Im Landhaus-Café genießen die Gäste Speisen und Getränke, die ein gerade Kellner bringt.
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Wieder Leben in den Gaststätten: Wie hier im Landhaus-Café genießen die Gäste Speisen und Getränke.

Das Ende der Durststrecke

Corona-Pandemie: Wirte sind froh über Öffnung, haben aber noch mit Problemen zu kämpfen

Seit gut einer Woche haben sowohl Außen- als auch Innengastronomie endlich wieder geöffnet. Die Wirte sind froh, dass die Durststrecke überwunden ist, haben aber auch mit einigen Problemen zu kämpfen.

Bad Tölz-Wolfratshausen - Nach dem Ende des ersten Lockdowns vor ziemlich genau einem Jahr war das Ristorante Pinocchio in Münsing brechend voll. Pino Tedesco und seine Mitarbeiter servierten Pizza und Pasta bei schönem Wetter nicht nur auf der großen Terrasse entlang des Fußballfelds, auch auf dem Stück Wiese am Hartlweg waren Tische aufgestellt. Diesmal sind die Plätze draußen und drinnen zwar auch fast komplett besetzt, aber die Wiese bleibt frei.

Es fehlt an Personal

„Uns fehlt schlicht das Personal, um noch mehr Gäste bewirten zu können“, erklärt Inhaber Pino Tedesco. Lieber habe er nicht ganz so viele, dafür aber zufriedene Gäste, als dass die Leute lange auf ihr Essen warten müssten oder mit dem Service unzufrieden seien, sagt er. Ein Teil seiner Bedienungen und Küchenkräfte habe sich während der langen Zwangsschließung andere Jobs gesucht – als Paketfahrer zum Beispiel, sagt Tedesco. Er habe versucht, in Italien Aushilfen zu finden, doch dort erhielten Angestellte im Gastgewerbe Subventionen vom Staat, wenn sie zu Hause zum Arbeiten blieben. „Wenn ich im Lauf der nächsten Monate Personal kriege, biete ich gerne wieder mehr Tische an“, kündigt er an.

Weil sein Restaurant seit Jahren über den Landkreis hinaus beliebt ist, empfiehlt Tedesco, zu reservieren, vor allem am Wochenende. Komme jemand spontan nach einem Badetag am Starnberger See vorbei, versuchten er und sein Team aber immer, irgendwo noch ein Plätzchen zu finden. „Wir freuen uns ja alle, dass wir endlich wieder Gäste haben dürfen. Das tut so gut.“

Studenten haben sich andere Jobs gesucht

Ihre Studenten, die vor Corona als Aushilfen gejobbt haben, vermisst Karin Schmid vom Landhotel Klostermaier in Icking ebenfalls. Die jungen Leute haben sich mittlerweile andere Beschäftigungen gesucht. „Im Service geht es gerade noch, aber für den Hotelbetrieb suchen wir Personal“, sagt die Inhaberin. Abgesehen davon ist sie aber „total happy“, dass sowohl das Gasthaus als auch das Hotel seit vergangenem Montag voll sind. Sogar eine Geburtstagsfeier mit mehr als zehn Personen habe am Mittwoch erstmals wieder stattgefunden.

Theoretisch dürften im Außenbereich 100 und im Saal 50 Gäste zusammenkommen. Es gilt Maskenpflicht beim Betreten und Verlassen des Lokals sowie Registrierpflicht. Tatsächlich gebe es bereits Anfragen für kleinere Hochzeitsgesellschaften, Kommunionsfeiern und andere Anlässe, berichtet die Landhotel-Chefin. Aber: „Die Leute sind noch etwas vorsichtig.“

Noch kein großer Besucheransturm

Dass viele noch abwarten, zumindest bei der Planung von Festen, hat auch Ingrid Sebald-Wendl vom Landhotel Huber am See festgestellt. Das Ausflugslokal in Ambach am Ufer des Starnberger Sees hat in den vergangenen Tagen wegen des durchwachsenen Wetters noch keinen großen Besucheransturm verzeichnet. „Wir sind zufrieden, würden aber dank genügend Personal auch gerne mehr Besucher empfangen“, sagt Sebald-Wendl.

Während sich der Andrang Anfang vergangener Woche im Wolfratshauser LandhausCafé und -Restaurant laut Betreiberin Alexandra Steiner noch in Grenzen hielt – „die weitreichenden Lockerungen hatten sich wohl noch nicht herumgesprochen“ – waren Biergarten und Lokal an den folgenden Tagen gut gefüllt. „Wir haben viele ältere Stammgäste, für die das Landhaus-Café so etwas wie ein zweites Zuhause ist. Die haben sich wahnsinnig gefreut, wieder bei uns zu sein“, erzählt Steiner.

Allgemein habe sie den Eindruck, alle hätten sich eine Menge zu erzählen und würden das Beisammensein in gemütlicher Runde wieder richtig genießen. Deshalb rät Steiner dazu, sowohl unter der Woche als auch am Wochenende zu reservieren. So könne sie garantieren, dass die Gäste im Fall eines Regenschauers auf einen für sie frei gehaltenen Tisch im Lokal ausweichen könnten. Denn insgesamt sind die Sitzgelegenheiten in allen Gastronomiebetrieben wegen der einzuhaltenden Abstände reduziert.

Lieferservice eingestellt

Bernhard Ücker von der Gaststätte Isarwinkel in Geretsried berichtet, dass der Liefer- und Abholservice während des Lockdowns bei ihm „extrem gut“ gelaufen sei und er die Öffnung der Gastronomie deshalb aus finanzieller Sicht nicht ganz so dringend herbeigesehnt habe wie mancher Kollege. Aus persönlicher Sicht freue er sich natürlich, dass er sich zu lieben Stammgästen endlich wieder auf einen Ratsch an den Tisch setzen könne: „Das hat schon gefehlt.“ Damit es in der Gaststube und im Saal bald wieder brummen kann, sucht auch Ücker Personal. Seinen Lieferservice hat er eingestellt, das To-go-Angebot besteht – wie bei den meisten anderen Gaststätten im Landkreis – aber weiterhin.

Tanja Lühr

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