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Sehenswert: Die Ausstellung „Die Kinder vom Lager Föhrenwald“ läuft bis zum 31. Oktober im Museum an der Graslitzer Straße.

Wanderausstellung "Die Kinder vom Lager Föhrenwald" mach in Geretsried Station

Der passende Ort zur passenden Zeit

Geretsried - Die Wanderausstellung „Die Kinder vom Lager Föhrenwald“ macht in Geretsried Station. „Es gibt vielleicht keinen besseren Platz für sie – mit Ausnahme des Badehauses“, sagte Dr. Sybille Kraft bei der Eröffnung am Donnerstagabend.

Seit drei Jahren tourt die Ausstellung mit Fotos und Geschichten der Kinder des Lagers Föhrenwald durch Oberbayern. Die Historikerin Dr. Sybille Krafft und die verstorbene Pfarrerin Kirsten Jörgensen haben sie zusammen mit weiteren Mitgliedern des Historischen Vereins Wolfratshausen konzipiert.

Die Bilder zeigen lachende Kinder. Das Lager für Displaced Persons (DPs) war voll von ihnen. Sie sitzen brav im Klassenzimmer und lernen aus der Thora. Sie versuchen sich im Schreinern in den eigens organisierten Berufsförderkursen. Einmal strahlen sie um die Wette, als ein Eisverkäufer ihnen von seinem Wagen aus Eis ausgibt. Föhrenwald, in dem zeitweise bis zu 6000 Juden lebten, war eines der größten und das letzte Schtetl in Europa.

Eintrag ins Goldene Buch: Der ehemalige Lagerbewohner Robbi Waks mit Bürgermeister Michael Müller.

Die Schwarz-Weiß-Fotografien sprechen für sich. Und doch gibt es zu jedem Bild eine sorgsam recherchierte kleine Geschichte. Warum ist Geretsried nach Waldram, München, Penzberg, Berg und anderen oberbayerischen Orten ein besonders passender Platz für die Ausstellung? Nun, ganz einfach, erklärte Dr. Sybille Krafft, Vorsitzende des Vereins „Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald“, bei der Eröffnung. Ohne die Munitionsfabriken im damaligen Wolfratshauser Forst hätte es keinen Todesmarsch gegeben, keine Überlebenden des Holocaust, kein DP-Lager und auch nicht die Stadt Geretsried.

Sowohl Bürgermeister Michael Müller als auch Landrat Josef Niedermaier verglichen in ihren Grußworten die Situation der damaligen Lagerbewohner und Heimatvertriebenen mit der der heutigen Flüchtlinge. „Auch vor 70 Jahren wurden die Landkreisbürger durch die Aufnahme einer Vielzahl an Menschen an ihre Grenzen gebracht“, sagte Niedermaier. Die Ausstellung komme zu einem Zeitpunkt, der besser nicht sein könnte.

Während die Heimatvertriebenen blieben und Geretsried mit aufbauten, reisten die meisten Juden nach der Auflösung des Lagers 1955 nach Israel, die USA und andere Länder aus. Doch einige von ihnen besuchen immer wieder die Stätte ihrer glücklichen Kindheit. Eigens zur Ausstellungseröffnung war Robbi Waks (68) aus Israel eingeflogen. Der Historiker lebte mit seiner Mutter Lea Waks in Föhrenwald. Diese hatte dem Wiedersehen mit „Fährenwald“, wie sie es jiddisch aussprach, entgegengefiebert. Leider ist sie vor wenigen Tagen ganz überraschend verstorben, sagte der Sohn.

Ein guter Freund von Lea Wak, der Berliner Journalist Hans-Peter Föhrding, berichtete den rund 100 Zuhörern im Ratsstubensaal stattdessen, was die alte Dame ihm in vielen Gesprächen über das DP-Lager erzählt habe. Dieser geschützte Bereich innerhalb eines als feindlich empfundenen Deutschlands sei für Lea, ihren Mann Aron und die beiden Söhne wie „der Himmel auf Erden“ gewesen. „Dem Hitler haben wir’s gezeigt“, habe die Überlebende des Ghettos Lodz immer gesagt.

Robbi Waks stand an diesem Abend für die Kinder von Föhrenwald. Der Ehrengast trug sich ins Goldene Buch der Stadt ein. Am Nachmittag hatte er Sabine und Werner Henschelchen in deren Haus am Kolpingplatz 8, der damals Independance Place hieß, besucht. Dort wohnten die Waks. Der Ehrengast hat einige Familienfotos und ein Poesiealbum aus der Lagerzeit mitgebracht – auch diese Zeugnisse der Vergangenheit sind in der Ausstellung zu besichtigen.

Die Ausstellung „Die Kinder vom Lager Föhrenwald“ läuft bis zum 31. Oktober. Das Museum an der Graslitzer Straße ist jeden Dienstag, Mittwoch, Freitag, Samstag und Sonntag von 14 bis 16 Uhr sowie am Donnerstag von 17 bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt zur Sonderausstellung ist frei.

Tanja Lühr

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