Gaby Reith „Sonst sind wir auch immer sehr pingelig“

Dank Wohnmobil: Garage wächst

Wolfratshausen - Dass sich hinter einem vermeintlich harmlosen Bauantrag ein Aufreger verbergen kann, wurde am Mittwoch im Bauausschuss deutlich. Ein Ehepaars will eigentlich nur eine Garage bauen.

Die Antragsteller wollen auf ihrem Grundstück an der Angerstraße eine Garage bauen. Geplant ist eine Satteldachgarage mit 18 Grad Dachneigung und einer Wandhöhe, die 57 Zentimeter über der der unmittelbar angrenzenden Flachdachgarage liegt. Weil das Ehepaar sein kleines Wohnmobil unterstellen wollen, wird außerdem eine Torhöhe von 2,30 Metern benötigt, heißt es in dem Antrag. Den Stauraum im Satteldach wollen sie als Lagerfläche nutzen.

So weit, so gut. Das Problem ist nur, dass der Bebauungsplan - er gilt für den südlichen Bereich der Angerstraße - profilgleiche und einheitlich gestaltete Garagen mit begrüntem Flachdach verlangt. Darauf, so die Antragsteller, könne jedoch verzichtet werden, weil ihr Vorhaben die zulässige bauliche Nutzung deutlich unterschreite. Außerdem gebe es auf der Nordseite der Angerstraße bereits Garagen mit Satteldach. Der Eigentümer einer der unmittelbar westlich angrenzenden zwei Garagen hat dem Vorhaben nicht zugestimmt.

Die Verwaltung beurteilte das Projekt kritisch. Begründung: Die Gestaltung der Garagendächer sei in diesem Bereich bewusst erfolgt. Würde man einer Befreiung zustimmen, drohe ein Präzedenzfall, „der das gewünschte einheitliche städtebauliche Erscheinungsbild stört“, sagte Bürgermeister Helmut Forster.

Das Gremium sah das weitgehend ähnlich. Vor allem Gaby Reith (Grüne) plädierte dafür, die eigenen Grundsätze nicht über den Haufen zu werfen. Man habe sich bei der Aufstellung des Bebauungsplans für diesen Teil der Angerwiese schließlich etwas gedacht, habe ein vernünftiges Verhältnis zwischen Bebauung und Grünflächen herstellen wollen. „Sonst sind wir auch immer sehr pingelig. Und jetzt, kaum ist der letzte Baum gepflanzt, fangen wir an, daran zu rütteln“, sagte die Grünen-Rätin. „Da würde ich mich freuen, wenn das Landratsamt einschreitet.“ Auch Günther Eibls Idee, den Bebauungsplan für diesen Einzelfall zu ändern, „weil das Gebiet dann sowieso fertig bebaut ist“, konnte Reith nichts abgewinnen. „Das dauert nicht lange, bis andere nachziehen.“

Richard Kugler (CSU) hätte „grundsätzlich kein Problem“ mit einem Satteldach. „Wenn sie nicht gepflegt werden, schauen Gründächer ja nach nichts aus. Außerdem macht auf der anderen Straßenseite auch jeder, was er will.“ Dort gelte aber ein anderer Bebauungsplan, gab Bauamtschef Dieter Lejko zu bedenken.

Renato Wittstadt (SPD) schlug schließlich vor, die höhere Garage zu ermöglichen, aber auf dem begrünten Flachdach zu bestehen. Mit der Ergänzung, dass die angrenzenden Garagen - etwa durch eine Blende, eine sogenannte Attika - in der Höhe angepasst werden müssen, stimmte das Gremium zu. Gegenstimmen kamen von Richard Kugler und Klaus Heilinglechner (Bürgervereinigung). Geklärt werden muss noch, ob die Eigentümer der anderen Garagen einverstanden sind und wer die Kosten für die Aufstockung trägt.

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