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Mit derben Witzen eroberte Lizzy Aumeier das Publikum im Hechenberger Festzelt.

100 Jahre Trachtenverein

Die bayerische Wuchtbrumme und der Martin aus Hechenberg

Mit ihrem „Best of“ läutet die Kabarettistin Lizzy Aumeier die Festtage in Hechenberg ein. Ein junger Hechenberger wird der Running Gag des Abends.

Hechenberg – Es ist einfach ein riesiger Unterschied, ob man sich einen Kabarettisten im Fernsehen oder auf You-Tube anschaut oder ihn live erlebt – noch dazu in einem voll besetzten Bierzelt. Das Programm „Best of“ von Lizzy Aumeier mag mancher kennen. Wenn die bayerische Wuchtbrumme darin aber das Publikum einbezieht und ein junger Hechenberger namens Martin unfreiwillig zum Bühnenhelden wird, dann ist das zum Brüllen.

So geschehen am Donnerstagabend zum Auftakt der Festtage zum 100-jährigen Bestehen des Trachtenvereins Hechenberg-Bairawies. Mit etwas Verspätung trifft die Kabarettistin aus der Oberpfalz im Zelt ein. Die Besucher haben derweil die eine oder andere Mass Bier getrunken – die Damen einen Aperol Sprizz – und erwarten Aumeier bestens gelaunt.

Sie habe sich in Anpassung an die Location in ihre maßgeschneiderte Tracht geworfen, sagt die Kabarettistin. Ein enges Abendkleid, das ihre Rundungen unterstreicht. Auf die ist die 55-jährige „Barbie-Fehlpressung“ zweifellos stolz. Ihr Körper sei wie eine Deutschlandkarte, meint sie, greift in ihre Bauchröllchen – „das Wahrzeichen von München, der Mittlere Ring“– und dreht ihr Gesäß der Menge zu – „Pforzheim“. Einer „verhungerten Blondine“ in der ersten Reihe ruft sie selbstbewusst zu: „Du wirst Dich fragen, wie man zu so einer Figur kommt. Durch Disziplin! Du musst jeden Tag essen.“

Vegetarier und Smoothie-Trinker, Ossis und Oberfranken, Politiker und Tatort-Kommissare bekommen ihr Fett weg. Über die AfD und Ausländerhass mokiert sich die Künstlerin mit derben Scherzen. Das Derbe, das zieht natürlich immer. Wenn Aumeier eine Porno-Darstellerin nachäfft, gelangweilt stöhnend über ihre Brüste streicht, ist das aber auch zu köstlich.

Und hier kommt Martin ins Spiel, ein 22-jähriger Berufsfeuerwehrler aus Hechenberg. Dummerweise sitzt er ganz vorne und hat ein bisschen zu laut gelacht. Martin wird der Running Gag des Abends, gewinnt mit kräftiger Unterstützung des Publikums bei einem Filmmusik-Ratespiel eine Nacht mit der Anti-Diva, der eine wunderbare Titanic-Schlussszenen-Parodie mit ihr vorausgeht.

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Auch nach der Pause begeistert die mehrfach ausgezeichnete Spaßmacherin mit Selbstironie, Spontaneität und Hinterfotzigkeit. Verschnaufpausen gönnt sie den Besuchern in Form musikalischer Einlagen. Zum virtuosen Violinenspiel von Svetlana Klimova, die nebenbei bemerkt so manchen Russen-Witz über sich ergehen lassen muss, streicht Aumeier den Kontrabass. Am Ende mutmaßt die Kabarettistin angesichts ihrer dankbaren Zuschauer, dass „vielleicht unterm Jahr nix los ist in Hechenberg?“ Vielleicht sei es dort ähnlich wie in ihrem Heimatdorf. Es habe seit 300 Jahren eine gleichbleibende Einwohnerzahl. Denn jedes Mal, wenn ein Kind geboren werde, verschwinde ein Mann.

Tanja Lühr

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