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Nach 15 Jahren ist Feierabend: Ende dieses Monats schließt Michael Ehegartner den Familienbetrieb Am Richteranger in Dietramszell.

„Ich kann nicht mehr“ 

Bäckerei Ehegartner steht vor dem Aus

„Zu verpachten“: Dieser Hinweis findet sich seit einigen Tagen an der Dietramszeller Bäckerei Ehegartner Am Richteranger. Nach 15 Jahren steht der Familienbetrieb vor dem Aus.

Dietramszell – Sein Arbeitstag beginnt um 3 Uhr in der Früh. Am Samstag sogar eine Stunde früher. Zehn bis 15 verschiedene Semmelarten, Brezen, mindestens fünf Brotsorten, dazu Kleingebäck und ein paar Kuchen stellt Michael Ehegartner jeden Tag frisch her – außer sonntags. Seit 15 Jahren. Ende Februar ist Schluss damit. Am Faschingsdienstag wird Ehegartner zum letzten Mal den Ofen in seiner Backstube in Dietramszell anheizen.

Wirtschaftlicher Druck und angeschlagene Gesundheit

„Ich kann nicht mehr“, sagt der 52-jährige im Gespräch mit unserer Zeitung. Der wirtschaftliche Druck sei zu groß, seine Gesundheit angeschlagen. Dabei hat er die Arbeitszeiten nie als Belastung empfunden: „Ab Mittag habe ich frei. Für die Familie war’s ideal, als die Kinder klein waren.“ Über mangelnde Kundschaft im Laden könne er ebenfalls nicht klagen – auch wenn immer mehr Leute ihr Brot beim Discounter mitnehmen. Die Lage zwischen der Mittelschule und der Montessorischule ist gut: Zahlreiche Schüler holen sich bei Ehegartner jeden Tag ihre Breze oder Wurstsemmel als Pausenmahlzeit.

Die Konkurrenz der Industriebäckerein machen ihm zu schaffen

Was dem 52-Jährigen zu schaffen macht, ist die Konkurrenz der Industriebäckereien. „Die können viel günstigere Preise kalkulieren als ich.“ Schließlich produziert Ehegartner wesentlich kleinere Stückzahlen und in klassisch handwerklicher Art – ohne vorgefertigte Teiglinge. Doch erst Großkunden, die täglich mehrere hundert Semmeln abnehmen, machen das Geschäft rentabel. Die sind ihm zunehmend weggebrochen. „In den vergangenen Jahren habe ich fast draufgezahlt“, sagt Ehegartner. „Als Angestellter würde ich deutlich mehr verdienen.“ Zwar sei zum Glück die Pacht für die Verkaufs- und Produktionsräume nicht gestiegen. Aber der Laden müsste dringend modernisiert und attraktiver gestaltet werden. Rücklagen für solche Ausgaben habe er praktisch nicht bilden können.

Ehegartner: „Qualifiziertes Personal ist kaum zu bekommen“

Dazu kommt der Fachkräftemangel im Bäckerhandwerk: „Qualifiziertes Personal ist kaum zu bekommen“, klagt der gelernte Konditormeister. Auch Interessenten für eine Bäckerlehre gebe es heute fast nicht mehr. Verstehen kann er das nicht: „Es ist ein sehr abwechslungsreicher, interessanter Beruf. Ich habe die Arbeit immer gern gemacht.“ Seit rund einem Jahr steht er allein in der Backstube, weil er nach dem Weggang eines Bäckers keine fachkundige Unterstützung mehr finden konnte. Für den Verkauf beschäftigt er eine Teilzeitkraft und zwei Aushilfen.

Kleine Bäckereien haben offensichtlich keine Zukunft

Dass so kleine Bäckereien in Deutschland offensichtlich keine Zukunft haben, belegt die Statistik: Im vergangenen Jahrzehnt sank die Zahl der handwerklich tätigen Betriebe um rund zehn Prozent – die Zahl der Verkaufsstellen blieb jedoch nahezu unverändert. Zunehmend wird der Markt von größeren Ketten und Filialbetrieben bestimmt. Die durchschnittliche Mitarbeiterzahl liegt laut dem Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks bei knapp 23. „Es ist schade, dass es nicht mehr funktioniert“, meint Ehegartner.

Das Ende auch als Chance sehen

Das Ende seiner Bäckerei sieht er für sich selbst auch als Chance: für einen Neuanfang in einem anderen Bereich. Er freut sich auf die neuen beruflichen Herausforderungen, die in einem Ausflugscafé in der Nähe von Penzberg auf ihn warten. Und er freut sich auf zwei freie Tage pro Woche und eine Arbeit, die nicht schon mitten in der Nacht beginnt. Auch wenn er fürchtet, dass es nach so vielen Jahren eine Weile dauern wird, „bis ich mich an den neuen Rhythmus gewöhnt habe“.

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