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Zu spät: Markus Ziesler hat wieder einmal seine S-Bahn verpasst – und nimmt es mit Humor.

Pendler reichen Beschwerde ein

„Busse sind ständig zu spät“

Wolfratshausen/Geretsried - Die Verspätungen der Buslinien 370 und 378 sind unzumutbar. Dieser Meinung ist Markus Ziesler. Der Geretsrieder hat sich mit anderen Pendlern zusammengetan und bei MVV und RVO Beschwerde eingereicht. Dort hat man das Problem bereits erkannt.

Ein Donnerstag im Januar, 9.24 Uhr. Markus Ziesler steht wie jeden Morgen an der Bushaltestelle Lilienstraße in Geretsried und wartet auf seinen Bus der Linie 378 zum Wolfratshauser Bahnhof. Mit vier Minuten Verspätung trifft dieser ein, notiert sich der 50-Jährige. „Doch die Verspätung wurde noch größer.“ Erst sieben Minuten später als geplant, um 9.45 Uhr, kommt der Bus an seiner Endstation an. Was sind schon sieben Minuten? Für Ziesler und einige andere Pendler ist das zu viel: „Denn damit haben wir die S-Bahn nach München um eine Minute verpasst, und die nächste Fahrtmöglichkeit hat man erst 40 Minuten später.“

150 Euro zahlt der IT-Berater monatlich für das Jahresabo des MVV-Gesamtnetzes. Damit pendle er „von Geretsried zum Flughafen und von Geltendorf nach Ebersberg“. Doch seit längerem habe er das Problem mit den Verspätungen. Und „schon Dutzende Mal“, wie er sagt, habe er diesen Zustand über das Online-Formular reklamiert. „Allerdings bekommt man darauf leider nur automatisierte Antworten mit vorgefertigten Entschuldigungs-Textbausteinen.“ Ziesler meint: „Da stimmt doch was nicht. Der Fahrplan ist zu eng getaktet.“ Zwar habe der Geretsrieder Verständnis dafür, wenn der Bus „in der Rush Hour“ feststeckt. „Aber um neun Uhr morgens?“ Zieslers Forderung: „Diese ständigen Verspätungen müssen beseitigt werden, damit der Auftrag für einen bedarfsgerechten öffentlichen Nahverkehr erfüllt werden kann.“

Mitte des Monats wandte sich Ziesler – auch im Namen einiger anderer Betroffener – zuletzt an den Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) und den Regionalverkehr Oberbayern (RVO), der die Buslinien betreibt. Auf Nachfrage unserer Zeitung räumt der zuständige Niederlassungsleiter Jürgen John die Verspätungen ein. John begründet das unter anderem mit dem Fahrplanwechsel am 14. Dezember im vergangenen Jahr. Seitdem sind auf den vier MVV-Linien von Wolfratshausen nach Geretsried, Bad Tölz (über Geretsried), Seeshaupt und Bad Heilbrunn rund 20 neue Busse im Einsatz (wir berichteten). Mit dieser Maßnahme habe sich auch der Dienstplan geändert – was wiederum zu Verspätungen führen könne. Die Busfahrer hätten das Problem bereits erkannt und sich mit den Worten „Das wird knapp mit den Wendezeiten“ an den Niederlassungsleiter gewendet.

John habe Verständnis für den Ärger der Pendler, wenn diese wegen der Verspätungen ihre Anschlussbusse oder -züge nicht erwischen. „Uns ist das Problem bekannt, und wir sind dran“, verspricht John. Konkret sei man dabei, das rechnergestützte Betriebsleitsystem auszuwerten. Dort laufen die Ist-Daten der Fahrzeuge ein, das heißt, wann genau sie welche Haltestelle erreichen. Diese wiederum könne man mit dem Fahrplan abgleichen und findet so heraus, „wo es krankt“. Außerdem müsse man verifizieren, ob es beispielsweise „bauliche Veränderungen im Verkehr gegeben hat“, zum Beispiel neue Tempo-30-Zonen. Allgemein sei „bekannt, dass auf den Straßen in Geretsried und Wolfratshausen viel los ist“. Vor einem Eingriff in den Fahrplan müsse man sich aber auf jeden Fall mit dem MVV abstimmen. Bis dahin rät John: „Nehmen Sie eine Verbindung früher, wenn Sie zum Beispiel einen wichtigen Termin haben.“ Alessandro Capasso

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