Da war der Brillantring futsch

Dietramszell - Mit einer rührseligen Geschichte haben raffinierte Betrüger ein Ehepaar aus der Gemeinde Dietramszell um einen Brillantring im Wert von 4000 Euro gebracht.

Es war im Sommer 2010, als das Rentnerehepaar zum ersten Mal Besuch von einem Teppichhändler erhielt. Nach der Erinnerung der Hausfrau (69) ein „umgänglicher, freundlicher, netter Mann“, der sich als Perser ausgab. Erst wollte sie keinen Teppich. Doch als der Mann ein paar Tage später mit einem anderen Exemplar zurückkehrte, traf er den Geschmack der alten Dame. Sie blätterte 320 Euro für eine Brücke hin. Im Herbst ließ sich die Rentnerin zu einem weiteren Kauf überreden: Für einen etwa zwei mal drei Meter großen Teppich bezahlte sie 2000 Euro.

Bei seinem nächsten Besuch kam der wirkliche oder vermeintliche Perser in Begleitung eines Mannes, der eine abenteuerliche Geschichte erzählte: Sein im Iran inhaftierter Vater habe ihm einen Teppich geschickt, in den ein größerer Geldbetrag eingewickelt sei. Doch fehle ihm das Geld, um den Teppich beim Zoll auszulösen. Die Hausfrau ließ sich erweichen und händigte dem Unbekannten einen Brillantring aus. Den sollte sie zurückerhalten, sobald der Fremde an seinen Teppich gekommen sei. Natürlich hat sie weder den Fremden noch den Ring je wiedergesehen.

Aus Scham unternahmen sie zunächst nichts. Erst eine Zeitungsmeldung über derartige Betrügereien im Münchner Umland ermutigte das Paar über ein Jahr später, zur Polizei zu gehen. Die legte ihnen diverse Lichtbilder vor, darunter auch eins des Angeklagten.

Der 36-jährige, in Hessen wohnhafte Hartz-IV-Empfänger blieb in der Verhandlung stumm. „Mein Mandant kann dazu nichts sagen, weil er nicht der Täter ist“, erklärte sein Verteidiger. Das konnte die Geschädigte bestätigen: „Nein, das ist er nicht“, sagte sie bestimmt. So blieb Richter Helmut Berger nichts anderes übrig, als den Angeklagten freizusprechen.

(rs)

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