Auftakt zur Renaturierung: Mit Projektstart am 11. Januar rückten Waldarbeiter mit Baggern im Zellbachtal an. Die Bedingungen für die Arbeiten blieben gut: Der gefrorene Boden erlaubte schonendes Arbeiten.
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Auftakt zur Renaturierung: Mit Projektstart am 11. Januar rückten Waldarbeiter mit Baggern im Zellbachtal an. Die Bedingungen waren günstig, der gefrorene Boden erlaubte schonendes Arbeiten.

Das Bairawieser Moor im Zellbachtal wurde renaturiert

Hier leben 100 stark gefährdete Tierarten: Bairawieser Moor renaturiert

  • Volker Ufertinger
    vonVolker Ufertinger
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Was haben Lungenenzian, Goldener Scheckenfalter und Enzian-Ameisenbläuling gemeinsam? Sie alle sind gefährdet und leben im Bairawieser Moor. Das wurde kürzlich renaturiert.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Der Landkreis zählt mit einem Anteil von elf Prozent zu den moorreichsten Regionen Südbayerns. Landratsamt, Gemeinden und Umweltverbände sind ausgesprochen aktiv, die Moore zu renaturieren. Jüngst ist wieder ein Projekt abgeschlossen worden: Wie Gebietsbetreuerin Birgit Weis mitteilt, ist das Bairawieser Moor im Zellbachtal auf vier Hektar in seinen natürlich Zustand versetzt, also wiedervernässt worden.

16 Torfdämme eingebaut, Gehölze entnommen

Die Arbeiten vollzogen sich relativ schnell. „Sie fanden im Januar und im Februar unter nahezu idealen Bedingungen statt“, so Weis. Aufgrund von Frost waren die obersten Torfschichten gefroren, es konnte schonend gearbeitet werden. Die Umsetzung erfolgte auf Flächen von zwei privaten Eigentümern, des Isartalvereins sowie auf Flächen des Landkreises und des Landesbunds für Vogelschutz (LBV). Konkret wurden in die bestehenden Gräben und Torfstichen 16 massive Torfdämme eingebaut und Gehölze im Anstaubereich entnommen.

Moore sind sozusagen die Nieren unserer Landschaft“

Birgit Weis

Damit ist erneut ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz geleistet worden. „Moore sind wertvolle Wasserspeicher, sie halten Wasser wie einen Schwamm in der Landschaft und können Witterungsextreme wie Starkregen oder auch längere Trockenheit abpuffern“ so Weis. „Moore sind sozusagen die Nieren unserer Landschaft.“ Außerdem speichern sie enorm viel Kohlenstoff im Boden. „Obwohl sie weltweit nur drei Prozent ausmachen, speichern sie doppelt so viel Kohlenstoff wie alle Wälder der Erde.“ Nicht zu vergessen ist das Moor als Lebensraum: Die hoch spezialisierten, konkurrenzschwachen Arten hätten außerhalb der Moore keine Überlebenschance.

Knapp 100 bedrohte Arten der Roten Liste leben im Zellbachtal

Das 130 Hektar große Naturschutzgebiet Zellbachtal ist das jüngste seiner Art im Landkreis, es wurde 2002 als solches ausgewiesen. Knapp 100 bedrohte Arten der Roten Liste Bayern konnten dort nachgewiesen werden. Zu den stark gefährdeten Arten zählen Lungenenzian, die Schmetterlinge Goldener Scheckenfalter und Enzian-Ameisenbläuling. Auch die Strauchbirke, eine strauchförmige Miniaturbirke, die ein Relikt der Eiszeit ist, kommt hier vor.

Um 1920 war das Bairawieser Moor weitgehend unberührt. Zu dieser Zeit konnte man sogar auf den offenen Flächen noch Birkwild beobachten. In dieser Zeit wurden im Hochmoor tief einschneidende Entwässerungsgräben gezogen und der Torf in Handarbeit gewonnen. Industrieller Torfabbau fand nicht statt. Mitte des 20. Jahrhunderts endete der Abbau, es begann die Verbuschung und Aufforstung auf den entwässerten Moorstandorten. Der LBV übernahm im Jahr 2006 die Betreuung des Gebiets, nachdem die Idee einer Mülldeponie fallen gelassen wurde. vu

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