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Stadtrat Wolfratshausen beschließt Neuauflage der „Eiszeit“

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Stadtrat Wolfratshausen entscheidet
Erhobene Hände und einige nachdenkliche Gesichter: Die Entscheidung für eine Neuauflage der „Eiszeit“ im Stadtrat war nicht unumstritten. © Peter Herrmann

Wolfratshausen – Mit einer deutlichen 16:5-Stimmenmehrheit beschloss der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung eine Neuauflage der Eiszeit an der alten Floßlände im kommenden Winter.

Damit ist die Entscheidung des Kulturausschusses, dessen 4:4-Stimmenpatt das Aus für die Open-Air-Veranstaltung bedeutet hätte, revidiert. Zweiter Bürgermeister Günther Eibl (CSU), der die Sitzung in Vertretung von Klaus Heilinglechner leitete, sprach vor der Debatte von einer schwierigen Entscheidung. Angesichts steigender Strompreise sowie den Klimaschutzzielen und Sparvorgaben der Stadt könne kein „Dauerauftrag“, sondern vorerst nur eine einmalige Zusage für die Eiszeit erteilt werden.

Dr. Hans Schmidt (Grüne) plädierte gegen eine Neuauflage und nannte Zahlen. „Wir können es uns nicht mehr leisten, Stromerzeugungspotenziale nicht zu nutzen und gleichzeitig eine Eiszeit zu genehmigen, die bei immer wärmer werdenden Wintern ca. 35.000 kWh, also Strom von ca. 10 Drei- bis Vierpersonenhaushalten pro Jahr verbraucht“, rechnete der Umweltreferent des Stadtrats vor. Jugendreferentin Jennifer Layton folgte der Empfehlung ihres Fraktionskollegen nicht.

Eiszeit sei Alleinstellungsmerkmal in der Region

„Die Eiszeit ist ein Highlight, das sich jedes Jahr aufs Neue bewährt uns insbesondere von Kindern und Jugendlichen hervorragend angenommen wird“, erklärte die Jugendreferentin. Helmuth Holzheu (Bürgervereinigung) gab ihr Recht und bezeichnete die Eiszeit als „Alleinstellungsmerkmal in der Region“. Den Strombedarf hält auch Fraktionskollegin Dr. Ulrike Krischke für verkraftbar. „So viel wird auch bei kleinen Kulturfestivals verbraucht“, sagte sie. Gerlinde Berchtold (SPD), Dr. Patrick Lechner (FDP), Josef Praller (Bürgervereinigung), Claudia Drexl-Weile (CSU) und Dr. Manfred Fleischer (Wolfratshauser Liste) brachen in ihren Reden ebenfalls eine Lanze für die Eiszeit. „Was gut läuft, sollte man erhalten“, befand Berchtold.

Zu Unrecht an den Pranger gestellt, fühlten sich die „Eiszeit-Gegner“ Manfred Menke (SPD) sowie Annette Heinloth und Peter Lobenstein (beide Grüne). „Ich hätte mir in einen anderen Beschlussvorschlag und die Prüfung von Alternativen gewünscht“, räumte Heinloth ein. Fraktionssprecher Lobenstein bezweifelte, ob ein voraussichtliches Defizit von rund 50.000 Euro mit der Haushaltskonsolidierung der Stadt vereinbar sein. Die von Manfred Menke bereits im Kulturausschuss genannte kostengünstige Alternative, im Geretsrieder Eisstadion Zeiten für Wolfratshauser Schüler zu buchen, kam für eine Stadtratsmehrheit nicht infrage. Neben Menke stimmten auch Fritz Schnaller (SPD), Annette Heinloth, Peter Lobenstein und Dr. Hans Schmidt (alle Grüne) gegen die Eiszeit.

Kurzfristige Absage sei möglich

Kulturamtsmitarbeiterin und Eiszeit-Organisationsleiterin Marlene Schretzenmaier begrüßte den Entschluss, auch weil die Kälteaggregatmaschinen noch in dieser Woche bei einer ausländischen Firma bestellt werden müssen. Sollten sich die Corona-Inzidenzzahlen im Herbst nach oben entwickeln oder die Stromversorgung infolge von Kriegsereignissen zusammenbrechen, wäre aufgrund vertraglich vereinbarter Ausstiegsklauseln eine kurzfristige Absage möglich. Damit rechnet Schretzenmaier jedoch nicht. Sie freut sich auf die mittlerweile fünfte Auflage des sechswöchigen Schlittschuhvergnügens. Peter Herrmann

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