„Ich habe immer nur gehört: ,Du gehst dahin, wo der Stoiber lebt’“: Kaplan Benjamin Gnan erinnert sich an seine erste Begegnung mit der Stadt Wolfratshausen. Foto: sabine hermsdorf

„Die plötzliche Verantwortung hat mich reifen lassen“

Wolfratshausen - Er war „nur“ drei Jahre da, aber die hatten es in sich. Benjamin Gnan kam als Kaplan in die katholische Kirchengemeinde St. Andreas, war jedoch schnell vor andere Herausforderungen gestellt.

Am morgigen Sonntag wird der gebürtige Trostberger von seiner Pfarrei verabschiedet, um 10.30 Uhr mit einem Gottesdienst und ab 12 Uhr mit einem Empfang am Pfarrheim. Benjamin Gnan über...

...erste Schritte in Wolfratshausen

„Ich habe immer nur gehört: ,Du gehst dahin, wo der Stoiber lebt.’ Mehr wusste ich nicht.“ Benjamin Gnan kam vor drei Jahren in eine, wie er dachte, neue Welt. So schlimm war es aber gar nicht. „Wolfratshausen ähnelt meiner Heimat Trostberg, ebenfalls eine Kleinstadt. Ich habe mich gleich wohl gefühlt.“ Noch leichter machte ihm die Eingewöhnung seine Pfarrgemeinde. „Die hat mich mit offenen Armen aufgenommen.“

...die schönsten Erinnerungen

Schwierige Frage, es gibt so viele. Die an die Zeltlager mit der Pfarrjugend etwa, oder die an die letzten Weihnachts- und Ostergottesdienste, „weil ich sie selbst vorbereitet und geleitet habe“. Oder die an manche Krankensalbungen, „wenn man an den Blicken merkt, dass da zwischen zwei Menschen sehr viel passiert“. Spaß gemacht hat ihm vor allem der ständige Wechsel. „Eine Beerdigung und Eis essen mit den Ministranten an einem Tag. Das ist ein schwerer, aber auch ein sehr reizvoller Spagat.“

...schwere Momente

„Die Phase, als uns Stadtpfarrer Johannes von Bonhorst 2011 verließ, sein Nachfolger wegen einer schweren Krankheit aber noch nicht anfangen konnte.“ Gnan war plötzlich erster Seelsorger vor Ort. Zum Glück, sagt er, hatte er Untersützung: Von Bonhorst, der nach wie vor als Administrator wirkt und den Neubau des Pfarrzentrums begleitet. Von den Mitarbeitern in Seelsorge und Pfarrbüro, von der Kirchengemeinde. „Ohne diese Menschen wäre alles zu viel gewesen.“ Für Gnan hieß das trotzdem: mehr Termine, mehr Reden, selbst predigen, Ansprechpartner für alle. „Als Kaplan kann man sich in der zweiten Reihe halten. Ich musste plötzlich Verwantwortung übernehmen, das hat mich reifen lassen.“

...seine Zukunft

Gnan siedelt zum 1. September nach München um. Die Hälfte der Zeit wird er mit seiner Promotion im Bereich Predigtlehre verbringen - „etwas, das ich schon nach dem Studium wollte, wegen des Priestermangels aber nicht durfte“. Dass der Bischof jetzt sein Okay gegeben hat, „damit habe ich nicht mehr gerechnet“. Auch die übrige Zeit wird spannend: Gnan wird als Subregens - also Vizechef - am Erzbischöflichen Priesterseminar St. Johannes der Täufer in Schwabing angehende Priester ausbilden.

...seinen Abschied

Benjamin Gnan wird am Sonntag ein weinendes und ein lachendes Auge haben. Ein lachendes, weil er sich auf die neuen Aufgaben freut. Ein weinendes, „weil ich ein Beziehungsmensch bin“. Auf der anderen Seite: „Ein geistlicher Begleiter hat einmal zu mir gesagt: ,Wenn es schwer fällt zu gehen, dann ist vorher viel passiert.’“

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