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Demo in Wolfratshausen: Hingerl bezeichnet Corona-Maßnahmen als „Verbrechen gegen Kinder“

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Von: Peter Herrmann

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Rechtsanwalt Josef Hingerl (l.) bei einer Demo in Wolfratshausen.
Rechtsanwalt Josef Hingerl (l.) bezeichnete die derzeitigen Corona-Vorgaben als „Verbrechen gegen die Kinder“. © ph

Wolfratshausen – In einer Zeit der hohen Inzidenzwerte, formiert sich ein Verein, der gegen Corona-Beschlüsse und gegen eine Impfung von Kindern ist.

Aufgrund der anhaltend hohen Inzidenzwerte und der intensiven Arbeitsbelastung in den Krankenhäusern schlagen Ärzte Alarm und appellieren, sich per Impfung vor Corona schützen zu lassen.

Zugleich hat sich ein Verein formiert, der gegen die Corona-Beschlüsse protestiert und sich gegen eine Schutzimpfung von Kindern und Jugendlichen äußert.

Hinter diesem Verein „Kinderrechte jetzt“ steht Rechtsanwalt und Golfclubbetreiber Josef Hingerl, der als Gegner der Corona-Maßnahmen bereits in Kritik stand, als er den Golfplatz öffnete und damit gegen die geltenden Infektionsschutz-Maßnahmen verstieß.

Gegen Coronaschutzimpfung von Kindern- und Jugendlichen

200 Menschen aller Altersgruppen versammelten sich nun vor der Loisachhalle, um ihren Unmut gegen die Corona-Beschlüsse der Regierung zu äußern. Aufgerufen dazu hatte der Verein „Kinderrechte Jetzt“, der eine Coronaschutzimpfung von Kindern- und Jugendlichen strikt ablehnt.

Bei der anlässlich des Weltkindertages ausgerufenen Kundgebung zweifelte Vereinsmitbegründer Jürgen Müller den Aussagewert von Inzidenzen an. „Kinder sind von Corona so gut wie nicht betroffen: Sie haben eine Infektionssterblichkeit von 0,00002 Prozent – das ist weniger als durch Influenza oder Ertrinken“, erklärte Müller.

Verdrehung der Tatsachen

Die momentane Verschärfung der Maßnahmen hält er weder rechtsstaatlich noch ethisch vertretbar. In einem Rundumschlag warf Müller in sarkastischem Ton Politikern und Medienvertretern eine bewusste Verdrehung der Tatsachen vor und bezog sich dabei auf die Berichte über die hohen Todeszahlen aus dem italienischen Bergamo.

Danach griff Josef Hingerl zum Mikrofon: Ein Mann, der bereits für Aufsehen sorgte und nun die derzeitigen Corona-Maßnahmen als „Verbrechen gegen Kinder“ bezeichnete.

Politikern sprach der streitbare Rechtsanwalt jegliche Lebenserfahrung ab. Zudem outete sich Hingerl als Impfgegner. „Die können mich impfen, wenn ich tot bin“, betonte er.

„Respekt vor nachprüfbaren Fakten schwindet“

Es sei korrekt, „sich Gedanken zu machen, ob Kinder geimpft werden sollen oder nicht“, sagte Dr. Jörg Lohse, Münsinger Hausarzt und Kreis-Corona-Koordinator, kritisch sei aber die Tatsache, dass der Respekt vor nachprüfbaren Fakten schwindet. Wenn es heißt „Corona ist nicht schlimm, stellen sich mir die Nackenhaare auf“, erklärt Lohse. „Skepsis ist rational, aber ein emotionales, aggressives Ablehnen ist das nicht. Der Verein ist eine negative Erscheinung in der Pandemie.“ Denn hier werden „in dem hochemotionalen Feld Kinder kampagnengleich“ eingesetzt, um die Krankheit zu verharmlosen, vermutet Lohse. In seinen Augen ist durch solche Aktionen eine wichtige Diskussion abgebrochen. Er findet, dass die Impfung von Kindern eine Elternentscheidung ist, die ausdiskutiert werden sollte.

Peter Herrmann und Franca Winkler

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