Briefe gegen das Vergessen

- Schüler erinnern die Mächtigen der Welt an altes Unrecht

VON KERSTIN FRANKE Geretsried - Um Menschen wie Cheibani Wague oder Abdel Mohammed Al-Dahas geht es der Amnesty-International (AI)-Schülergruppe am Gymnasium Geretsried. Nicht, weil die Jugendlichen die Männer kennen. Ihnen bereitet vielmehr Sorge, dass sie sie gar nicht kennen lernen können: Die Fremden wurden inhaftiert, verschleppt oder ermordet - laut AI wegen ihrer Ansichten, ihrer Hautfarbe oder ihrer Herkunft.

Gegen diese Form von Rassismus, Folter, Unterdrückung oder Fremdenfeindlichkeit wollen die Mädchen und Buben demonstrieren und treffen sich dazu einmal in der Woche. Mit Lehrer Michael Süßmann verfassen sie dann "Briefe gegen das Vergessen" und schicken sie an die Regierungen der Länder, in denen gegen Menschenrechte verstoßen wurde oder wird. So erinnerten sie den österreichischen Innenminister Dr. Ernst Strasser an Cheibani Wague, der von Polizisten und Sanitätern misshandelt wurde und kurz darauf starb, über dessen Tod aber keine offizielle Stellungnahme vorliegt. "Gerade dieser Fall hat uns sehr geschockt", sagt die 16-jährige Birgit Riegler.

Aber natürlich seien alle Schicksale, die das AI-Journal monatlich veröffentlicht, erschreckend und auf jeden Fall die Briefe der AI-Mitglieder wert. "Je mehr Leute sich beteiligen und je mehr Appelle bei den Verantwortlichen eingehen, desto wirkungsvoller ist die Aktion schließlich", erklärt Süßmann. "Trotzdem wissen wir nicht, ob wir hier überhaupt irgend etwas bewirken", räumen Vroni Rösch (15) und Nicola Mühlhäuser (16) ein. "Wir wissen ja noch nicht einmal, ob die Umschläge geöffnet werden."

Trotzdem schreiben die Gymnasiasten und Realschüler ausdauernd weiter - vorwiegend an die Mächtigen von Entwicklungsländern. "Dass wir nicht gleich die Welt verändern können, war uns ja von Anfang an klar", sagt Frauke Müller (16). "Aber wir wollen ein Zeichen setzten", sind sich alle einig.

Die Mitglieder haben sich aber auch noch ein anderes Ziel gesteckt: "Wir wollen unsere Mitschüler und Mitmenschen hier wachrütteln." An wichtigen Tagen, zuletzt am Tag der offenen Tür, starten sie deswegen Aktionen. Zum 55. Jahrestag der Erklärung der Menschenrechte im vergangenen Dezember bastelten sie zehn große Quader, beschrieben sie mit den wichtigsten Menschenrechten und verteilten sie in der Schule. So sollten Passanten zum Nachdenken angeregt werden.

Fragen, Anregungen oder Kommentare an ai-gymgerweb.de.

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