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Deutsch lernen im neuen Ickinger Computerraum: Jörg Vogel von den Initiatoren des Helferkreises, Muafaq Al Mufti vom Verein Asylplus und Yasmin (25) aus Syrien.

Neues Projekt

Deutsch lernen mit dem PC

Icking - Helferkreis eröffnet einen Computerraum für und mit Asylbewerbern.

Icking – Nevin kämpft mit dem Fahrkartenautomaten im Bus. Sie ist erst seit zwei Wochen in Deutschland. Sie weiß nicht, welchen Fahrschein sie braucht, und ihren 20-Euro-Schein nimmt der Apparat auch nicht. Ähnliche Situationen haben auch Yasmin, Hazib, Basit und die anderen Asylbewerber schon erlebt. Zusammen sitzen sie im Keller des Evangelischen Gemeindehauses in Icking und schauen sich voll Mitgefühl den Lehrfilm des Goethe-Instituts am PC an. Nevins akzentfreie Dialoge mit anderen Fahrgästen helfen ihnen beim Lernen der deutschen Sprache – auch wenn sie nicht jedes Wort verstehen. „Das müssen sie auch nicht“, sagt Muafaq Al Mufti, IT-Leiter des Tölzers Vereins Asylplus: Mimik und Gestik der Akteure zeigen ihnen, worum es geht. Der Verein hat sich dem Projekt „Computergestützter Deutschunterricht für Asylbewerber“ verschrieben. Er sammelt ausrangierte Rechner, repariert sie und installiert darauf ein ganzes Sortiment verschiedener Lernprogramme, erklärt Al Mufti.

Zehn dieser PCs stehen seit kurzem im Gemeindehaus. Initiator des neuen Computerraums für Flüchtlinge ist Jörg Vogel vom Helferkreis: „Das ist das erste Projekt, das nicht wir für die Asylbewerber gemacht haben, sondern mit ihnen zusammen“, betont er bei der offiziellen Eröffnung am Montagabend. Mehrere IT-versierte Syrer, Afghanen und Afrikaner hatten bei der Installation der Computer geholfen. Im Rahmen von Ein-Euro-Jobs sollen sie auch in Zukunft für den laufenden Betrieb und die ordnungsgemäße Nutzung des Raums verantwortlich sein. Das nötige Startkapital von etwa 500 Euro für die Anschaffung der Computer und die Raumausstattung übernahm die Gemeinde, erläutert Reinhard Gebhardt, einer der Leiter des Helferkreises. Ein Privatmann hat einen Drucker gespendet.

Video- und Audiodateien, Vokabelabfrage und Prüfungsaufgaben bis zum B1-Zertifikat – die Auswahl an Lernangeboten ist groß. Diese Vielfalt soll den Spaß am Lernen erhöhen, sagt Al Mufti. Zum Start empfiehlt der Syrer das Programm des Goethe-Verlags, das in rund 60 Sprachen angeboten wird und 100 Alltagssituationen abdeckt. Basit aus Afghanistan nutzt lieber YouTube-Videos. „Hallo, wie geht’s?“ begrüßt ihn eine freundliche Stimme über Kopfhörer auf Deutsch und in seiner Muttersprache Paschtu. Er war schon vor der offiziellen Eröffnung regelmäßiger Gast im Computerraum. Inzwischen kann er sich recht gut auf Deutsch verständigen.

Bereits im Probebetrieb, der seit Anfang des Jahres läuft, wurde das Angebot gut genutzt, hat Vogel beobachtet: „Mindestens fünf Plätze waren eigentlich immer besetzt.“ Geöffnet ist täglich von 13 bis 19 Uhr. Die Ickinger Asylbewerber können in dem niedrigen, aber ansprechend und zweckmäßig eingerichteten Kellerraum nicht nur Sprachen lernen. Der freie Internetzugang dient auch als Informationsquelle. Und: „Gerne werden Videos aus der Heimat angeschaut“, weiß Gebhardt. Einzige Einschränkung bei der Computernutzung: „Natürlich müssen sie im legalen Bereich bleiben.“ Sollte das nicht so sein, könne man bei Bedarf auch nachvollziehen, wer welche Seiten besucht hat.

Zunächst ist das Angebot für die Flüchtlinge kostenfrei. Der Helferkreis denke aber darüber nach, in Zukunft möglicherweise einen geringen Beitrag zu verlangen, so Gebhardt. Das soll die laufenden Kosten, etwa für Druckerpapier, abdecken. Strom und Internetgebühren laufen bislang über das Evangelische Gemeindehaus.

Clara Wildenrath

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