Hier waren mal Toiletten: Wegen eines Wasserschadens wurden die sanitären Einrichtungen im Hinterhalt von Assunta Tammelleo herausgerissen.
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Hier waren mal Toiletten: Wegen eines Wasserschadens wurden die sanitären Einrichtungen im Hinterhalt von Assunta Tammelleo herausgerissen.

Kleinkunstbühne Hinterhalt

Dauerärger mit dem Wasser: Massive Schäden

Die Kleinkunstbühne Hinterhalt kämpft seit einem Jahr mit Schäden im Keller. Eine Lösung des Problems ist nicht in Sicht.

Gelting – In den Monaten des Lockdowns, als es keine Veranstaltungen und kaum ein anderes Thema als die Corona-Pandemie gab, hielt der Hinterhalt das kulturelle Leben aufrecht. Beinahe jedes Wochenende streamte das Team der Kulturbühne um Betreiberin Assunta Tammelleo Musik, Kabarett und Co. in die heimischen Wohnzimmer. Jetzt, da die Infektionsschutzmaßnahmenverordnung wieder Präsenzveranstaltungen erlauben würde, könnte es eigentlich wieder richtig losgehen an der Geltinger Leitenstraße. Tatsächlich kann es das aber nicht.

An verschiedenen Stellen im Keller des Gebäudes zeugen gelbe Ränder davon, dass Feuchtigkeit die Wände hochgeklettert ist. Auch auf manchen Fliesen im Eingangsbereich und in der Catering-Küche sind Kringel, die nicht der Dekoration dienen. „Das ist Wasser“, erklärt Tammelleo. Das ganze Ausmaß der Misere zeigt sich in den Toiletten beziehungsweise in den Räumen, in denen sie sich befanden. Bis auf die Betonplatten am Boden musste alles herausgerissen werden.

Den Wasserschaden entdeckt hat die Hinterhalt-Chefin im Juli 2020. Seit Tammelleo die Kulturbühne betreibt – 13 Jahre sind es inzwischen – ist das nun bereits der vierte Wasserschaden in dem Keller. „Von den kleineren Schäden reden wir mal gar nicht“, sagt sie. Insofern ist sie sensibilisiert, aber die Veränderung war eigentlich nicht zu übersehen. Wegen des letzten Wasserschadens wurde im September 2019 saniert. Die Wände im Eingangsbereich waren also ziemlich frisch geweißelt. „Da sieht man sofort, wenn Salpeter hochkrabbelt.“

Tammelleo informierte die Hausverwaltung, die wiederum die Versicherung einschaltete. Seitdem gehen Leckorter und Sanitätsspezialisten an der Leitenstraße ein und aus. Die Hinterhalt-Chefin kann die „illustren Herrenrunden“, also Experten der Versicherung, gar nicht mehr zählen. Mit 30 Jahren ist das Gebäude – unten Bühne, oben Büros – eigentlich noch gar nicht so alt. Die Toiletten, ebenfalls 2019 frisch saniert, wurden gleich im November herausgerissen und schließlich auch der Boden. Tammelleo geht davon aus, dass auch unter den Dielen im Veranstaltungsraum das Wasser steht. Erschwert werden die Arbeiten dadurch, dass die Leitungen anders verlaufen, als sie einst vom Architekten eingezeichnet wurden, sagt Tammelleo. Glück im Unglück: Den wöchentlichen Messungen zufolge ist die Feuchtigkeit trotz des vielen Regens in den vergangenen Wochen zumindest nicht mehr geworden. „Aber wir bekommen das Wasser auch nicht weg.“

Seit einem Jahr läuft die Problemsuche mittlerweile – ein Ende ist nicht in Sicht. „Ich bezeichne mich immer als gemäßigte Optimistin, aber jetzt geht selbst mir der Optimismus flöten“, sagt die Hinterhalt-Betreiberin. Sie hofft, dass die Versicherung zahlt. Die führe die Angelegenheit als „Großschaden“. Sollte sich aber herausstellen, dass Grundwasser das Problem ist, wäre die Versicherung raus und die Eigentümer-Gemeinschaft müsste für alles aufkommen. Und Tammelleo macht sich auch Sorgen, dass eine Totalentkernung nötig ist. „Dann müssten wir acht bis zehn Monate schließen.“

Für das Hinterhalt-Team wäre das fatal. Es ist froh, dass so viele Künstler, auch bekannte Namen, die Bühne in Gelting weiterhin schätzen und besuchen, obwohl sie in eins der oberen Büros müssen, wenn sie müssen. Und dass das Hinterhalt-Publikum der Kulturbühne beziehungsweise den Live-Streams noch immer die Treue hält. Die sollen weiter angeboten werden. Dazu werden wenige Plätze fürs Zuschauen vor Ort verlost.

Eine Pandemie zu überleben, allein das ist für ein frei finanziertes Kulturangebot nicht leicht. Um auf die mangelnde Unterstützung seitens der Politik aufmerksam zu machen, haben die Hinterhalt-Aktiven und der Kulturverein Isar-Loisach im Mai eine Fluggesellschaft gegründet. „Wir hätten ein Schwimmbad machen sollen, Kneippen mit Musik“, scherzt Tammelleo mit Blick auf den Wasserschaden. Immerhin ihren Humor hat sie noch nicht verloren.

sw

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