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Geretsried: Andreas Wagner verlässt die Linke 

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Von: Viktoria Gray

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Andreas Wagner aus Geretsried
Engagierte sich für die Linken im Bundestag: Nun ist Andreas Wagner aus der Partei ausgetreten. © Daniel Rudolph

Geretsried/Berlin - Andreas Wagner, bis vor Kurzem Bundestagsabgeordneter der Linken, hat die Partei verlassen. 

2017 wurde Andreas Wagner überraschend für „die Linke“ in den Deutschen Bundestag gewählt. Nun trat der 49-jährige Geretsrieder aus der Partei aus. Als Gründe für seinen Ausstieg nannte er die lasche und teils falsche Haltung der Linken zur Corona-Politik und Sahra Wagenknechts Saat an Zweifeln gegenüber der Wissenschaft und dem Impfen.

„Ich habe in den letzten vier Jahren meiner Zeit im Bundestag einige schmerzhafte Erfahrungen gemacht, die Spuren hinterlassen haben und meine psychische Gesundheit angegriffen haben“, schreibt Wagner in seiner Austrittserklärung an den Landesvorstand. Zum Wohl der Partei habe er einiges „heruntergeschluckt“.

Als Parteimitglied fühlte sich Wagner für manche nur so lange wichtig, als er zum Organisieren von Mehrheiten benötigt wurde. „Ich wurde in Schubladen gesteckt, man erkundigte sich über mich, wie ich denn so sei, ohne mit mir direkt zu reden“, moniert er weiter. Oft habe er sich ausgegrenzt, nicht dazugehörig und zwischen den Stühlen gefühlt.

Aufgabe der Opposition

Linke Politik müsse sich in Wagners Augen stark für Menschen in schwierigen Lebenslagen machen. Vor allem während der Corona-Pandemie hätte die Linke der Regierung viel mehr Druck machen müssen. „Die Linke hat sich nach meinem Eindruck weggeduckt und gleichzeitig das Feld Sahra Wagenknecht überlassen.“

Um Zweifel an der Wissenschaft und am Impfen zu säen, würde sich Wagenknecht die Dinge so hindrehen, wie es ihr gerade passt.

Wagenknecht war nach einem Talkshowauftritt in der Sendung „Anne Will“ in ihrer eigenen Partei in die Kritik geraten, weil sie Zweifel an den freigegebenen Corona-Impfstoffen geäußert und „Long Covid“ als „umstritten“ bezeichnet hatte.

Dagegen setzt sich Wagner aktiv für ME/CFS (Chronisches Erschöpfungssyndrom) erkrankte Menschen ein. „Die Folgen einer Corona-Infektion können zu Long-Covid, ME/CFS und bis hin zur Berufsunfähigkeit führen“, erklärt Wagner. Deswegen sei Impfen so wichtig.

Außerdem bedauert der 49-Jährige, dass viele „Beschäftigte in den Kliniken im Stich gelassen“ werden und dass es die Aufgabe der Opposition sei, in so einem Fall die Regierung zum Handeln zu drängen. „Da hilft es auch nicht, auf Fehler in der Gesundheitspolitik zu verweisen.“ Die enorme Belastung und der tagtägliche Kampf um das Leben anderer Menschen würden weitergehen.

Keine lösungsorientierte Politik

In der aktuellen Krise erwartet Wagner eine lösungsorientierte Politik. Erkrankten Menschen und Beschäftigten im Gesundheitswesen müsse man beistehen und für diese kurzfristig Maßnahmen auf den Weg bringen, die die Situation verbessern.

Wagner könne leider nicht erkennen, dass die Linke in der Pandemie entsprechend agiert. Stattdessen würde sie sich eher zurückhalten. „Ich finde es nicht ehrlich, wenn erst die Füße stillgehalten werden und später, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, ein Aufschrei erfolgt und Versäumnisse kritisiert werden.“

Wagner sei damals einer anderen Partei eingetreten als die, die er rückblickend die letzten vier Jahre erlebt habe. Das Wort „Solidarität“ sei verbreitet zu einer Floskel verkommen. „Ich fühle mich in der Partei nicht mehr wohl“, begründet der 49-Jährige weiter seinen Austritt. Von nun an will sich Wagner wieder außerhalb der Partei für das Gemeinwohl engagieren.

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