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Spurensuche: Rund ein Dutzend Interessierte folgten dem Vorsitzenden des Burgvereins, Torsten Sjöberg, am Samstag auf dem Weg zu den Überresten der Festung über den Dächern der Flößerstadt.

Burgverein Wolfratshausen

Burganlage größer als bisher angenommen

Wolfratshausen - Große Tuffsteinbrocken im Rauschergraben, ein Außentor als Zugang zur Burg: Der Burgverein Wolfratshausen lud am Samstag zu einer Führung auf den Spuren der alten Festung ein.

Der Vereinsvorsitzende, Diplom-Ingenieur Torsten Sjöberg, leitete die Entdeckungstour, an der etwa ein Dutzend Interessierte teilnahm. Die wichtigste Quelle für die Rekonstruktion der Burganlage ist derzeit ein aus dem Jahr 1593 stammendes so genanntes Salbuch. Das ist ein Verzeichnis über Besitzrechte einer Grundherrschaft und zu erbringende Leistungen ihrer Grunduntertanen. Darüber hinaus, das erklärte Sjöberg, existieren heute noch eine Reihe von Berichten der Burgpfleger aus den Jahren 1675 bis 1783. Darin würden immer wieder Reparaturen, das Schloss, die Wege nach Wolfratshausen und die nach Dorfen führende Hämerlbrücke betreffend, beantragt. Auch die Nachricht über den Untergang des Schlosses sowie über die Abbrucharbeiten und den Verkauf des Baumaterials nach der Explosion des Pulverturms 1734, seien ausführlich dokumentiert.

„Die von uns neu gewonnenen Erkenntnisse zeigen, dass die Burganlage größer war als bisher angenommen“, sagte Sjöberg. Er macht die Größe und Bedeutung der Festung unter anderem an der Hämerlbrücke fest. Die führte über den derzeit wasserlosen Rauschergraben von der Bergwaldhöhe nach Dorfen. Auf Hinweis von Anton Kierein aus Dorfen, der die alten Fundamente der rund 15 Meter hohen Brücke bereits früher gefunden hatte, begab sich der Burgverein auf die Suche. Bei einer Begehung des Rauschergrabens wurden die Mitglieder auf im Bachbett liegende Tuffsteinbrocken aufmerksam. Nach genauerer Untersuchung stießen sie auf der Dorfener Seite auf ein Widerlager der alten Brücke. Burgvereins Vize-Vorsitzender Manfred Raß zeigte den steinernen Überrest nach einiger Kletterei im abschüssigen Gelände. Laut Bericht des Pflegskommissars Braumiller wurde die Brücke 1783 abgebrochen. Erst sehr viel später entstand neben dem einstigen Überweg der jetzige Holzsteg über den Rauschergraben.

Nach kurzem Marsch über die Kuhweiden oberhalb des Bergwalds – früher mutmaßlich Schutzwälle – näherte sich die Gruppe dem Burggelände. Den Forschungen der Hobbyhistoriker zufolge könnten sich zwei Türme auf dem Burgwall befunden haben. Vor der eigentlichen Burg, wie sie in dem Kupferstich von Michael Wening aus dem Jahr 1701 dargestellt ist, könnte eine Vorburg gestanden haben. Sjöberg beruft sich in diesem Zusammenhang auch auf den Spindler-Plan. Dieser Vermessungsplan wurde 1951 vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege in Auftrag gegebener. Er zeigt Vertiefungen in der Erde, womöglich von früheren Fundamenten herrührend.

Weiter auf dem Weg zur Burg soll ein Tor gewesen sein, das Äußere Tor. Es lässt sich laut Sjöberg anhand der Beschreibung aus dem Salbuch von 1593 genau bestimmen. Der Zugang durch ein Torgebäude erscheint dem Vereinsvorsitzenden an dieser Stelle sinnvoll, denn alle drei Wege, der aus Dorfen über die Hämerlbrücke, der Stockangerweg von Wolfratshausen hoch und der steile Aufgang von Weidach, liefen hier zusammen. Auf einem Deckenfresko Hans Thonauers von 1584 in der Münchner Residenz könnte dieses Tor sogar abgebildet sein. Über einen Obstgarten, Schweine- und Pferdeställe sollen die alten Rittersleute laut Salbuch zur Hauptburg, wie sie um 1600 stand, gelangt sein.

Die Hauptburg beginnt Abbildungen und Berichten zufolge in etwa dort, wo der 1852 errichtete Gedenkstein an die Wolfratshauser Burg steht, und erstreckt sich bis zum Ende des Bergrückens. Wo der Pulverturm situiert war, in den 1734 der Blitz einschlug, was zur Zerstörung der Burg führte, ist laut Sjöberg nicht bekannt: „Es gab mindestens vier Türme.“

Um all die Erkenntnisse wissenschaftlich zu untermauern, würde der Burgverein wie berichtet gerne per Bodenradar nach alten Fundamenten suchen lassen. „Das ist jedoch sehr teuer“, erklärte Manfred Raß. Man bemühe sich deshalb um Fördermittel. Ein weiteres Vorhaben des Vereins ist der Bau eines historischen Burg-Rundwegs mit Brücken, Palisaden und kleinen Holztürmchen abseits der bestehenden Bergwaldpfade. Das Problem, so Burgvereins-Vorsitzender Sjöberg, sei der abrutschende Hang, der empfindlich auf solche Eingriffe reagiere. Leichter umsetzen lässt sich ein drittes Vorhaben: Ein Schaukasten mit Informationen über die Burg oberhalb des Birnmühlplatzes. Der Holzkasten ist bereits an einer Hauswand angebracht. Demnächst soll er mit Info-Material bestückt werden. Tanja Lühr 

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