Böhme-Chemie baut bis zu 100 Arbeitsplätze ab

- Abwanderung der Branche nach China "unaufhaltbar"

<P>"Entlassungen sind nicht zu vermeiden", sagte der Sprecher der Böhme-Geschäftsführung, Ulf Stadler, am Freitag im Anschluss an eine Betriebsversammlung unserer Zeitung. "Wir werden am Montag die Gespräche mit dem Betriebsrat über einen Interessenausgleich und Sozialplan aufnehmen und nach Lösungen für betroffene Mitarbeiter suchen." Zudem gehe es jetzt darum, die verbleibenden Arbeitsplätze "nachhaltig zu sichern", dazu soll unter anderem die "massive Investition" in die Entwicklung beitragen.<P>Ursache für die schlechte Umsatz- und Ertragsentwicklung, die letztendlich zum Personalabbau im Traditions-Unternehmen am Isardamm führt, sei ein rückläufiger Absatzmarkt "in einer verhaltenen gesamtwirtschaftlichen Lage". Dazu geselle sich ein "Überangebot an Produktionskapazitäten", begründete der 47-Jährige die Entscheidung der zweiköpfigen Böhme-Geschäftsführung. Der Umsatz der KG sank 2003 im Vergleich zum "Rekordjahr 2002" (Stadler) um fünf Prozent auf rund 92 Millionen Euro. Anders als bei seinem Amtsantritt vor viereinhalb Jahren ("Da war Böhme ein Sanierungsfall") "sprechen die Märkte heute gegen uns".<P>Dass es Probleme bei einem der größten Arbeitgeber in Geretsried gibt, hatte Stadler bereits im November 2002 auf Anfrage unserer Zeitung eingeräumt. Zwar denke man nicht an eine Produktionsverlagerung, betonte er seinerzeit, aber: "Unter den sich abzeichnenden negativen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wird der Erhalt der Arbeitsplätze immer schwieriger."<P>Die "anhaltende Verunsicherung des Verbrauches" treffe den deutschen Textilmarkt besonders hart, sagte Stadler gestern. Die "massive Abwanderung der Branche nach China" ist nach seiner Meinung "unaufhaltbar". Es sei "erschreckend, mit welchen Kostenvorteilen in China gearbeitet wird". Darunter hätten selbst Länder wie Pakistan und Indien zu leiden.<P>Die Wurzeln der Firma Böhme liegen im ausgehenden 19. Jahrhundert: 1879 gründete der Chemiker Adolf Theodor Böhme in Dresden den Betrieb. Für die aufstrebende Textilindustrie wurden Textilfarbstoffen und Färbereihilfsmitteln produziert und weiterentwickelt. Nach dem Tod des Firmengründers übernahm dessen Neffe Richard Böhme das Unternehmen und erweiterte die Produktpalette um alle Bereiche der Textilveredelung.<P>1946 übersiedelte das Unternehmen aus dem zerbombten Dresden unter der Führung von Dr. Theodor Böhme zunächst ins fränkische Hipolstein. Als es dort 1949 zu eng wurde, zog der Betrieb nach Geretsried.<P>

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