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Die Lourdesgrotte am Krebsbergerl haben Herbert Disl (li.) und Georg Kranz gebaut.  

Kreuzweg am Krebsbergerl

Diese zwei Männer sorgen dafür, dass Marias Licht immer brennt

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Der Kreuzweg am Krebsbergerl und seine neue Lourdesgrotte werden im Mai eingeweiht. Gläubige haben sie beides auf Eigeninitiative gebaut und kümmern sich darum. Ein Geheimnis konnten sie allerdings nicht lüften.

Dietramszell – Maria soll nicht alleine sein. Deshalb brennt zu Füßen der Mutter Gottes in ihrer Grotte Tag und Nacht eine geweihte Kerze. Dass sie nicht erlischt, dafür sorgt Georg Kranz. Jeden Tag geht der 73-jährige Obermühltaler bei ihr vorbei und zündet ein neues Licht an, wenn das alte auszugehen droht.

Bereits seit 20 Jahren existiert am Krebsbergerl am südlichen Ortsrand von Obermühltal ein Kreuzweg. In 15 Stationen zeichnet er den Leidensweg Christi von der Verurteilung und Kreuzigung bis zur Auferstehung nach – entstanden ist der Kreuzweg auf Initiative von Maurermeister Kranz zurück. Geholfen haben ihm bei der Fertigstellung sein Bruder Leonhard und ein „tiefgläubiger Katholik aus Osttirol“, der schon auf der ganzen Welt Kreuzwege errichtet hat, aber anonym bleiben möchte.

Die Lourdesgrotte aus Tuffsteinen haben die beiden Brüder mit ihrem Vetter Dietram im vergangenen Jahr noch dazugebaut. Die Pläne für den Andachtsort und die Feinarbeiten steuerte Bautechniker Herbert Disl aus Schönegg bei. Kurz vor dem Winter ist sie fertiggeworden, berichtet Kranz stolz. Am 5. Mai wird Pater Yuli den vor fünf Jahren renovierten Kreuzweg und die neue Mariengrotte feierlich weihen. Er freut sich über die „Bereicherung für die Gemeinde“, wie er sagt. Alle Gemeindemitglieder sind zur Weihe eingeladen.

Die Mutter Gottes im Inneren der Grotte umgibt ein Geheimnis: Sie wurde 2016 nach dem Auszug von Pfarrer Herbert Weingärtner in der Garage des Pfarrhauses entdeckt – völlig verdreckt und heruntergekommen. In liebevoller Kleinarbeit trug der 82-jährige Disl die Schmutz- und alten Farbschichten ab und fasste sie neu. „Aber wo sie herkommt, weiß niemand so genau“, sagt Kranz. Disl ist überzeugt, dass es sich bei der etwa 1,20 Meter großen Madonna aus gebranntem Ton um die Vorgängerin der hölzernen Figur im Beichtstuhl der Dietramszeller Pfarrkirche handelt. Um 1900 herum wurde sie ausgewechselt, glaubt er, „weil sie nicht mehr stilgerecht und zu schwer für die Fronleichnamsprozession war“.

Der Kreuzweg und die Lourdesgrotte stehen zwar auf Privatgrund, sind aber öffentlich zugänglich. Bislang besuchten hauptsächlich Familienangehörige die Gebetsstationen. Nach der Weihe wird das anders werden, vermutet Kranz. Wichtig ist dem strenggläubigen Katholiken jedoch: „Der Kreuzweg ist nicht bloß zum Anschauen da, sondern zum Beten und zur geistigen Weiterentwicklung.“ Dadurch sollen die Menschen Gott näherkommen. Gebetstafeln an jedem Marterl laden zur besinnlichen Einkehr ein.

Kranz, der sich selbst als Traditionalist bezeichnet, ist den Kreuzweg „ein Jahr lang täglich bei Wind und Wetter gegangen“. Heute absolviere er ihn „jeden Tag geistig – und hin und wieder auch körperlich“, sagt er. Außerdem sorgt er zusammen mit seinem Bruder und dessen Frau für Sauberkeit und Ordnung rund um die Gebetsstationen. Und natürlich dafür, dass in der Lourdesgrotte und am Passionskreuz allzeit eine Kerze brennt.

cw

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