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Seit 1. April dürfen Landwirte so viel Milch liefern, wie sie wollen. Das tun sie aber im Moment noch gar nicht.

Seit 1. April ist die Milchquote weg

Die Auswirkungen sind gering - noch

Vor einem knappen Vierteljahr ist die Milchquote abgeschafft worden - ein historischer Einschnitt für die Landwirtschaft. Die Folgen werden wohl erst mittelfristig spürbar werden.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Eine große Befürchtung war mit dem Wegfall der Milchquote verbunden: Wenn für die einzelnen Betriebe keine feste Obergrenze mehr gälte, dann würden viele Bauern bei der Milchproduktion kräftig steigern – und die viele Milch auf dem Markt könnte den Preis drücken. Aktuell ist aber eher das Gegenteil zu beobachten. „Statt Vollgas zu geben, haben viele Bauern eine Vollbremsung hingelegt“, berichtet Hans Falter aus Unterleiten, Kreisvorsitzender des Bunds Deutscher Milchviehhalter (BDM). Denn in den letzten Monaten der Milchquote schwebte noch das Damoklesschwert hoher Strafzahlungen über denjenigen Betrieben, die ihr Kontingent überschritten. Angesichts dieser Bedrohung habe so mancher Landwirt „am Eiweißfuttermittel gespart“ oder Tiere geschlachtet, statt sie noch länger zu melken.

Landwirte liefern derzeit eher weniger als mehr

Schlagartig mit dem 1. April konnte die Produktion gar nicht steigen, wie Peter Fichtner aus Bad Heilbrunn erklärt. „Eine Kuh muss schließlich erst aufgezogen werden, die kann man sich nicht aus dem Ärmel schütteln“, sagt der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands (BBV). Auch der Zukauf von Milchvieh sei nicht so einfach: „Auf dem Markt ist nur eine begrenzte Stückzahl vorhanden.“ Wie es mit der Milchproduktion im Landkreis aussieht, darüber gibt es keine genaue Statistik. Fichtner zufolge holen acht verschiedene Molkereien die Milch bei den Bauern im Landkreis ab. Die Zeiten, als man bei jedem genau wusste, wie viel, seien vorbei: „Schließlich stellt nicht mehr jeder seine Milchkannen vor die Tür, sondern der Laster fährt an den Milchtank.“

Was paradox erscheint: Der befürchtete Preisverfall ist ganz unabhängig von der Milchliefermenge schon seit Anfang des Jahres zu beobachten. „In Norddeutschland wurden teils schon die 30 Cent pro Liter unterschritten“, sagt Fichtner. Da stehen die Bauern im Landkreis noch vergleichsweise gut da. Die meisten liefern an die Molkerei Berchtesgadener Land in Piding. Die hat – abgekoppelt vom Geschehen auf dem Milchmarkt – den Milchpreis fürs erste bei 38 Cent eingefroren.

Der Milchmarkt ist komplex, Ursachen und Wirkungen vielfältig

Der Wegfall der Milchquote liefere aber keinen Grund für die gesunkenen Erzeugerpreise, ist Fichtner überzeugt. Er diene den Handelsketten allenfalls als Vorwand, die Preise zu drücken. Und dann seien da auch noch die Russland-Sanktionen, die sich stärker auswirken als erwartet. Falter führt auch die gesunkene Nachfrage in China an. Der Milchmarkt ist komplex, Ursachen und Wirkungen vielfältig, sind sich beide einig. Und auch darin stimmen sie überein: „Der Strukturwandel wird sich beschleunigen“, sagt Falter. Auf seinem Hof mit 50 Milchkühen reichen die Einnahmen nicht für zwei Generationen aus. Seine vier Kinder zwischen 20 und 30 Jahren hätten allesamt Berufe außerhalb der Landwirtschaft. „Wenn die Preise so niedrig sind, wird sich jeder schwer überlegen, ob er einmal hauptberuflich in die Landwirtschaft zurückkehrt.“  Andreas Steppan

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