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Ursache allen Übels: Eine Druckleitung zur Unterquerung der Isar ist vom Hochwasser beschädigt worden. Deshalb gilt in diesem Bereich ein Bootsfahrverbot. 

Kanal gebrochen

Nach Isarhochwasser: Dietramszell muss für Abwasserbeseitigung per Lkw zahlen

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Das Isarhochwasser hat eine Druckleitung zerstört. Deswegen transportiert nun ein Lkw das Ascholdinger Abwasser ab. Die Reparatur des gebrochenen Kanals ist aufwendig. 

Dietramszell – Das Isarhochwasser ist abgeklungen, doch die Gefahrenlage noch längst nicht gebannt. Noch immer gilt zwischen Einöd und der Wolfratshauser Marienbrücke ein Fahrverbot des Landratsamts für Boote aller Art. Grund ist der durch das Hochwasser Ende Mai zerstörte Abwasserkanal von Ascholding nach Geretsried, dessen offenes Ende nach wie vor aus der Isar ragt.

„Wir arbeiten mit Hochdruck an einer Lösung“, erklärte Bürgermeisterin Leni Gröbmaier in der Bürgerversammlung am Montagabend im Dietramszeller Gasthof Peiss. Denn die Probleme für die Gemeinde gehen weit über die Beseitigung der störenden Rohrstücke in der Isar hinaus: Damit das Ascholdinger Abwasser nicht in den Fluss gelangt, muss es seit Monaten abgepumpt und per Lastwagen abtransportiert werden. Mindestens drei bis vier Mal pro Tag fahren diese Lkw nach Bairawies, wo das Schmutzwasser in das Kanalsystem eingespeist wird – oder sie rollen direkt zum Klärwerk nach Weidach.

„Wer bezahlt das alles?“ wollte ein Ascholdinger Bürger wissen und ob es keine billigere Möglichkeit gäbe. Da die Abwassergebühren kostendeckend erhoben werden müssen, erläuterte Gröbmaier, bleibe der Gemeinde kein anderer Weg, als die Ausgaben auf die Bürger umzulegen. Sie rechnet mit Aufwendungen von rund 20 000 Euro monatlich für den Abtransport per Lkw. Ihr Ziel sei es, die neue Leitung auf jeden Fall noch in diesem Jahr fertigzustellen: „Sonst müssen die Laster den ganzen Winter über fahren.“

Das Problem daran: Der gebrochene Kanal liegt im Naturschutzgebiet. „Ein neuer Düker muss mindestens fünf Meter unter der Isar verlegt werden. Dafür brauchen wir erst einmal Bodenproben.“ Zu diesem Zweck wiederum müsse man mit schwerem Gerät ans Flussufer fahren. Das muss die Naturschutzbehörde genehmigen und fordert dafür ein Gutachten, das erst erstellt werden muss. Das Gleiche gilt für die Beseitigung der alten Rohre.

Trotz allem sei der Neubau des Kanals unter der Isar hindurch aber die preiswerteste Lösung. Das habe die Gemeinde bereits prüfen lassen, so Gröbmaier: „Eine Leitung nach Bairawies kostet weit über zwei Millionen und ist auf jeden Fall teuer.“ Geplant ist zudem eine Zusammenarbeit mit der Telekom, da auch deren Glasfaserkabel wieder auf dem gleichen Weg verlegt werden sollen. Ascholding war tagelang ohne Internet.

Was die Finanzierung angeht, haben die Ascholdinger Glück im Unglück gehabt: Erst wenige Monate vor dem Hochwasser wurde ihre Entwässerungseinrichtung mit der von Bairawies, Hechenberg und Einöd rechtlich zusammengelegt (wir berichteten). Dadurch verteilen sich die Folgekosten des Kanalbruchs auf eine weitaus größere Zahl von Bürgern.

In dem ehemals eigenständigen Abwasserentsorgungsbereich Bairawies/Hechenberg/Einöd dürfte man sich dagegen im Nachhinein über die Zusammenführung der beiden Anlagen ärgern: Nach einer anfänglichen Kosteneinsparung von 44 Cent pro Kubikmeter kommt auf diese Ortsteile jetzt ebenfalls eine deutliche Erhöhung der Abwassergebühren zu. Eine Neukalkulation soll laut Gröbmaier aber erst erfolgen, wenn der neue Düker fertig ist. 

cw

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