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Über 300 Jahre alt ist der Bauernhof nahe Aschau, in dem die Montessori-Schule Dietramszell jetzt ihr Erdkinderhaus eröffnet hat.

Im Chiemgau

„Absoluter Glücksgriff“: Montessori-Schule eröffnet Erdkinderhaus 

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Seit November wurde gebaut, die Vorarbeiten waren noch deutlich langwieriger. Doch jetzt ist das Erdkinderhaus der Montessori-Schule Dietramszell endlich fertig. 

Dietramszell – Die Idee ist fast 100 Jahre alt: Um 1920 beschrieb Maria Montessori in ihrem „Erdkinderplan“ ein Studien- und Arbeitszentrum auf dem Lande als idealen Lernort für Jugendliche in der Pubertät. Was bei der italienischen Pädagogin Theorie blieb, setzte die Montessori-Schule Dietramszell jetzt in die Praxis um: In der Nähe von Aschau im Chiemgau eröffnete sie kürzlich ihr Erdkinderhaus Hainbach.

Lebenswirklichkeit statt Lehrbücher

„Der erste außerschulische Lernort dieser Art in Deutschland bietet den Jugendlichen der siebten und achten Jahrgangsstufe die Möglichkeit, beim Leben fürs Leben zu lernen“, erklärt Gero Jaegers, Geschäftsführer des Montessori-Trägervereins. Anstelle von Lehrbüchern soll im Erdkinderhaus die Lebenswirklichkeit mit praktischen Arbeiten in den Mittelpunkt treten. „Hier lernen die Heranwachsenden selbst ihren Platz in der Gruppe zu finden, achtsam mit der Natur umzugehen und die Zusammenhänge von Natur, Mensch und Tier zu verstehen“, so Jaegers.

„Wir haben zwölf Jahre nach einem solchen Haus gesucht“, berichtet Maria Döbler. Sie ist Vorstandsvorsitzende des zu diesem Zweck gegründeten Montessori-Fördervereins Erdkinderplan und Lehrerin der siebten und achten Klasse in Dietramszell. Lange sei das Konzept an der Finanzierung gescheitert – bis sich ein Privatmann gefunden habe, der ihnen das Startkapital von 200.000 Euro für den Immobilienerwerb zur Verfügung gestellt habe. Dazu kamen Spenden in Höhe von 45.000 Euro und einige Eltern, die mit privaten Krediten aushalfen. Langfristig soll sich das Projekt über Mieteinnahmen finanzieren.

Das Erdkinderhaus Hainbach ist der erste außerschulische Lernort dieser Art in Deutschland.

„Der über 300 Jahre alte Bauernhof in Alleinlage ist ein absoluter Glücksgriff“, schwärmt Döbler. Allerdings stecke auch unglaublich viel Arbeit drin. Seit November fahren die „Erdkinder“, ihre Betreuer und einige ehrenamtliche Helfer zweimal pro Woche ins Chiemgau, um bei der Renovierung des denkmalgeschützten Hauses mit anzupacken. In Kleingruppen von maximal zehn Schülerinnen und Schülern verbringen sie künftig im siebten und achten Schuljahr jeweils fünf Wochen dort: Sie organisieren ihren Alltag und versorgen sich selbst, kaufen ein, kochen, reparieren, töpfern Geschirr und verkaufen selbst hergestellte Produkte. Fernab von der Schule lernen sie so „alles, was im Lehrplan steht – nur eben nicht im Heft, sondern im richtigen Leben“, so Döbler.

Mathematik finde beispielsweise in der Küche statt – etwa bei der Umrechnung der Rezeptmengen und der Budgetplanung. Freiwillige Helfer aus den USA ersetzen den Englischunterricht aus dem Buch. Das Konzept überzeugte auch die Bayerische Staatsregierung: Dass das Erdkinderhaus als außerschulischer Lernort genehmigt wurde, betont Döbler, sei „ein Zugeständnis, das es so noch nicht gegeben hat“.

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