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Nahm bei der Sportlergala kein Blatt vor den Mund: Werner Henschelchen, Vorsitzender der DJK Waldram, bei seiner Laudatio für den Nachwuchssportler des Jahres in der Loisachhalle. Hinter ihm: Sportreferent und Stadtrat Maximilian Schwarz. 

Sportlergala der Stadt Wolfratshausen

Chef der DJK Waldram ist mit seinem Latein am Ende

Der Vorsitzende der DJK Waldram nahm bei der Sportlergala der Stadt am Freitagabend kein Blatt vor den Mund. Werner Henschelchen nutzte eine Laudatio, um die Turnhallensituation im größten Ortsteil der Loisachstadt zu kritisieren. Der Rathauschef reagiert verwundert.

„Salvete“: So begrüßte der DJK-Chef auf der Bühne stehend die Besucher in der ausverkauften Loisachhalle. In Richtung des Rathauschefs lieferte Henschelchen die Übersetzung mit: „Für diejenigen, die kein Latein hatten, Herr Heilinglechner, das bedeutet: Seid gegrüßt.“ Das Publikum reagierte auf die spöttische Bemerkung mit vorsichtigem Gelächter bis hin zu Kopfschütteln. Bürgermeister Klaus Heilinglechner selbst tauschte einen vielsagenden Blick mit seiner Frau Christine.

Genau genommen sollte Henschelchen eine Laudatio (feierliche Lobrede) auf den Nachwuchssportler des Jahres, Alessandro Rastelli, pfeilschneller Läufer und meisterlicher Hochspringer, halten. Dabei stellte der DJK-Chef mit Bedauern fest: „Alessandro Rastelli muss im Winter in einer Garage trainieren.“ Der Grund: Die Schulturnhalle in Waldram darf während der Ferien nicht genutzt werden. Wie aber soll ein Sportverein, der seinen Athleten in der kalten Jahreszeit keine adäquaten (angemessenen) Trainingsmöglichkeiten anbieten kann, ein Ausnahmetalent wie Rastelli halten können, fragte Henschelchen in die große Runde. Eine direkte Antwort bekam er nicht.

Die, so Heilinglechner auf Nachfrage unserer Zeitung, habe er dem Waldramer schon vor der Sportlergala in einem persönlichen Gespräch gegeben: „Ich habe Herrn Henschelchen bereits zweimal erklärt, dass wir als Stadt nicht wegen eines Ausnahmetalents alles umkrempeln können.“ Für andere Vereine wäre das „ein Schlag ins Gesicht“. Den Kommentar über seine fehlenden Latein-Kenntnisse habe er bereits vergessen: „Das nehme ich ihm nicht krumm.“ Nachwuchssportler Rastelli habe der DJK-Vorsitzende durch seinen Vorstoß mutmaßlich einen Bärendienst erwiesen: „Ich weiß nicht, ob er ihm damit einen Gefallen getan hat“.

Ähnlich sieht das Sportreferent und Stadtrat Maximilian Schwarz: Die Sportlergala zu nutzen, um die Stadt zu kritisieren, hält er „definitiv nicht für den richtigen Rahmen“, sagt er gegenüber unserer Zeitung. Er, der Sportreferent, und der Bürgermeister „sind beide umgängliche Leute. Über Probleme kann man mit uns jederzeit sprechen“. Gerade beim Thema Turnhallen habe es mehrfach einen Austausch mit den Vereinsvertretern gegeben.

Einige Tage nach der Sportlergala wiegelt Henschelchen im Gespräch mit unserer Zeitung ab: „Die Bemerkung über die Lateinkentnisse war nur ein harmloser Witz und nicht böse gemeint.“ Er habe in seiner Laudatio lediglich auf ein latentes (schlummerndes) Problem hinweisen wollen, „das ich schon zuvor mit vielen Stadträten und dem Bürgermeister besprochen habe“. Zwar sei ihm, Henschelchen, versichert worden, dass die Kommune sich des Themas annehmen wolle, „geschehen ist aber bisher nichts“.

(Dominik Stallein)

Einen Kommentar zu Werner Henschelchens Kritik finden Sie hier.

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