Für einen „Monsterbau“ halten die Initiatoren einer für den 8. Februar geplanten Demo den möglichen Neubau des Wolfratshauser Stadtarchivs (im Bild rechts das bestehende Archiv). Foto: hermsdorf
+
Für einen „Monsterbau“ halten die Initiatoren einer für den 8. Februar geplanten Demo den möglichen Neubau des Wolfratshauser Stadtarchivs (im Bild rechts das bestehende Archiv).

Neues Stadtarchiv

Aufruf zur Demo gegen geplanten „Monsterbau“

Wolfratshausen - Der geplante Bau eines neuen, 1,4 Millionen Euro teuren Stadtarchivs am Wolfratshauser Loisachufer ist und bleibt umstritten. Vor der Entscheidung des Stadtrates am 11. Februar rufen nun zwei Bürger zu einer Demonstration auf.

„Woifratshauser wachts auf“: Diese plakative Mahnung, versehen mit drei roten Ausrufezeichen, prangt auf einem DIN-A 4-Flyer, den Cornelia Ettenhuber und Herbert Kot entworfen haben. 1000 Stück lässt Kot derzeit drucken, er will sie in den nächsten Tagen in Wolfratshauser Geschäften auslegen. Zusätzlich wird die geplante Protestkundgebung im sozialen Netzwerk Facebook bekannt gemacht. „SPD-Stadträtin Noisser hat im Zuge der Archiv-Diskussion einmal gefragt: ,Wo ist der Bürger?‘ Jetzt geben wir dem Bürger die Gelegenheit, etwas gegen den geplanten Monsterbau zu unternehmen“, sagt Kot im Gespräch mit unserer Zeitung.

In seinen Augen würde der rund 30 Meter lange und gut neun Meter hohe Gebäudekomplex im Schatten des Rathauses das westliche Loisachufer „verschandeln“. Wer das genau so sieht, den bitten Ettenhuber und Kot am Samstag, 8. Februar, um 10 Uhr zum Marienplatz in Wolfratshausen zu kommen. Die von den beiden organisierte Demonstration versteht das Duo als „Hilfestellung“ für den Stadtrat. Wenn sich nur eine Handvoll Wolfratshauser auf dem Marienplatz einfindet, „ist alles gesagt“, so Kot. Sollten es 100 oder mehr werden, müssten Bürgermeister Helmut Forster und die Stadträte „noch einmal darüber nachdenken“, wie sie drei Tage später abstimmen wollen.

„Unser schönes Loisachufer zubetonieren - das geht nicht“, konstatiert Kot. Er plädiert wie die Vorsitzende des Historischen Vereins Wolfratshausen, Dr. Sybille Krafft, dafür, bestehende Gebäude erneut auf Herz und Nieren prüfen zu lassen. Kot kann sich ein Archiv in der alten Polizeiinspektion am Untermarkt, im alten Krankenhausgebäude an der Sauerlacher Straße oder auf dem Klein-Areal an der Bahnhofstraße vorstellen. Letzteres haben die Stadt und die katholische Kirche wie berichtet jeweils zur Hälfte geerbt. Kot bezieht sich auf Aussagen von Krafft, dass es keine Gutachterstellungnahmen zu alternativen Archivstandorten geben würde. Der Rat entscheide allein aufgrund der Aussage der Stadtverwaltung, demnach es keine geeigneten bestehenden Immobilien geben würde. In jedem Wahlprogramm, egal von welcher Partei, lese er in diesen Tagen das Wort Bürgerbeteiligung. „Doch umgesetzt wird dieses Versprechen in Wolfratshausen nicht“, klagt Kot. Natürlich müsse der Stadtrat Entscheidungen treffen, doch unterm Strich „ist der Souverän der Bürger“.

Beim Landratsamt in Bad Tölz haben Ettenhuber und Kot die Demonstration bereits angemeldet. Ein dazu notwendiges Formblatt der Kreisbehörde hat Kot am Freitagmittag ausgefüllt nach Tölz gemailt. Damit, so sagt der Wolfratshauser, habe er seine Pflicht und Schuldigkeit getan. Für ihn steht fest: „Wir werden am 8. Februar demonstrieren.“ Gegen „die Zubetonierung“ des Loisachufers und für den Gebrauch „des gesunden Menschenverstandes“. Seine Unterstützung zugesagt habe ihm bereits Richard Kugler, berichtet Kot. Der parteifreie CSU-Stadtrat hatte in der vergangenen Woche in einer Wahlkampfveranstaltung der Christsozialen angekündigt, sich dafür stark zu machen, „dass Wolfratshausen sein Gesicht behält“. Kugler erteilte dem Bau „eines Klotz’“ im Herzen der Flößerstadt wie berichtet eine kategorische Absage.

Noch befinde sich Kots Antrag in der Prüfungsphase, stellt Toni Stowasser, Leiter des Sachgebiets für öffentliche Sicherheit und Ordnung im Landratsamt, fest. Zwar sei die Versammlungsfreiheit ein Grundrecht, doch zur geplanten Demo würden noch Stellungnahmen der Polizei und der Stadt Wolfratshausen erwartet. Letztere sieht keinen Grund, die Versammlung zu verbieten, sagt Bürgermeister Forster. Da auf dem Marienplatz am 8. Februar jedoch auch ein Infostand zur Kommunalwahl angemeldet sei, bittet der Rathauschef Protestler und Wahlkämpfer „gegenseitig Rücksicht zu nehmen“.

Carl Christian Eick

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Corona-Fall im Kindergarten Oberfischbach:  Erzieherin hat niemanden angesteckt
Wir geben einen Überblick während der Coronavirus-Pandemie im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen in unserem News-Ticker. Aktuelle Zahlen und Entwicklungen lesen Sie hier.
Corona-Fall im Kindergarten Oberfischbach:  Erzieherin hat niemanden angesteckt
Cornelia Hoffmann eröffnet mit eigener Tierfutterlinie ein Geschäft
Nicht jeder Hund verträgt das normale Tierfutter. So war das auch bei „Rocky“. Sein Frauchen Cornelia Hoffmann hat sich deswegen etwas einfallen lassen.
Cornelia Hoffmann eröffnet mit eigener Tierfutterlinie ein Geschäft
Geretsried: Schaukeln und rutschen in der Neuen Mitte
Es gibt einen neuen öffentlichen Spielplatz für die Neue Mitte in Geretsried. Zwischen dem Biergarten der Ratsstuben und dem Radweg der B11 entlang stehen seit ein paar …
Geretsried: Schaukeln und rutschen in der Neuen Mitte
Icking: Grillgut und mehr aus dem Automaten
Er ist erst seit Kurzem in Betrieb und erfreut sich bereits großer Beliebtheit: der Lebensmittelautomat von Feinkost Baumgartner an der Mittenwalder Straße 8 in Icking.
Icking: Grillgut und mehr aus dem Automaten

Kommentare