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Neue Chemikalienverordnung könnte Geretsrieder Unternehmen schwer treffen

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Von: Viktoria Gray

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Beide Rudolf-Geschäftsführer Wolfgang Schumann (l.), Wolfgang Anton Schumann (2.v.l.), Oliver Kusterle (2.v.r.) und Gunther Duschek (r.) mit den CSU-Landtagsabgeordneten Martin Bachhuber und Kerstin Schreyer.
Diskutierten über die geplante Chemikalienverordnung der EU: die Rudolf-Geschäftsführer Wolfgang Schumann (l.), Wolfgang Anton Schumann (2.v.l.), Oliver Kusterle (2.v.r.) und Gunther Duschek (r.) mit den CSU-Landtagsabgeordneten Martin Bachhuber und Kerstin Schreyer. © Liebe

Geretsried – Die EU plant eine neue Chemikalienverordnung. Das entsetzt vor allem das Geretsrieder Unternehmen „Rudolf Chemie“, dass die Regelung schwer treffen könnte. Bachhuber und Schreyer sicherten Hilfe zu.

Polymere seien die Grundlage jedes Kunststoffs. Für „Rudolf Chemie“ in Geretsried seien sie daher eine der tragenden Säulen im Produktportfolio. Nun drohe jedoch Unheil aus Brüssel. Die von der EU ab 2024 geplante Einführung der neuen Chemikalienverordnung würde das Unternehmen massiv betreffen. „Eine Katastrophe“, klagt Geschäftsführer Wolfgang Schumann. Nun bat er den CSU-Stimmkreisabgeordneten Martin Bachhuber und Kerstin Schreyer, die Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses im Bayerischen Landtag, nach Geretsried, um mögliche Auswege aus dieser Misere zu erörtern.

Die Verärgerung bei Rudolf Chemie liegt auf der Hand: Reichte es bislang noch, dass die monomeren Grundbausteine eines Polymers bei den EU-Behörden zugelassen sein mussten und so das aus den wiederholenden Einheiten bestehende Produkt logischerweise von einer Zulassung befreit war, benötigen Unternehmen der chemischen Industrie ab 2024 für jedes einzelne Polymer eine eigene Genehmigung. „Das verursacht horrende Kosten für die Gutachten und obendrein einen unvorstellbaren bürokratischen Aufwand“, sagt Schumann.

Alle verwendeten Stoffe sind bereits genehmigt

Allein in seinem Unternehmen wären 159 Produkte von diesem neuen Zulassungsprozess betroffen, den dadurch verursachten Umsatzausfall beziffert Schumann auf knapp 16 Millionen Euro. Außerdem müsste er rund 7 Millionen Euro investieren, nur um das bisheriges Geschäft weiter führen zu können. „Die Stoffe, die wir verwenden, sind schon alle genehmigt, aber halt nicht in jeder theoretisch möglichen Verbindung“, ärgert sich Schumann besonders.

Der Rudolf-Chef vermutet dahinter knallharten Lobbyismus in Brüssel: „Die großen Unternehmen der chemischen Industrie stecken diese zusätzliche Belastung locker weg, aber Mittelständler wie wir leiden massiv darunter.“ Darüber hinaus werde die Entwicklung neuer, nachhaltiger Technologien aufgrund des Bürokratieaufkommens massiv eingeschränkt.

Korrektur der Verordnung soll erwirkt werden

Martin Bachhuber schüttelt verständnislos den Kopf und meint: „Da ist Brüssel drauf und dran, den nächsten kapitalen Bock zu schießen.“ Angesichts derartiger Verordnungen dürfe man sich nicht wundern, wenn Investoren aus dem industriellen Bereich ihr Engagement in Länder außerhalb der EU verlagern.

Gemeinsam mit Kerstin Schreyer versucht er nun zu retten, was noch zu retten ist. Und das bedeutet in diesem Fall politische Arbeitsteilung: Während Bachhuber seinen Parteikollegen Manfrede Weber, den Vorsitzenden der EVP-Fraktion im Europaparlament, auf dieses Thema ansetzen möchte, um in letzter Minute noch Korrekturen an der Chemikalienverordnung zu erwirken, will Schreyer den bayerischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger bitten, den Druck auf Brüssel zu erhöhen. „Wir können es einfach nicht zulassen, dass erfolgreiche mittelständische Unternehmen aus Bayern durch die Regulierungswut aus Brüssel ganz erheblich benachteiligt werden“, erklärt Schreyer.

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