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Beliebter Bairawieser Treffpunkt vor dem Aus ?

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Von: Clara Wildenrath

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Fröhliche Runde im Café Frei-Zeit in Bairawies: Pächterin Jasmin Seitner-Spangenberg mit ihren Stammgästen Bernhard Fuchs (li.) und Wolfgang Köster. Sie alle hoffen, dass sich für das Lokal ein neuer Betreiber findet.
Fröhliche Runde im Café Frei-Zeit in Bairawies: Pächterin Jasmin Seitner-Spangenberg mit ihren Stammgästen Bernhard Fuchs (li.) und Wolfgang Köster. Sie alle hoffen, dass sich für das Lokal ein neuer Betreiber findet. © cs

Das Café Frei-Zeit in Bairawies zieht Einheimische und Ausflügler an. Doch der Pächterin wird die Doppelbelastung mit dem Lokal und einem 30-Stunden-Job zu viel. Die Stammgäste hoffen auf eine Nachfolge.

Bairawies – Donnerstag ist Stammtischtag. Drei große Tische sind im Bairawieser Café Frei-Zeit reserviert: einer für die Burschen mit ihren Freundinnen, einer für die Damenrunde aus dem 300-Seelen-Ort und einer für die „allgemeine Bevölkerung“, wie es Bernhard Fuchs nennt. „Es wäre fatal, wenn es das bald nicht mehr gibt“, sagt der 66-jährige Gemeinderat, der sich hier regelmäßig mit seinen Nachbarn trifft. Auch Elfriede Bezold-Löhr schätzt das gemütliche Café als Treffpunkt zum Ratschen: „Wir haben ja sonst im Dorf kein Geschäft mit Publikumsverkehr, wo man sich trifft.“ Für sie und ihren Mann war die Gastronomie im Ort sogar „mit ein Grund, nach Bairawies zu ziehen“.

Doch Inhaberin Jasmin Seitner-Spangenberg will ihren Pachtvertrag nicht verlängern. Vor gut vier Jahren hat die 36-Jährige in dem frisch renovierten Gutshof das Café mit Biergarten eröffnet. Nach einer etwas schwierigeren Anfangsphase lief das Geschäft gut, erzählt sie. Vor allem am Wochenende zieht das Lokal mit dem reichhaltigen Frühstücks- und Kuchenangebot viele Ausflügler aus München und den umliegenden Gemeinden an. Auch die beiden Lockdowns hat sie dank staatlicher Unterstützung überstanden, sagt sie. Warum dann jetzt das Aus? „Die Corona-Hilfe hat zwar ausgereicht, um meine Fixkosten zu decken, aber nicht für meinen privaten Lebensunterhalt“, erklärt Seitner-Spangenberg. Die studierte Sprachwissenschaftlerin musste sich also ein zusätzliches Einkommen suchen – und fand es mit familiärer Unterstützung im technischen Vertrieb. „Einkauf, Verkauf und Kundenbetreuung, das sind ähnliche Mechanismen wie in der Gastronomie“, meint sie: „Ich habe mich tatsächlich ein bisschen in die neue Arbeit verliebt.“

Das Café dafür aufzugeben, sei dennoch einer der schwersten Entscheidungen gewesen, die sie bisher treffen musste, so Seitner-Spangenberg. „Aber ich muss jetzt einfach mehr auf mich selbst schauen.“ Kuchenbacken, Kochen und der Umgang mit den Gästen machen ihr nach wie vor viel Spaß – aber ein sicheres Einkommen und eine geregelte Altersversorgung weiß sie inzwischen auch zu schätzen. Bis Ende des Jahres läuft ihr Pachtvertrag noch. So lange will sie das Café parallel zu ihrem 30-Stunden-Job weiterführen – außer es findet sich ein Nachfolger, der es früher übernehmen möchte.

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Nicht nur der Inhaberin und ihren Gästen liegt es am Herzen, dass das Lokal in einer ähnlichen Form weiterbesteht. Auch die Vermieter, sagt Seitner-Spangenberg, möchten das. Erste Interessenten hätten sich bereits gemeldet, konkrete Gespräche habe es aber noch nicht gegeben. Die 36-Jährige ist zuversichtlich, dass ihr liebevoll aufgebautes Café als Stammtisch für die Bairawieser und Ausflugsziel für Wanderer und Radlfahrer auch im nächsten Jahr erhalten bleibt.

cs

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