uns. Es gibt 10 000 Neuerkrankungen im Jahr“, so Hartmann.

Das Risiko sei den Landkreisbürgern jedoch bewusst. „Ich merke immer wieder in Gesprächen, dass das Problem in der Gesellschaft präsent ist.“ Auch die Zahl an Impfungen nehme zu.

Vor Zecken sollten sich Naturfreunde besonders von April bis Oktober in Acht nehmen. „Wenn es mild bleibt, auch länger“, so Hartmann. Die Blutsauger sitzen meist auf hohen Gräsern und niedrigen Büschen. „Sie warten auf Warmblüter, die sie abstreifen. Springen können Zecken nicht“, erklärt der Mediziner. Über die Kleidung suchen sie sich Zugang zur Haut. „Beliebt sind dünnhäutige Stellen, wie Hals, Leistenbereich und Waden.“

von Susanne Weiss

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