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Alle lauschen dem Franziskanerpater

Auch mal eine Auszeit nehmen

Ascholdinger Festredner ermuntert am Landfrauentag

Dietramszell - 200 Frauen sind beim Landfrauentag in Ascholding dabei. Der Festredner ermuntert sie dazu, öfter an sich selbst zu denken.

Ein Franziskanerpater, der in der Fastenzeit nicht Verzicht, sondern Freude und Genuss predigt? Den fleißigen Bäuerinnen aus dem Landkreis mochte der Vortrag von Christoph Kreitmeir, Vikar und Ökonom des oberfränkischen Klosters Vierzehnheiligen und Festredner beim gestrigen Landfrauentag im Ascholdinger „Holzwirt“, zunächst seltsam vorgekommen sein. Am Ende jedoch – das merkte man an den angeregten Gesprächen bei Kaffee und Kuchen im Anschluss – nahmen sie Kreitmeirs Hauptbotschaft gerne mit nach Hause. Sie lautete: Gönnt euch Auszeiten für Hobbys und Freunde, fürs Wandern und Reisen. Das sei trotz all der Arbeit in der Landwirtschaft, die durch die Bürokratie leider immer mehr zunehme, möglich, ermunterte der Referent die rund 200 anwesenden Frauen.

Der Priester, Psychotherapeut und Autor selbst ist vor Jahren wegen Überlastung zusammengebrochen und im Krankenhaus gelandet, wie er erzählte. Danach habe er unter anderem beschlossen, einen komplett freien Tag in der Woche, den Dienstag, für sich einzuführen. „Die Selbstliebe ist eines der Hauptgebote, das viel zu wenig beachtet wird“, sagte der 54-Jährige. Zahlreiche Beispiele aus seiner Therapeutentätigkeit machten den Vortrag anschaulich und kurzweilig.

Anni Rieger

Zuvor hatte Kreisbäuerin Ursula Fiechtner darauf hingewiesen, dass immer mehr bäuerliche Betriebe im Bestand und in der Entwicklung gefährdet seien. Ständig neue Verordnungen, die schlechte Bezahlung für landwirtschaftliche Erzeugnisse und der demografische Wandel machten dem Berufsstand zu schaffen. Die heutigen Bäuerinnen könnten jedoch durch Fort- und Weiterbildungen sowie Nebenerwerb zum Überleben der Höfe beitragen.

Licht und Schatten liegen auch für Landrat Josef Niedermaier nah beisammen. Im Hinblick auf die Flüchtlingskrise sprach er in seinem Grußwort von der „Unordnung“, in die die Welt geraten sei. Orientierung könne das christliche Menschenbild bieten: „Das müssen wir nach außen tragen.“ Die kleinste Zelle der Gesellschaft sei dabei die Familie.

Am Nachmittag war oft von der am Samstag verstorbenen Ehrenkreisbäuerin Rosl Geiger aus Bichl die Rede. Auch Niedermaier nannte sie ein Vorbild. Sie habe gegen den Strom Dinge durchgesetzt, die ihr wichtig gewesen seien. Niedermaier: „Solche Frauen brauchen wir.“

Kaum jemand kannte Geiger so gut wie ihre langjährige Stellvertreterin, die spätere Kreisbäuerin und heutige Ehrenkreisbäuerin Anni Rieger. „Rosl war wie eine mütterliche Freundin für mich. Obwohl ich erst 27 war, als ich zu ihrer Stellvertreterin gewählt wurde, fühlte ich mich gleich an- und aufgenommen“, sagte Rieger.

Anlässlich des 70-jährigen Bestehens des Bayerischen Bauernverbands (BBV), dem die Landfrauen angehören, blickte die Ickingerin, ebenfalls 70 Jahre alt, auf ihre aktive Zeit zwischen 1987 und 2007 zurück. 1986 verunglückte Riegers ältester Sohn Leonhard tödlich. „Ich war so geschockt, dass ich zunächst alle Ehrenämter aufgeben wollte.“ Doch dann sei sie zu dem Treffen der Landfrauen gegangen. „Ich sah alle meine Kolleginnen und spürte, wie ich von dem Kreis getragen wurde. Daraufhin entschied ich mich, als Kreisbäuerin zu kandidieren.“

Einer der größten Erfolge der resoluten Walchstädterin war die von ihr initiierte Aktion gegen Gewalt im Fernsehen. Im Landkreis sammelte sie tausende von Unterschriften. Nach einem Telefoninterview mit dem Morgenmagazin des WDR kamen deutschlandweit 250 000 Unterzeichner zusammen. Leider, bedauerte Rieger, hätten die Verantwortlichen bei den Fernsehanstalten nicht ausreichend auf den Protest reagiert. Eines sei bei der Aktion jedoch deutlich geworden: „Wir Landfrauen sind schon immer eingetreten für Werte – ob es um Drogen, Sekten, Gentechnik oder die körperliche und seelische Gesundheit unserer Kinder ging“.

Darauf, dass die Interessen, Aufgaben, Angebote und Aktionen der Landfrauen sehr breit gefächert sind, weist auch ihr diesjähriges Motto „Vielfalt leben“ hin. Pater Kreitmeirs Ratschlag, öfter an sich selbst zu denken, ist ein guter Ausgangspunkt dafür.

von Tanja Lühr

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