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Rund 50 Bürger diskutierten am Mittwochabend in der Schulaula über die Dorferneuerung. 

Projekt Dorferneuerung

Braucht Dietramszell ein Zentrum?

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Neuer Anlauf für ein schöneres Ortsbild: Die Bürgerbeteiligung in Dietramszell bringt neue Ideen, aber wenig Einigkeit.

Dietramszell – „Die Arbeit war nicht umsonst“, betonte Architekt Rainer Heinz aus Rosenheim mehrfach an diesem Abend. Denn Arbeit hat das Projekt Dorferneuerung ihm, der Gemeinde und einigen ehrenamtlich Aktiven seit gut 15 Jahren gemacht: 2002 gründete sich ein erster Arbeitskreis zu dem Thema. Nach einer Fragebogenaktion wurden Stärken und Schwächen des bestehenden Ortsbilds definiert und Entwicklungsziele formuliert. Doch 2008 legte die Gemeinde das Projekt auf Eis. Der Grund: Geldmangel – und Unstimmigkeiten wegen eines damals angedachten Turnhallenbaus der Montessori-Schule.

Jetzt will die Kommune einen neuen Förderantrag beim Amt für Ländliche Entwicklung stellen. Das könnte dann bis zu 60 Prozent der Kosten der Baumaßnahmen zur Verschönerung des Ortskerns übernehmen. Als Basis für den Neuantrag dienen die damaligen Konzepte, die Heinz überarbeiten und an die heutigen Bedürfnisse anpassen soll. Bürgermeisterin Leni Gröbmaier lud deshalb alle Dietramszeller am Mittwochabend in die Aula der Grund- und Mittelschule ein, um „ihre Ideen und Vorstellungen zur Verbesserung der Lebensqualität in Dietramszell einzubringen“.

Rund 40 interessierte Bürger kamen, darunter viele Vereinsvorstände und Träger öffentlicher Belange. Einig waren sich alle Anwesenden darüber, dass das Verkehrs- und Parkplatzchaos im Ortszentrum nach wie vor das größte Problem darstellt. Wie man das lösen könnte, darüber gingen die Meinungen auseinander. Peter Wallner sah die einzige Möglichkeit darin, die Angerwiese als Parkplatz zu nutzen. Auch für die zahlreichen Schulbusse hielt er neue Park- und Wendeflächen für dringend notwendig. Andere argumentierten, dass riesige Parkplätze den Ortsbildcharakter massiv stören würden.

Viele Vorschläge kamen zum Thema Schulwegsicherheit. Allgemeiner Konsens herrschte darüber, dass die Möglichkeiten zur Überquerung der Staatsstraße verbessert und die Gehsteige im Zuge der für 2018 geplanten Sanierung verbreitert werden müssten. Am Richteranger sprachen sich einige für eine komplette Sperrung für den Autoverkehr aus, andere plädierten für ein absolutes Halteverbot oder einen Gehweg, der das Parken unmöglich macht. Heinz regte an, durch den Anger einen Wiesenweg anzulegen – stieß damit jedoch auf wenig Zustimmung.

Eine weitere Alternative für die Schulkinder, aber auch für Gottesdienstbesucher könnte der Fußweg nach Kreuzbichl sein. Geteilter Meinung waren die Anwesenden allerdings, ob dieser aufgrund der starken Steigung stellenweise Stufen erhalten oder nur besser befestigt und mit einem Handlauf und Ruhezonen versehen werden soll.

Dass der Stadtplaner den Klostervorplatz zum „Schmuckkästchen“ machen will, traf auf allgemeines Einvernehmen. Unstrittig war auch, dass die drei Bäume nach Möglichkeit erhalten werden sollen. Ob man dort weiterhin parken darf und wie der vorbeifahrende Verkehr ausgebremst werden kann, blieb offen. Für eine öffentliche Toilette, die sich einige Bürger seit langem wünschen, habe sich bislang kein Platz gefunden, erklärte Gröbmaier.

Sehr kontrovers diskutiert wurde die Frage, ob und wenn ja, wo es in der Nähe des Klosters Bedarf für zusätzliche Sitzmöglichkeiten oder gar einen Dorfplatz mit Brunnen gibt. „Dietramszell braucht ein Zentrum, wo sich die Leute treffen können“, betonte Susanne Iglhaut vom Gartenbauverein. Was „künstlich gestaltet und nicht gewachsen“ sei, werde meistens nicht angenommen, hielt ein anderer Gast dagegen: „Das sieht man am Neuen Platz in Geretsried.“

Dass im Zuge der Dorfverschönerung auch der Zeller Bach wieder besser gepflegt werden soll, blieb dagegen unwidersprochen. Dessen Zustand sei teilweise „unter aller Sau“, kritisierte Waltraud Bauhof vom Verein Miteinander-Füreinander: „Da muss man wirklich etwas unternehmen.“ Welche der zahlreichen Vorschläge aus dem Bürgerbeteiligungstreffen letztendlich verwirklicht werden, soll der Gemeinderat nach der Fertigstellung von Heinz´ Vorentwurf noch 2017 entscheiden.

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