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Kleine Feierstunde: Gemeinsam mit den Schülern begingen (v. li.) Schulsekretärin Christine Riedmayr, Michael Sittenauer, Rektorin Marianne Leubner, Seniorchef Horst Sittenauer, Bürgermeisterin Leni Gröbmaier, Inge Sittenauer und Konrektorin Susanne Falkenhahn das Jubiläum.

Mittelschule Dietramszell

50 Jahre Schulbus, 50 Jahre Sittenauer

Dietramszell – Seit vollen fünf Jahrzehnten bringt das Busunternehmen Sittenauer die Dietramszeller Kinder zur Schule. Kein einziger Unfall hat sich in all den Jahren ereignet. Jetzt wurde an der Mittelschule das Jubiläum gebührend gefeiert. Auch einige Erinnerungen wurden lebendig.

Als im Schuljahr 1967 die ersten Schulbusse fuhren, war das eine gewaltiger Fortschritt. Von nun an musste der Nachwuchs nicht mehr kilometerweit zu Fuß gehen oder mit dem Rad fahren, sondern brauchte nur noch in den Bus einzusteigen. „Für die Kinder war es eine große Errungenschaft“, erinnert sich Bürgermeisterin Leni Gröbmaier in der kleinen Feierstunde an der Mittelschule kurz vor Weihnachten. Übrigens hat sie selbst von der Neuerung profitiert und die Vorteile genossen.

Es war Theodor Sittenauer, der 1967 den ersten Vertrag schloss – und zwar mit den Erziehungsberechtigten der Schüler. Wie sein Sohn, der jetzige Seniorchef Horst Sittenauer erzählte, war Theodor Sittenauer zum damaligen Zeitpunkt seit 20 Jahren im Busgeschäft tätig. Was das Wichtigste für das Unternehmen ist, daran ließ Horst Sittenauer keinen Zweifel: „Das Schönste in diesen 50 Jahren war, dass es keinen Unfall gab“, sagte er. Und: „Die Fahrten haben immer Spaß gemacht und machen es immer noch.“

Neuer Schulverband

Die Zeiten in den ausgehenden 1960er Jahren waren ganz andere als heute. So wurden in den ersten Jahren noch die Schulhäuser in Dietramszell, Baiernrain und Linden angefahren. Erst 1969 wurde der Schulverband gegründet. Die damals eigenständigen Gemeinden beschlossen, gemeinsam das Schulhaus in Dietramszell um sieben Klassenzimmer zu erweitern. 1971 wurde der Erweiterungsbau eingeweiht. „Damit wurden die Schulhäuser in Linden und Baiernrain geschlossen, und alle fuhren nach Dietramszell“, so Gröbmaier. Doch damit nicht genug. Nach der Verwaltungsreform und der Bildung der Großgemeinde Dietramszell musste ein neuer Vertrag aufgesetzt werden. „1976 wurde ein Vertrag mit dem neuen Schulverband geschlossen, zu dem auch Egling gehörte“, so Horst Sittenauer.

Ganz reibungslos ging das allerdings nicht über die Bühne. Eigentlich sollten nämlich auch Otterfinger Schüler die Dietramszeller Schule besuchen, doch einige Eltern liefen Sturm. „Bei der ersten Fahrt organisierten sie eine Demonstration. Sie wollten verhindern, dass ihre Kinder in den Schulbus einstiegen“, erinnerte sich Sittenauer. Allerdings machten die aufgebrachten Eltern einen Fehler. „Sie standen auf der linken Seite, die Einstiegstüren waren aber rechts. So protestierten sie zwar, aber die Kinder konnten ungestört einsteigen“, so Sittenauer. Am Ende setzten sich die Eltern allerdings durch. Nur ein Jahr hielt der ursprüngliche Plan. Danach gingen die Otterfinger Kinder in die Schule in Sauerlach, bis das Schulhaus in Otterfing fertig war.

Die Fahrer der Schulbusse waren stets mehr als nur Chauffeure für die Kinder. „Wir brachten ihnen auch das richtige Benehmen beim Ein- und Aussteigen bei, trösteten sie, kümmerten uns um kleine Wehwehchen oder munterten sie mit Witzen auf“, erzählte Horst Sittenauer. Gerhard Greipel, der von 1979 bis 2015 einen Schulbus fuhr, ergänzte: „Für mich waren immer die Fahrten am Nachmittag besonders schön, nach dem Hauswirtschaftsunterricht. Da bekam ich immer etwas zum Naschen von den Schülerinnen.“

Oberste Priorität: Sicherheit

Inzwischen ist mit Juniorchef Michael die dritte Generation in dem Familienbetrieb tätig. Immer noch gilt: Die Sicherheit hat oberste Priorität. Dazu gehört, dass auch möglichst alle Schüler einen Sitzplatz haben sollen. Dafür notwendig waren zeitweise auch Verstärkerbusse von Ascholding nach Dietramszell. Zum Ehrgeiz des Unternehmens gehört es auch, die Schüler immer pünktlich zum Unterricht zu bringen. Im Winter sei das gelegentlich eine Herausforderung. „Da glühen die Telefondrähte zwischen unserem Büro“, so Michael Sittenauer. Auch die Zusammenarbeit mit der Gemeinde funktioniere. So habe der Winterdienst die Anordnung, bei starkem Schneefall zuerst die Straßen für den Schulbus zu räumen. Dass das Unternehmen Sittenauer ein Muster an Zuverlässigkeit ist, bestätigte auch der Schulchor mit dem Jubiläumslied. Der Text lautete: „Heute kann es regnen, stürmen oder schneien, Sittenauer wird an der Haltestelle sein.“

Von Siggi Niedergesäss

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