In Aktion: Ernst Ausfelder aus Ascholding ist seit 33 Jahren Hochzeitslader.
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In Aktion: Ernst Ausfelder aus Ascholding ist seit 33 Jahren Hochzeitslader.

Wie geht‘s?

Samstags frei: So erlebt Hochzeitslader Ernst Ausfelder die Pandemie

In der Reihe „Wie geht’s?“ fragen wir bei Menschen nach, wie sie die ungewöhnlichen Corona-Zeiten erleben. Heute: Ernst Ausfelder, Hochzeitslader.

Dietramszell – Rund 40 Arbeitsstunden investiert Ernst Ausfelder aus Ascholding für gewöhnlich in eine Hochzeit. Dazu zählt das Brautpaar kennenzulernen, Texte zu schreiben, durch den Tag zu führen. Als Hochzeitslader begleitet der 53-Jährige um die zehn Zeremonien pro Jahr. Seit Beginn der Corona-Pandemie hat er samstags frei, nun die zweite Hochzeitssaison in Folge. Wie es ihm damit geht und warum er sich aufs kommende Wochenende besonders freut, erzählt er im Interview.

Herr Ausfelder, wann waren Sie zuletzt auf einer Hochzeit?

Ausfelder: Das war im Oktober 2019. Eigentlich hätte ich vergangenes Jahr sicher vier, fünf Hochzeiten gehabt. Aber mit der Corona-Pandemie war es schwierig. Die Hochzeiten, auf denen ich bin, sind ja in der Regel mit mehr als 100 Gästen. Die meisten Paare warten jetzt einfach ab, ob sie nach der Pandemie nochmals groß kirchlich heiraten wollen.

Fehlt es Ihnen?

Ausfelder: Anfangs nicht so sehr, aber mittlerweile schon. Am kommenden Wochenende habe ich wieder eine Hochzeit, und ich hoffe, dass sie stattfinden kann. Sie wäre eigentlich im April 2020 gewesen, also pünktlich zum ersten Lockdown. Nun ist sie unter aktuellen Corona-Bedingungen geplant.

Was heißt das?

Ausfelder: Eigentlich sollte die Trauung schon um 10 Uhr beginnen, jetzt startet sie erst in verkleinerter und verkürzter Version am Nachmittag. Gefeiert wird zu Hause in einem offenen Zelt im Garten – in der Hoffnung, dass das Wetter passt und sich die Regeln bis dahin nicht ändern.

Müssen Sie sich dadurch umstellen?

Ausfelder: Nein, es ist der eigentliche Ablauf, aber in gepresster Form. Ich hatte auch schon Hochzeiten, die erst am Nachmittag begonnen haben. Das funktioniert auch. Allerdings bin ich mittlerweile schon nervös. Ich bin gespannt, wie es ist, nach so einer langen Pause wieder vor einer größeren Menschenmenge zu stehen.

Als Hochzeitslader schauen Sie auch darauf, dass die Stimmung gut ist und die Gäste tanzen. Geht das überhaupt in Zeiten wie diesen?

Ausfelder: Im Moment ist es schon schwierig, weil sich die Regeln ständig ändern. Ich habe mich eingehend in die derzeit gültigen Corona-Bestimmungen eingelesen. Demnach dürfen Geimpfte, Genesene und Getestete tanzen. Vielleicht ist das bis dahin wieder hinfällig. Das erleichter die Sache natürlich nicht. Aber es ist wie es ist. Ich will nicht jammern. Es möchte ja niemand, dass eine Hochzeit zum Superspreader-Event wird. Deswegen haben das Paar und die Gäste Verständnis für die Regeln.

Fragen Sie dann erst nach dem Impfpass, bevor Sie jemanden auf die Tanzfläche schicken?

Ausfelder: Aktuell gibt es keine Verpflichtung zur Kontrolle. Ich lasse mich überraschen, wie es dann ist.

Werden Sie Corona auf der Hochzeit thematisieren?

Ausfelder: Ich werde die geltenden Regeln bekannt geben. Aber nicht in Reimform, sondern glasklar, wie es ist, damit es jeder versteht und sich daran hält. Es ist aber noch nichts in Stein gemeißelt, sondern alles im Fluss. Ich mache mir viele Gedanken.

Wie viele Hochzeiten haben sie vor Corona begleitet?

Ausfelder: Ich will sie erst zählen, wenn ich aufgehört habe. Aber es waren sicher mehrere Hundert. Ich mache das jetzt seit 33 Jahren. Eine Nachbarin hat mich damals überredet, und es hat sich langsam gesteigert. Inzwischen bin ich in drei Landkreisen im Einsatz. Zuletzt waren es um die zehn Hochzeiten pro Jahr, manchmal mehr, manchmal weniger.

Wie haben Sie Ihre freien Wochenenden verbracht?

Ausfelder: Was alle gemacht haben (lacht). Ich habe viel Liegengebliebenes in Haus und Garten aufgearbeitet.

Wie geht es Ihnen ohne Hochzeiten?

Ausfelder: Am Anfang war es ungewohnt. Mittlerweile kann ich mich an den Samstagen daheim erfreuen. Aber die Vorfreude auf die nächste Hochzeit ist jetzt schon sehr groß.

Viele heiraten in viel kleinerem Rahmen als vor der Pandemie. Sehen Sie das bayerische Hochzeitsbrauchtum in Gefahr?

Ausfelder: Nein, ganz und gar nicht. Brauchtum ist immer auch Anpassung. Allein in den 33 Jahren, seit ich Hochzeitslader bin, hat sich schon so viel geändert. Da wird Covid keine gravierenden Auswirkungen haben.

Was hat sich denn geändert?

Ausfelder: Vieles, was früher selbstverständlich war, ist heute nicht mehr allen klar. Für mich als Hochzeitslader ist das Organisatorische wesentlich aufwendiger geworden. Die Gäste wissen oft nicht mehr, wie eine Hochzeit abläuft.

Warum ist das so?

Ausfelder: Die Lebensumstände haben sich geändert. Früher kamen die Hochzeitsgäste aus ein, zwei Dörfern. Heute sind sie aus ganz Deutschland, teils Europa. Das hat sich auch globalisiert. Ich habe das Gefühl, die meisten sind froh, wenn sich jemand hinstellt und sagt, was jetzt gemacht wird. Das passt sicher nicht jedem, aber ich bin da inzwischen schmerzbefreit. Dem Brautpaar muss es gefallen.

In der Reihe
„Wie geht’s?“ fragen wir bei Menschen aus dem Landkreis nach, wie sie die ungewöhnlichen Corona-Zeiten erleben, etwa Madeleine Schön, Leiterin des neuen Geretsrieder Hallenbads.

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