Bluttat: Mehrere Menschen in Finnland niedergestochen

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Urgesteine der Baiernrainer Blasmusik: Johann Pallauf (li.) mit seiner ersten Trompete und Georg Thalhammer (beide 83) mit seiner Klarinette.  

Blasinstrumente gegen Naturalien

70 Jahre Baiernrainer Blasmusik: Daran erinnern sich zwei Urgesteine

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Die Baiernrainer Blasmusik feiert 70-jähriges Bestehen. Johann Pallauf und Georg Thalhammer waren von Anfang an dabei – und können heute legendäre Anekdoten erzählen.

Dietramszell – Im Stall vom Brandl-Bauer hat er sie gefunden. Auf dem Fensterbrett, 1945, kurz nach dem Abzug der Wehrmacht. „So etwas kann man doch nicht stehenlassen, oder?“, meint Johann Pallauf und deutet auf seine silbrig glänzende Trompete. Kurzerhand nahm der damals Zwölfjährige, der eigentlich nur die auf dem Hof untergestellten Pferde anschauen wollte, das Instrument mit nach Hause.

Einer der wenigen mit eigenem Instrument

Aus Frankreich kam es, das fand er dank der Gravur schnell heraus. „Wahrscheinlich haben es die deutschen Soldaten selbst irgendwo mitgenommen und dann beim Rückmarsch vergessen“, vermutet er. Eifrig versuchte der „Kiranderl Hans“, wie er nach dem elterlichen Hof genannt wurde, seiner Trompete Töne zu entlocken.

Knapp zwei Jahre später bekam er endlich die Möglichkeit, richtigen Musikunterricht zu nehmen: 1947, also genau vor 70 Jahren, beschloss Andreas Hainz aus Lochen, Vorstand des Trachtenvereins D´Jasbergler Baiernrain, eine Blaskapelle ins Leben zu rufen. Pallauf war einer der wenigen, die ein eigenes Instrument beisteuern konnten.

Bei Lorenz Kern, einem Vertriebenen aus dem Böhmerwald, lernte er die ersten Musikstücke. Mit dabei bei den elf Gründungsmitgliedern war auch der ebenfalls erst 13-jährige Georg Thalhammer aus Steingau. Er hatte vorher Gitarre gespielt, für die Blaskapelle lernte er Klarinette. „Mein erstes Instrument habe ich vom Schmied von Linden bekommen. Das war von der Stimmlage nicht ideal, hat der Kapellmeister gesagt, aber für den Anfang hat’s genügt.“

„Gescheite Instrumente“ erst nach 1948

Bezahlt wurde mit Holz, Heu oder anderen Naturalien: „Geld war ja nichts wert.“ Erst 1948, nach der Währungsreform, konnten „gescheite Instrumente gekauft werden“. Für Thalhammer brachte das Christkind eine neue, stimmlich besser harmonierende Klarinette.

Kurz nach dem Krieg gab es aber noch andere Probleme. „Einer kam ohne Hände von der Front zurück“, erzählt Pallauf. Dem habe der Schmied eine spezielle Vorrichtung gebaut, damit er seine Posaune halten und spielen konnte. Die bunt zusammengewürfelte Gruppe aus Halbwüchsigen und Kriegsveteranen war mit viel Begeisterung dabei.

Noch im Gründungsjahr folgte der erste offizielle Auftritt der Blaskapelle bei der Glockenweihe in Baiernrain. „Die musikalische Qualität ist heute natürlich viel besser“, gibt Pallauf selbstkritisch zu. In den ersten Jahren beschränkte sich der Musikunterricht auf die wöchentlichen Proben, und auch die Stimmlage der Instrumente habe nicht wirklich zusammengepasst. „Aber lustig war’s ollawei.“

Feinkost Käfer engagierte sie für legendäre Partys

Bald schon waren die Baiernrainer Musikanten bei Feierlichkeiten jeder Art im ganzen Gemeindegebiet und darüber hinaus gefragt: „Am Wochenende waren wir fast immer unterwegs.“ Ihre Beliebtheit reichte bis in die Landeshauptstadt München, wo sie häufig für die legendären Partys von Feinkost Käfer engagiert wurden. Auf der Rückseite alter Wahlzettel hat Gemeindemitarbeiter Thalhammer fein säuberlich notiert, wann die Kapelle wo ihre Auftritte hatte – manchmal mehrere an einem Tag. Bis in die 1980er-Jahre füllen die eng beschriebenen Blätter schon einen ganzen Ordner.

Besonders gern erinnern sich die beiden Gründungsmitglieder an die vielen Reisen. Einer der Höhepunkte war der Flug mit einer Transall zum Bundeswehrstützpunkt in Sardinien und das dortige Volksfest in der Fliegerhalle: „Dort haben sie den Wein in Kanistern angeschleppt.“ Auch an die Schallplattenaufnahme mit der Volkstanzgruppe „Die Chiemgauer Buam“ im November 1975 denken sie gerne zurück.

Sehnsucht nach dem Gesellschaftlichen

Ihre aktive Zeit bei der Baiernrainer Blaskapelle ist für beide vorüber. Pallauf war fast 65 Jahre dabei; Thalhammer musste nach einer Herzoperation schon 1989 aufhören. Anfangs haben sie das Spielen schon vermisst, sagen beide. Viel mehr aber, auch da sind sie sich einig, sei ihnen das Gesellschaftliche abgegangen: die Halbe Bier nach der Probe, das Zusammensitzen und Ratschen.

Thalhammer hat die Begeisterung für die Blasmusik an seine beiden Söhne weitergegeben. Sie spielen nun ebenfalls schon seit fast 30 Jahren in der Kapelle. Auch seine alte Klarinette ist noch dabei. Pallaufs silbrig glänzende Trompete hat einen Ehrenplatz daheim bekommen – spielen kann er nicht mehr darauf, sagt er.

Konzert

Zum 70-jährigen Bestehen der Blaskapelle am Donnerstag, 27. Juli, im Rahmen des Oberlandler Gaufests in Baiernrain werden die beiden Gründungsmitglieder noch einmal in Erinnerungen schwelgen. Beginn ist um 19.30 Uhr im Festzelt.

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