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Badehausverein Waldram erinnert an ehemaliges DP-Lager Föhrenwald

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Zeitzeuge Chone Surowicz (r.) berichtete Badehaus-Vorstandsmitglied Emanuel Rüff
Zeitzeuge Chone Surowicz (r.) berichtete im Gespräch mit Badehaus-Vorstandsmitglied Emanuel Rüff über seine Erlebnisse in Föhrenwald. © Herrmann

Waldram – Ein Interview mit dem Zeitzeugen Chone Surowicz stand im Mittelpunkt der Finissage zur Ausstellung „LebensBilder – Porträts aus dem jüdischen DP-Lager Föhrenwald“.

Bevor Chone Surowicz 1952 mit seiner Familie im Lager Föhrenwald ankam, durchlebte er eine von Flucht und Hunger geprägte Odyssee. Geboren im damals polnischen Dorf Glinne, wurde er zusammen mit seiner Familie zunächst in ein Ghetto deportiert. Von dort flüchtete seine Mutter mit ihm, seinen Geschwistern und seiner Tante zunächst in die naheliegenden Wälder der Karpaten, in denen er zwei Jahre lang aufwuchs. „Im Winter mussten wir an den umliegenden Häusern um Nahrung betteln“, erinnerte sich der mittlerweile 80-jährige Rentner.

Nach dem Einmarsch der russischen Armee führte der Weg seiner Familie zunächst ins DP-Lager Berlin Tempelhof und über mehrere Umwege schließlich bis nach Waldram. „Damals lebten dort etwa 5.000 Menschen“, berichtete Surowicz. Die vorherigen Entbehrungen waren für den damals elfjährigen Buben schnell vergessen. „Es herrschte eine sehr freundliche Atmosphäre: Jeder kannte jeden“, so Surowicz. Neben Tischtennisspielen im Jugendclub und Aufenthalten am nahegelegenen Isarufer erinnerte er sich auch an die Mikwe im Badehaus – ein jüdisches Ritualbad, das er jedoch nur einmal nutzte. Viel lieber heckte er mit seinen Freunden Streiche aus oder schmuggelte sich in eine Kinovorstellung im benachbarten Wolfratshausen, um sich das Eintrittsgeld von 30 Pfennig zu sparen. Vor dem von Badehaus-Vorstandsmitglied Emanuel Rüff geführten Interview verfolgten die Gäste der Finissage auf einer Leinwand Lesungen weiterer „Männerbilder“.

Karl Bär, der seit Kurzem die Grünen im Bundestag vertritt, würdigte dasEngagement des Badehaus-Vereins. „Es ist auch heute noch wichtig, an die Verbrechen des Nationalsozialismus zu erinnern“, erklärte er. Emanuel Rüff gab dem Bundestagsabgeordneten mit auf den Weg, dass der Badehaus-Verein aufgrund finanzieller Engpässe dringend „institutioneller Förderung“ bedarf. Nachdem Peter Schneider (Klarinette), Christian Kaufmann (Violine), Werner Bürgle (Viola und Violoncello) und Johannes Feldmann (Klavier) den offiziellen Teil des Abends beendet hatten, lud Fotografin Justine Bittner die Gäste ins Gartengeschoß ein. Dort sind noch bis zum 28. November ihre Porträts zu sehen. „Mir kommt es darauf an, nicht nur das Gesicht, sondern vor allem die Persönlichkeit der Menschen zu fotografieren“, verriet sie.

Die Fotografien von Justine Bittner sind noch bis Donnerstag, 28. November, im Gartengeschoss des Erinnerungsortes Badehaus zu sehen. Peter Herrmann

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