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Volle Konze ntration: In einem Kellerraum in Schönegg probt die Dietramszeller Blasmusik unter unter Dirigent Rupert Hainz jeden Montag.

30. Neujahrskonzert der Dietramszeller Blasmusik 

Miteinander leben und musizieren

Dietramszell - Das Neujahrskonzert der Dietramszeller Blasmusik hat Tradition: Zum 30. Mal in Folge findet es 2017 statt. Fast die Hälfte der Musikanten ist schon von Anfang an dabei.

Wieder und wieder spielt Peter Disl die schwierige Passage auf seiner Klarinette. „A guads Stück schneller“ sollte er eigentlich schon sein, der Cachucha-Galopp von Johann Strauß senior, findet Dirigent Rupert Hainz. Doch für den Anfang ist er damit zufrieden, wie seine Blasmusik die flotten Tonfolgen meistert. Bis zum Neujahrskonzert am 6. Januar, da ist er sich sicher, bekommen das nicht nur die Klarinettisten einwandfrei und im richtigen Tempo hin

Für Disl, Hainz und acht weitere Musikanten ist es schon das 30. Neujahrskonzert in Folge. „Beim ersten Mal war die Nervosität groß“, erinnert sich Peter Disl. Begonnen hatten sie am 3. Januar 1988 mit der Ouvertüre „Der rote Domino“. 18 Jahre alt war er damals.

Von Anfang an begleitete Benno Lichtenegger mit seiner launigen Moderation das Programm. „Der Saal im Gasthof Peiß war schon eine Stunde vorher proppenvoll“, erzählt der knapp 62-Jährige schmunzelnd: „Als der Bürgermeister und der Pfarrer kamen, gab es für sie keinen Sitzplatz mehr.“ Zumindest ein Teil des Problems löste sich zwei Jahre später, als er selbst zum Bürgermeister gewählt wurde.

2001 führte Lichtenegger ein zweites Neujahrskonzert im Rahmen des Seniorennachmittags der Gemeinde ein. „Seither bekommt jeder einen Platz“, sagt Lichtenegger. Voll sei es trotzdem immer gewesen. In den ersten Jahren leitete der Münchner Trompeter Roland Englert die 1981 gegründete Blaskapelle. Später übernahm Flügelhornist Hainz, ehemals Mitglied des Tölzer Knabenchors, das musikalische Kommando. Für Lichtenegger ist das ein wesentlicher Grund für die Beständigkeit und den Zusammenhalt der Zeller Musikanten: „Das ist schon etwas Besonderes, ein Dirigent aus dem eigenen Kreis. Und durch sein Können genießt er große Autorität.“

„Wir kennen uns alle von Jugend auf, leben miteinander und feiern miteinander“, erklärt Notenwart Disl. Hoch hergegangen sei es insbesondere in den Anfangsjahren nach den Konzerten: „Da haben die Nachfeiern manchmal noch zwei oder drei Tage gedauert.“ Einige lustige Anekdoten von damals will Lichtenegger beim Jubiläumskonzert zum Besten geben. Mittlerweile überlassen sie solche Exzesse aber der jüngeren Generation, erzählt der 46-jährige Klarinettist. Ansonsten habe sich in den vergangenen 30 Jahren nicht viel geändert: „Älter sind wir halt geworden – und die Organisation ist nicht mehr ganz so chaotisch“, so der Ex-Bürgermeister.

Das Programm der Neujahrskonzerte habe sich bewährt: eine bunte Mischung aus klassischer bayerischer und böhmischer Blasmusik, ergänzt durch moderne Stücke und Eigenkompositionen von Kapellmeister Hainz. Während frühere Auftritte noch durch zahlreiche Aushilfen aus anderen Formationen unterstützt wurden, reiche heute die Besetzung aus den eigenen Reihen weitgehend aus. Dass diese ausschließlich aus Männern besteht, ist Disl zufolge keine Absicht: „Von Frauen hatten wir kaum Anfragen.“ Nur einmal sei eine Bläserin beim Konzert dabei gewesen.

Seit 2013 genießt die Blaskapelle sogar den Luxus eines eigenen Probenraums in Schönegg. Auch das verdankt sie ihrem Förderer Benno Lichtenegger. Er gründete eine nach ihm benannte Stiftung, die das Gebäude am Kreuzfeld und einen eigens zu diesem Zweck geschaffenen Kellerraum zur Verfügung stellte. Beim Bau hatten die Musiker fleißig mitangepackt. Finanziert wird das Projekt durch die Mieteinnahmen aus dem Obergeschoss des Hauses, erklärt der Stifter.

Jeden Montagabend treffen sich in dem schalldichten, innen mit hellem Holz verkleideten Probenraum um die 25 Musiker und üben neue Stücke ein: für die Neujahrskonzerte, das Sommerkonzert im Klosterinnenhof, für Leonhardi und zahlreiche Hochzeiten und Vereinsfeste.

Nachwuchssorgen muss sich die Dietramszeller Blaskapelle jedenfalls nicht machen.Heuer zum ersten Mal beim Neujahrskonzert dabei ist der 14-jährige Kaspar Raßhofer. Und von einigen der jungen Burschen, die sich vor 30 Jahren nervös auf das Premieren-Konzert vorbereitet hatten, spielen inzwischen schon die Kinder mit. Auch Peter Disls Sohn Benedikt tritt als Klarinettist erfolgreich in die musikalischen Fußstapfen seines Vaters. Gemeinsam üben sie daran, dass der Cuchacha-Galopp bis zum Auftritt noch an Tempo gewinnt. Und gemeinsam feiern sie nach der Probe die fast 30-jährige Erfolgsgeschichte der Dietramszeller Neujahrskonzerte.

cw

Das Neujahrskonzert 

der Dietramszeller Blasmusik findet am Freitag, 6. Januar, um 20 Uhr und am Samstag, 7. Januar, um 14 Uhr im Gasthaus Peiß in Schönegg statt.

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