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Hier wird herzhaft gelacht: Lachyoga-Trainerin Ute Liebhard (2. v. re.) mit ihren Kursteilnehmern (v. li.) Ulrich Dressler, Birgit Peters, Franz Kranich und Hans Dentinger.

„Es geht um Spaß, nicht um Albernheit“

Lachen mit Anleitung: Wie Lachyoga funktioniert und was es bewirkt

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Ute Liebhard aus Baiernrain ist Lachtrainerin. Zum Weltlachtag an diesem Sonntag verrät sie das Geheimnis der guten Laune. Zu Besuch in einer Lachyoga-Stunde.

Baiernrain/Holzkirchen – Einmal in der Woche wird bei Ute Liebhard professionell gelacht. Fünf Teilnehmer stehen heute in einer kleinen Turnhalle in Holzkirchen mit der Lachtrainerin aus Baiernrain zusammen – einer in der Mitte, die anderen im Kreis drumherum. Aus hochgestreckten Armen lassen sie Lacher aus ihren Fingerspitzen regnen, wie sonst nur Wassertropfen aus dem Hahn fallen können. Klingt verrückt, aber die Lachdusche ist tatsächlich auch ein erfrischender Wohlgenuss – wenn man sich darauf einlässt.

Lachyoga ist ein neuer Trend, es gibt in immer mehr Städten Lachtreffs wie den von Ute Liebhard (56). Seit 2007 hat die ausgebildete Heilpädagogin eine Lachschule und hält Trainings, Vorträge und Seminare zu Stressmanagement, Lachen und Humor. „Lachen braucht man nicht lernen, aber man kann es wiederentdecken“, sagt sie. Kinder lachen 400 Mal pro Tag, schätzen Forscher, Erwachsene nur noch 15 Mal. Ute Liebhard hilft ihnen quasi, das Glück wiederzufinden – und das nicht nur am Weltlachtag wie an diesem Sonntag, sondern das ganze Jahr über.

Zur heutigen Stunde trägt Liebhard ein Shirt mit der Aufschrift „Be free, be happy“. Sei frei, sei glücklich. „Es geht um Spaß, nicht um Albernheit“, sagt sie. „Das Lachen hilft, bei Stress oder Konflikten eine Distanz aufzubauen.“ Bis aus Feldkirchen kommen die Teilnehmer zum Lachtreff, aus Holzkirchen und München. Oft sind auch Wolfratshauser hier.

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Die wichtigste Regel in den folgenden 60 Minuten lautet: nicht zu Boden schauen, sondern den Blickkontakt halten, da so die Spiegelneuronen angesprochen werden. Dabei immer lächeln. Denn das ist ansteckend. Es gibt große Übungen wie die Lachdusche und kleine wie den Lächelwurf mitten ins Gesicht. Dabei greifen die Teilnehmer in ihre Hosentasche, packen das Lächeln in ihre Hand und werfen es sich zu.

Ulrich Dressler, seit zehn Jahren begeistert vom Lachyoga, kann dabei so herzlich lachen, als hätte er gerade das Lustigste auf der Welt gesehen. Andere prusten und jauchzen leiser in sich hinein. Sogar ein Zwicken im Zwerchfell soll es manchmal die Tage nach dem Lachyoga geben. Lachmuskelkater. „Ich fühle mich nach einer Stunde Lachyoga wie nach drei Saunagängen“, sagt Birgit Peters, seit sechs Jahren dabei. „Beim Lachen lasse ich los.“

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Jedes Lachen ist auf seine Weise richtig. Tatsächlich gibt es aber ein mitteleuropäisches Lachmuster und zum Beispiel ein asiatisches, das eher einem Kichern gleicht. „Babys lachen noch universell“, sagt Liebhard. „Dann wird der Ton aber gesellschaftlich je nach Kulturkreis angepasst.“

Das Mitlachen kostet am Anfang Überwindung – hier stehen schließlich teils wildfremde Menschen bei intimen Momenten beisammen. „Man muss das aber mal erleben, bevor man darüber urteilt“, sagt Liebhard. Nach der Lachyoga-Stunde, wenn alle bei einer Portion Spaghetti Bolognese in der Wirtschaft zusammensitzen, ist etwas wie ein Gefühl von Freundschaft entstanden. Die Schultermuskulatur fühlt sich entspannt an, die Haltung ist aufrechter, und die Backengrübchen wirken ein bisschen tiefer als sonst. Auch unsichtbar hat das Training Auswirkungen: Forscher haben festgestellt, dass durch Lachen das Immunsystem gestärkt und Stress abgebaut wird. Warum das funktioniert? Normalerweise schickt das Gehirn durch Kitzeln oder einen Witz Reizsignale an die Lachmuskeln und sorgt dadurch für Freude, sagt Liebhard. Den ersten Teil kann man aber weglassen – wer bewusst die Lachmuskeln aktiviert, freut sich ganz ohne äußeren Reiz. Denn durch das Hochziehen der Gesichtspartie strömen Glückshormone aus. Und das ganz automatisch und ohne doofe Kalauer, die der Beleidigte meist so gar nicht zum Lachen findet.

Weltlachtag

Die Idee zum Weltlachtag stammt aus Indien. Vor 21 Jahren hat der Arzt und Lachyoga-Erfinder Madan Kataria aus Mumbai den Aktionstag zum ersten Mal ins Leben gerufen. Dabei soll es nicht nur um den gesundheitlichen Aspekt des Lachens gehen. Weltweite Brüderlichkeit und Freundschaft sollen den Weltfrieden verkörpern. Um 14 Uhr treffen sich Mitglieder aus Lachclubs auf der ganzen Welt, um gemeinsam drei Minuten lang zu lachen. Teilweise wird auch für den Weltfrieden gebetet, mancherorts finden feierliche Umzüge statt – etwa die Lachparade in Zürich.

Info

Eine Lachyoga-Schnupperstunde mit Ute Liebhard findet am Dienstag, 7. Mai, von 19 bis 20 Uhr im Proberaum von „Kultur im Oberbräu“ am Marktplatz in Holzkirchen statt. Die Zehnerkarte kostet 69 Euro. Infos im Internet unter www.lachtrainer.de.

dor

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