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Wieder vernässt: Das Ascholdinger Filz ist wie das angrenzende Eglinger Filz wieder in seinen natürlichen Zustand versetzt worden. Die Geschichte dahinter ist ungewöhnlich.

„Moorschutz ist Klimaschutz“

Nach jahrelangem Rechtsstreit: Torfwerk-Erbe lässt Ascholdinger Filz renaturieren

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Georg Reischl hat das Ascholdinger Filz auf eigene Kosten renaturieren lassen. Und das, obwohl das Landratsamt das dortige Torfwerk 1977 dichtgemacht hatte und ein jahrelanger Rechtsstreit geführt worden ist. 

Georg Reischl aus Ebersberg

Ascholding – Der Name Georg Reischl ist in Ebersberg und Umgebung vielen ein Begriff. Sein großes Speditionsunternehmen brummt in jeder Hinsicht, für die CSU saß er zwölf Jahre im Stadtrat. Nur wenige wissen, dass der Geschäftsmann seine Wurzeln im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen hat: Als Enkel des Ascholdinger Landwirts Georg Bilgeri hat Reischl einst das Ascholdinger Filz geerbt, inklusive des damaligen Torfwerks, und zwar von seiner Tante. Jetzt hat er das Moos in Abstimmung mit dem Landratsamt auf eigene Kosten vom Landschaftsarchitekturbüro Logo verde (Landshut) renaturieren lassen.

Dass der Ebersberger sich zu diesem Schritt bereit erklärt hat, ist angesichts der Vorgeschichte durchaus erstaunlich. Das Landratsamt hatte das Torfwerk 1977 dichtgemacht, um das Gebiet unter Landschaftsschutz stellen zu können. Und das nur wenige Monate, nachdem der Jungunternehmer es geerbt hatte. Was folgte, war ein jahrelanger Rechtsstreit um eine angemessene Entschädigung durch alle Instanzen, bei dem der Ebersberger 1988 schlussendlich unterlag. „Ich bin ausgetrickst worden“, sagt er noch heute. Damals verlor er viel Geld und viel Vertrauen. „Danach habe ich eine Zeit lang nichts mehr gemacht.“ Sprich: Das Thema Filz war für ihn abgeschlossen. Immerhin gelang es ihm, die Abwicklung so zu gestalten, dass keiner der 14 Werksmitarbeiter ihm böse war. Darüber ist er heute noch froh.

Dennoch hat sich Reischl vor einigen Jahren vom Sinn einer Renaturierung des 16,5 Hektar großen Areals überzeugen zu lassen. Das Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen sowie Ralph Kulak von Logo verde redeten ihm gut zu, das Filz, das für den Torfabbau trocken gelegt werden musste, wieder unter Wasser zu setzen. Denn: Ein trockenes Filz setzt große Mengen an Kohlenstoffdioxid frei, ein wiedervernässtes Filz bindet es. Das wurde kürzlich wieder deutlich, als Umweltminister Thorsten Glauber das im Norden angrenzende Eglinger Moor besuchte. „Moorschutz ist Klimaschutz“, erklärte der Minister. Das gilt natürlich auch für das nahe Ascholdinger Filz.

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Ralph Kulak vom Landschaftsarchitekturbüro Logo verde blickt nach fünf Jahren Arbeit mit Stolz auf das fertige Werk. „Das war planerisch und technisch durchaus anspruchsvoll“, sagte er. „Das Areal war praktisch ganz zugewuchert.“ Fichten und Kiefern hatten sich breitgemacht, die Torfmoose hatten es schwer, sich durchzusetzen. Landschaftsarchitekt Johannes Kühne (Egling) und die Firma Maxl (Höhenrain) mussten ganze Arbeit leisten.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. 40 Prozent des Moorwaldes sind erhalten worden. Die Entwässerungsgräben des alten Torfwerks wurden verfüllt, bestehende Vorfluter umverlegt. Außerdem musste sichergestellt werden, dass kein Hangwasser ins renaturierte Moos fließt, denn Kalk ist schädlich. Also wurden Leitungen verlegt, das Hangwasser fließt jetzt um das Gelände herum. „Und der Biber ist schon wieder fleißig am Werk“, erzählt Kulak.

Georg Reischl besucht Ascholding nicht oft, vielleicht einmal im Jahr. „Mir fehlt die Zeit“, sagt er. So oder so: Er hat seinen Frieden mit dem Erbe des Großvaters gemacht. Und die Umwelt profitiert auch noch davon.

vu

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