Auf dem Bertenbauern-Hof von Michael Häsch in Dietramszell werden die Junghühner im Alter von 18 Wochen angeliefert.
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Auf dem Bertenbauern-Hof von Michael Häsch in Dietramszell werden die Junghühner im Alter von 18 Wochen angeliefert.

Drei Fragen an Michael Häsch

Urteil zum Küken-Töten: Was ein Dietramszeller Geflügelhalter dazu sagt

Das Bundesverwaltungsgericht hat entschieden: Männliche Küken dürfen in der Legehennenzucht weiter getötet werden, bis es eine Alternative gibt. Geflügelhalter Michael Häsch aus Dietramszell ordnet das Urteil im Kurz-Interview ein.

Dietramszell – In der Legehennenzucht dürfen männliche Küken weiterhin getötet werden. Allerdings ist diese Praxis nur noch gestattet, bis praxisreife Verfahren zur Geschlechterbestimmung bereits im Hühnerei zur Verfügung stehen. Das hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig am Donnerstag entschieden. Geflügelhalter Michael Häsch, der im Schnitt 1200 bis 1300 Hühner am Hof „Zum Bertenbauer“ in Dietramszell hat, begrüßt das Urteil.

In der Legehennenzucht werden männliche Küken direkt nach dem Schlüpfen getötet. Wie ist das bei Ihnen, Herr Häsch?

Wir bekommen die Junghühner mit 18 Wochen. Die Kette funktioniert so: Zuchtunternehmen liefern die Eier in Brütereien. Nach dem Schlüpfen kommen die weiblichen Küken zur Aufzucht. Die einen Tag alten männlichen Küken werden aussortiert. Aber keine deutsche Brüterei wirft sie weg. Das würde gegen das Tierschutzgesetz verstoßen. Die männlichen Küken werden verfüttert, zum Beispiel in Zoos oder Falknereien.

Das wird nun weiterhin so gehandhabt, bis es eine andere Möglichkeit gibt. Wie finden Sie die Entscheidung des Gerichts?

Klug und ausgewogen. Wenn es sofort verboten worden wäre, hätten kleine Brütereien zugemacht und größere wären ins Ausland gegangen. Es ist aber auch klar, dass wir aus der Diskussion ums Küken-Töten rauskommen müssen. Die Branche befasst sich schon bestimmt seit zehn Jahren mit der Früherkennung des Geschlechts im Ei. Die muss innerhalb der ersten 78 Stunden im geschlossenen Ei geschehen. Es gibt vielversprechende Ansätze, die teilweise im Labor funktionieren. Die Lösung muss aber massentauglich sein – bei 120  Millionen Eiern pro Jahr in Deutschland. Ich denke, das wird noch drei bis fünf Jahre dauern.

Tierschützer empört die Praxis, dass männliche Küken getötet werden. Können Sie das nachvollziehen?

Dafür habe ich vollstes Verständnis. Wenn ich die Hintergründe nicht kenne und die Küken sehe, kann ich natürlich nicht verstehen, wie man die umbringen kann. Wir haben auch welche am Hof, die sind einfach furchtbar nett. Die Frage ist, ob es besser ist, die Küken nach einem Tag oder acht Wochen zu töten. Wenn wir die Tiere aufziehen, brauchen wir Flächen für die Futtermittelproduktion und die Ställe. In Zeiten des Klimawandels ist das nicht sinnvoll für ein Produkt, das keiner will. Die Absatzchancen für Bruderhähne sind gering, sie werden meist in Frikassee oder Wurst verarbeitet. Die Qualität ist einfach kein Vergleich zum Masthähnchen. Ich hoffe, dass sich bald eine vernünftige Lösung findet. Sobald es sie gibt, wird umgestellt.

sw

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