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Leben im Lazarett: Das Bild zeigt Verwundete und Pflegepersonal in der Holzener Siedlung.

Serie „Ärzte, Hexen, Handaufleger“ - Teil 3

„Im Dienste der Verwundeten“

Icking - „Rosmarin und Dill, Gürtelrose stehe still“: Volksheilkunde und Religion – in fünf Kapiteln gibt das Buch „Ärzte, Hexen, Handaufleger“ des Historischen Vereins Wolfratshausen einen Überblick über die Geschichte der Medizin im Isar- und Loisachtal.

Wir stellen das 248-seitige Werk in einer Serie einmal wöchentlich vor. Heute: „Im Dienste der Verwundeten – Das Lazarett Holzen“.

Im Jahr 1895 kauft Ludwig Ritter von Pflaum (1858 – 1926) das Gut Holzen von Johann Klostermaier, der vom Erlös unter anderem den Landgasthof in Icking erwirbt. Pflaum war im Krieg 1870/71 persönlicher Adjutant und Freund von Prinz Arnulf, dem jüngsten Sohn von Prinzregent Luitpold. In den Jahren nach der Reichsgründung machte Pflaum als geschickter Geschäftsmann ein beachtliches Vermögen. Dass er dem Hause Wittelsbach, insbesondere der Familie von Prinz Arnulf, der 1907 bei einem Duell in Italien ums Leben kam, eng verbunden blieb, führte dazu, dass er 1912 dem Sohn Heinrich von Prinz Arnulf und der Prinzessin Therese riet, das Gut Holzen mit 167 Hektar Grund als Geldanlage und Altersdomizil zu erwerben. In den 17 Jahren, in denen Pflaum das Gut als Eigentümer bewirtschaftete, hatte es sich zu einem gut durchorganisierten und erfolgreichen Wirtschaftsunternehmen entwickelt, so dass er es guten Gewissens in die Hände von Prinz Heinrich legen konnte. Hinzu kam, dass Pflaums Ehefrau Helene eine enge Freundschaft mit Prinzessin Therese verband. Diese übernahm nach dem Tode ihres Mannes Arnulf 1907 dessen Namen und nannte sich fortan „Prinzessin Arnulf“.

Auch Prinz Heinrich hatte große Pläne: Er wollte das Gut zu einem landwirtschaftlichen Versuchsgut machen und überplante das Gebäude westlich und nördlich des Hofs. Es sollte eine Gartenstadt entstehen. Ein kleines Schloss im Süden – wohl als Alters- und Familiensitz – wurde außerdem ins Auge gefasst. Die 1914 errichteten, versetzt aneinander gebauten und bis heute vorhandenen Häuser sollten nur ein Anfang sein. Der Erste Weltkrieg und der Tod des Prinzen 1916 ließen das Projekt aber scheitern. Bereits 1914 stellten die sozial engagierte Prinzessin Arnulf und ihr Sohn Heinrich die Räume der neu erbauten Häuser als Lazarett zur Verfügung und übernahmen die Trägerschaft. Helene von Pflaum und ihr Ehemann stellten sich für die Leitung und Organisation des Lazaretts zur Verfügung, das bis 1919 existierte. Zahlreiche Fotos aus dieser Zeit sind noch erhalten. Danach richtete man dort eine Schule und ein Kinderheim ein, ähnlich den SOS-Kinderdörfern.

Da Ritter von Pflaum auch umfangreichen Grundbesitz in Irschenhausen erworben und sich als Familiensitz das „Haus Schönblick“ erbaut hatte, war es für Helene von Pflaum kein Problem, täglich zur Betreuung der verwundeten Soldaten zu Fuß nach Holzen zu gehen, während sich ihr Mann weiterhin ganz selbstverständlich ehrenamtlich um organisatorische und finanzielle Dinge kümmerte.

Im Lazarett war man bemüht, die Verwundeten medizinisch optimal zu versorgen. Auch in der Genesungsphase wurden sie entsprechend durch sportliche Übungen unterstützt und gefördert. Evangelische und katholische Geistliche, wie etwa Pater Maurus aus Schäftlarn, kümmerten sich um die seelsorgerische Betreuung. Für geistige Abwechslung sorgten Theateraufführungen in einem südlich des Gutshofs gelegenen Naturtheater. Jedes Jahr wurde außerdem der Geburtstag der Prinzessin am 28. Juli mit großem Aufwand gefeiert und fotografisch festgehalten, einmal sogar in Anwesenheit von König Ludwig III.

Nicht alle in Holzen versorgten Soldaten überlebten. Fünf von ihnen wurden auf dem Friedhof von Irschenhausen begraben: Anton Gmerek † 13.7.1915; Karl Sauer † 26.4.1916; Otto Kunz † 20.6.1916; Christoph Hausen † 11.10.1916; Heinrich Pillmaier † 14.7.1918. Ihre Gräber erinnern heute noch nicht nur an sie selbst als Opfer des Ersten Weltkriegs, sondern auch an das Lazarett in Holzen.

Für seine „Heimatverdienste während der Kriegszeit“ wurde Ritter von Pflaum 1916 von König Ludwig III. mit dem „König Ludwig-Kreuz“ ausgezeichnet, außerdem erhielt er 1917 von Kaiser Wilhelm II. die „Rote-Kreuz-Medaille dritter Klasse“. Seine Ehefrau Helene, die mit ihm das Holzener Lazarett geleitet hat und die „Seele“ des Ganzen war, erhielt keinen Orden. Peter Schweiger

(Beim Abdruck des Textes handelt es sich um eine gekürzte Fassung des Buchartikels)

Info

Das Buch „Ärzte, Hexen, Handaufleger. Medizingeschichte im Isar- und Loisachtal“ ist für 25 Euro im örtlichen Buchhandel sowie über den Historischen Verein Wolfratshausen zu kaufen. Peter Schweiger

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