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Wolfratshausen: Info-Veranstaltung zum Thema „Mobilfunk und 5G“ klärt über Risiken und Chancen auf

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 Reinhold Balthasar (l.).
Befürchtet erhöhte Strahlenbelastung in Wohngebieten: Reinhold Balthasar (l.). © Herrmann

Wolfratshausen – Die technischen und rechtlichen Grundlagen zum Thema „Mobilfunk und 5G“ vermittelten vier Referenten im Rahmen einer Informationsveranstaltung der Stadt. Im Anschluss daran meldeten sich vor allem die Kritiker der „Bürgerinitiative Wolfratshausen zum Schutz vor Elektrosmog“ zu Wort.

„Für den Mobilfunkstandard 5G ist Wolfratshausen bereits versorgt“, stellte Thomas Gritsch fest. Als Sachverständiger der Regierung von Oberbayern für elektromagnetische Umweltverträglichkeit vom TÜV Süd berät er die Loisachstadt bereits seit 2006.

Gritsch stellte in diesem Zeitraum fest, dass eine massive Kommunikation (IoT) die Installation einer Vielzahl von kleinen Sendern – sogenannte Small Cells – in der Nähe der Menschen erfordere. Das Problem: Auch die Strahlenexposition wird durch die 5G-massivMIMO-Antennen zunehmen. „Dadurch ist auch die Einhaltung der vorgeschriebenen Grenzwerte schwieriger“, räumte der Sachverständige ein.

Begrenzter Einfluss der Gemeinden

Rechtsanwalt Jürgen Busse, ehemaliges geschäftsführendes Präsidialmitglied des Bayerischen Gemeindetags, verwies anschließend auf die bestehende Rechtslage zur Installation von Mobilfunkmasten. „Die von einer Anlage ausgehende Strahlung ist nicht Gegenstand der Prüfung im bauaufsichtlichen Genehmigungsverfahren“, erklärte er.

Zudem seien Antennen und Masten mit einer freien Höhe bis zu zehn Meter im Außenbereich sowie dazugehörige Versorgungseinheiten verfahrensfrei.

Auch Mobilfunkmasten mit einer Höhe von zehn bis 30 Metern gelten nicht als Sonderbauten. Susanne Leonhard, Leiterin des städtischen Referats Planen und Umwelt, stellte daraufhin den derzeit in Wolfratshausen geltenden Mobilfunk-Status vor.

So fällte der Stadtrat schon im Februar 2000 einen Grundsatzbeschluss, der die Errichtung von Mobilfunkantennen in Wohn- und Mischgebieten verbietet. Zudem sollen stadteigene Grundstücke und Gebäude nicht für die Errichtung von Mobilfunkanlagen verwendet werden.

Den Bau eines Mobilfunkmastes an der Straßenmeisterei und die Errichtung eines Masten für Behördenfunk an der Polizeiinspektion konnte die Stadt dennoch nicht verhindern.

Kritik an zu hohen Grenzwerten

Der von der Bürgerinitiative beauftragte Experte Jörn Gutbier (diagnose:funk) glaubt dennoch, dass Kommunen als Standortvermieter, Schulträger und Arbeitgeber mehr Einfluss auf die Mobilfunkbetreiber ausüben könnten. Die derzeit geltenden Grenzwerte bezeichnete er als „Farce“, die von einem „Lobby-Kartell“ unter Beteiligung des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) zur „Täuschung der Öffentlichkeit“ verbreitet werden.

Er forderte den Einsatz strahlungsärmere Technologien und die Reduzierung von Mobilfunkmasten. „Wir wollen nicht den Mobilfunk abschaffen, sondern anders damit umgehen“, stellte Gutbier klar.

Handy ist gefährlicher als Mobilfunkmast

In der anschließenden Diskussionsrunde wollte Reinhold Balthasar wissen, ob in Wolfratshauser Wohngebieten in Zukunft vielleicht doch mehrere neue kleine Sender errichtet werden. „Das hängt von den Anwohnern ab“, entgegnete Gritsch.

Wenn kein Bedarf an einem Ausbau des Netzes da sei, würden die Anbieter auch nicht tätig werden. FDP-Stadtrat Patrick Lechner hält schnellere Internetverbindung und eine Modernisierung der Mobilfunknetze für wünschenswert. „Es geht auch darum, dass unsere Unternehmen im internationalen Vergleich wettbewerbsfähig sind und um Chancengleichheit im ländlichen Raum“, gab er zu bedenken.

Die Hauptbelastung geht für Busse ohnehin vom Handy aus. „Da ist der Verbraucher gefordert, dass er die Belastung runterfährt“, sagte er. Bürgermeister Klaus Heilinglechner sieht das genauso. „Da muss auch in der Bevölkerung ein Umdenken stattfinden. Der Druck muss von unten nach oben gehen“, forderte er.

Dass kein Vertreter des Bundesamts für Strahlenschutz an dem fast dreistündigen Informationsabend teilnahm, prangerte der Umweltreferent des Stadtrats, Hans Schmidt, scharf an. „Wie die staatlichen Behörden so das Vertrauen von fast der Hälfte der Bevölkerung gewinnen wollen, die dem Ausbau des Mobilfunks misstrauisch gegenüberstehen, bleibt ihr Geheimnis“, ärgerte er sich.

Peter Herrmann

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