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Nicht immer ein Herz und eine Seele: Max Beier (l.) und David Hang brillierten mit witzigen Wortwechseln. 

Comedy im Hinterhalt

Schwiegermutterfreundliche Punks

Als Max Beier und David Hang am Freitagabend die Kulturbühne Hinterhalt betraten, kamen bei manchem Besucher schlimme Vorahnungen auf: Zwei unscheinbare Mittzwanziger beschimpften sich da vor einem roten Sofa – umgeben von einem leeren Pizzakarton, einer Gitarre, schmutziger Wäsche und Leo Tolstois „Krieg und Frieden“. Mehr Klischees gehen fast gar nicht.

Geretsried –  Doch das Duo, das sich auf der Schauspielschule kennenlernte und seit drei Jahren zusammen auftritt, bekam zur Freude der rund 30 Besucher erstaunlich schnell die Kurve. Allein der Dialog zweier „Hipster“, die ihre sinnfreien Unterhaltungen neuerdings nicht nur in Berlin, sondern auch mehr und mehr in gentrifizierten Münchner Stadtvierteln führen, war schon das Eintrittsgeld wert. Optisch hervorgehoben vom schrillen Szene-Outfit und ausladenden Gesten, entstand so ein amüsantes Bild von „schwiegermutterfreundlichen Punks“. „Was macht man denn so als Bologna-Flüchtling?“, fragte der im Wollpullover gekleidete Hang seinen Kompagnon. Dieser hatte gerade seinen sechsten Studiengang abgebrochen und verwies stolz auf zahlreiche Hashtags sowie Follower auf seinem Fashion-Blog.

Literarisches Promi-Dinner

Im anschließenden literarischen Promi-Dinner folgten dann lustige Wortspiele mit berühmten Schriftstellern und Romantiteln: Angefangen von „Brechtbohnen al Dante“ über „Tennessee Williamsbirne“ bis hin zu „Emil und den Digestifen“. Zwischendurch griff Max Beier immer wieder zur Gitarre und begleitete den schrillen Gesang seines Bühnenpartners, der über die Aufnahme von Flüchtlingen in seiner niederbayerischen Heimatstadt Dingolfing sang. Denn im „Damaskus an der Isar“ bringen profitorientierte Bürger die Flüchtlinge mittlerweile in Ställen unter.

Schuplattler-Einlage und Bocellis „Time to say goodbye“

Bei der Mitsing-Hymne ,Dididingolfing‘ zeigte Hang sogar eine fast artistisch wirkende Schuhplattler-Einlage. Und für eine Hinterhalt-Besucherin sollte der Auftritt sogar unvergesslich werden. Denn Max Beier fragte nach ihrem Namen, beugte sich lasziv über ihren Tisch und sang ihr das Ständchen „Fritzi“. Bei Komplimenten wie „Du bist das Salz auf meiner Stange, die Gans auf meiner Haut“ musste nicht nur die Angebetete lachen. Mit einer witzigen Coverversion von Andrea Bocellis „Time to say goodbye“ sowie der zweiten Zugabe „Muss den Priesterliebe Sünde sein“ klang ein abwechslungsreicher Abend aus, an dem sich Beier und Hang kontinuierlich steigerten. Ein Engagement in einer TV-Comedy-Show scheint unausweichlich. Vor der großen Konkurrenz muss sich die satirische Männer-WG gewiss nicht verstecken.

„Schmutzige Wäsche“

Das aktuelle Programm „Schmutzige Wäsche“ von Beier und Hang ist vom 25. bis 27. Februar, jeweils um 20 Uhr, im Theater Heppel und Ettlich, Feilitzschstraße 12, in München zu sehen.

Von Peter Herrmann

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