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„Danke, Europa“ heißt es kurz vorm Sebastiani-Steg als Fazit des „Gedankengangs“ der Europa-Union. Organisiert hatte die ungewöhnliche Plakat-Aktion der Kreisverband mit (v. li.) Ulrich Reinfrank, Jürgen Göbel (Vorsitzender), Christian Steeb, Dr. Lothar Waltini und Günter Lang-Lengdorff.

Kreisverband Europa-Union

Bundesweites Projekt "Gedankengang" für Europa

Wolfratshausen – „Na, fühlen Sie sich sicher?“, steht als Frage auf dem Plakat, das auf dem Gehweg zwischen Loisach-Passage und Sebastiani-Steg geklebt ist.

Die nächste Frage, über die man drei Schritte weiter stolpert, lautet: „Angst vor Krieg?“. Dann wird an 1914 und 1939 erinnert, an die Konflikte in Syrien, dem Irak und der Ukraine. Nach fünf Plakaten wird der Sinn der Aktion klar, als es heißt „Vertragen durch Verträge“ und „Danke, Europa“.

Der Kreisverband der Europa-Union hat sich am Samstagvormittag in Wolfratshausen am bundesweiten Europa-Unions-Projekt „Gedankengang“ beteiligt. „Mit den Bodenplatten wollen wir auf die Weltkriege vor 100 beziehungsweise 75 Jahren hinweisen“, erklärt Jürgen Göbel, Kreisvorsitzender der Europa-Union. Der engagierte Europäer wird nicht müde, bei der Bevölkerung die wichtigste Aufgabe des Staatenbundes in Erinnerung zu rufen: die Friedenssicherung. „Mein Vater ist im Krieg gefallen. Ich weiß, wovon ich spreche“, sagt Göbel.

Der Wolfratshauser stand mit vier Unterstützern vier Stunden lang für Fragen und Gespräche zur Verfügung. Einige Passanten äußerten sich kritisch. „Der ursprüngliche Europa-Gedanke ist in den Hintergrund getreten“, meinte die Wolfratshauserin Barbara Dirschwigl. Heute drehe sich alles um Globalisierung. Die Bürger wollten kein Freihandelsabkommen, das ihnen die Gentechnik und andere Nachteile bringe, sagt die Seniorin. Ihr wäre wichtiger, dass die Jugend aller Länder sich austausche und „Friedensfeste“ gefeiert würden. Göbel kennt diese Argumente. „Gerade deshalb ist es wichtig, dass wir aufklären, an die Schulen gehen und offen für Diskussionen sind.“

Es gibt auch positive Reaktionen. „Mal was anderes“, sagen zwei Burschen, die ihre Namen nicht nennen möchten. Europa sei Thema in der Oberstufe. Es gehe um Institutionen und Befugnisse, „ein Haufen Bürokratie“, sagt einer der beiden 17-Jährigen. Aber es gehe auch um die Friedensidee und die Möglichkeiten, die jungen Studenten und Beschäftigten in der EU offen stünden.

Mehr Mitglieder trotz Finanzkrise

Göbel, der erst kürzlich am Geretsrieder Gymnasium einen Vortrag organisiert hat (wir haben berichtet), freut sich, wenn bei der Jugend etwas hängen bleibt. „Europa zu verkaufen ist nicht ganz einfach.“ Doch trotz Finanzkrise und anderen Negativ-Schlagzeilen habe die Europa-Union mit rund 18 000 Mitgliedern bundesweit und 59 im Landkreis in der Vergangenheit einen Zuwachs erlebt. Tanja Lühr

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