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Geretsried will mit Wolfratshausen gemeinsam zum Oberzentrum werden

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Von: Viktoria Gray

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Das interkommunale Hallenbad in Geretsried
Das interkommunale Hallenbad: Damit hätte Geretsried innerhalb des gemeinsamen Oberzentrums bereits eine zentralörtliche Einrichtung des „spezialisierten höheren Bedarfs“. © Gray

Geretsried – Mit einem gemeinsamen Oberzentrum möchte der Nordlandkreis Zukunftsregion werden. Geretsrieds Bürgermeister fühlte sich bei der Planung des Tizio Standorts in Bad Tölz übergangen.

In der jüngsten Geretsrieder Stadtratssitzung brachte der Tagesordnungspunkt „Teilfortschreibung des Landesentwicklungsprogramms“ die Zusammenführung von Wolfratshausen und Geretsried zu einem gemeinsamen Oberzentrum erneut auf den Plan. Nicht zuletzt, um sich damit „gegenüber dem Landrat, Landkreis und dem Süden zu positionieren“, wie Bürgermeister Michael Müller erklärte.

Die Idee, ein gemeinsames Oberzentrum zu werden, ist nicht neu. Bereits seit 2018 wurde darüber gesprochen. Nun bekräftigte der Stadtrat das Ziel, sich gemeinsam mit der Stadt Wolfratshausen für eine Hochstufung zum gemeinsamen Oberzentrum einzusetzen. Schwierig dürfte dann nur die Zusammenführung der beiden Gremien werden. „Das ist nicht ganz leicht“, berichtete Müller.

Waldkraiburg dient als Vorbild

Als gemeinsames Oberzentrum würde man in erster Linie einen höheren Status erlangen. Finanziell bringe es den beiden Städten nichts, jedoch steigere man die Chancen, um künftig als Standort für zentrale Versorgungseinrichtungen wie etwa einer Hochschule eher infrage zu kommen. Die Wirtschaftskraft, die im Nordlandkreis herrscht, könnte nicht mehr so leicht untergraben werden. Man erhoffe sich auch einen priorisierten Umgang, wenn es um wichtige Verkehrsprojekte geht.

Geretsrieds Schwester- und ebenso Vertriebenenstadt Waldkraiburg hat es bereits vorgemacht. Seit 2018 bildet sie im fortgeschriebenen Landesentwicklungsprogramm (LEP) des Freistaats mit dem Nachbarn Mühldorf am Inn ein Oberzentrum. Waldkraiburg hat 25.000 und Mühldorf am Inn 17.000 Einwohner.

Die Bedingungen im Nordlandkreis sind ähnlich. Geretsried hat circa 26.000 und Wolfratshausen knapp 18.000 Bürger. „Das gemeinsame Zentrum beheimatet rund 46.000 Einwohner“, sagte Rainer Goldstein, Abteilungsleiter des Bereichs Bauen bei der Stadt.

Fall „Tizio“ in Zukunft vermeiden


Ein gemeinschaftliches Oberzentrum würde also „komplett Sinn machen“, fand Goldstein. Die Städte Geretsried und Wolfratshausen sind immerhin deutlich verdichtete Zentren am südlichen Rand von München und bündeln als gemeinsames Mittelzentrum örtliche Einrichtungen des gehobenen Bedarfs. Solche „Einrichtungen des spezialisierten höheren Bedarfs“ seien maßgeblich für ein Oberzentrum. Auch werde aufgrund des starken Wachstums die Anzahl der Einwohner bis 2030 stark steigen und die 50.000 Einwohner-Marke überschreiten.

„Wir sind eine Zukunftsregion“, warf auch CSU-Stadtrat Franz Wirtensohn ein. Sein Fraktionskollege Hans Ketelhut stimmte zu und äußerte einen eindeutigen Appell: „Das Landratsamt darf uns hier oben nicht vergessen.“

Michael Müller, Bürgermeister Geretsried
Michael Müller, Bürgermeister Geretsried © RS

Als Beispiel „der Untergrabung“ nannte Müller den erst kürzlichen Fall um das Transfer- und Innovationszentrum (Tizio) der Hochschule München. Nach einem, aus seiner Sicht „unfairen Verfahren“ kommt die Hochschule- nun nach Bad Tölz.

Es entbrannte eine Grundsatzdebatte darüber, dass Geretsried im Landkreis „permanent übergangen werde“, wie der Rathaus-Chef es beschrieb. „Wir sind ja viel später erst in das Ausschreibungsverfahren mit eingebunden worden. Mit Tizio wurden wir richtig in die Pfanne gehauen“, sagte Müller. Deswegen biete ein Oberzentrum eine gute Klammer, um die Ziele der Kommune zu festigen und die Stadtentwicklung weiter voranzutreiben. Auch beim Kreiskrankenhaus habe man es geschafft, wobei Müller nicht glaubt, dass dieses Thema schon gegessen sei.

Bürgermeister Michael Müller: „Wir wurden richtig in die Pfanne gehauen“

Als weitere Beispiele nannte der Bürgermeister auch die Verlegung der B 11 und die Verlängerung der S 7. Es müsse nun auch mal „Schluss mit den freundlichen Worten sein.“ „Wir müssen jetzt aufstehen und uns gegenüber dem Landrat, Landkreis und dem Süden positionieren.“

Damit in Zukunft Vorfälle wie „Tizio“ nicht mehr vorkommen, müsse jetzt mit Wolfratshausen zusammen gearbeitet werden. Für Anfang Mai wurde daher eine gemeinsame Stadtratssitzung mit Wolfratshausen angesetzt, bei der die Bewerbung für das gemeinsame Oberzentrum ausgearbeitet werden soll.

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