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Auszeichnung

Experte in eigener Sache: Walter Schäl erhält Isar-Loisach-Medaille

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Walter Schäl setzt sich für psychisch kranke Menschen und deren Angehörige ein. Er ist Experte in eigener Sache. Nun wurde er mit der Isar-Loisach-Medaille ausgezeichnet.

Dietramszell – Eine schwere seelische Krise 1997 war für Walter Schäl der Ausschlag, über sein Leben nachzudenken. „Ich war in der IT-Branche selbstständig“, erinnert er sich. „Plötzlich blieben die Aufträge aus. Dazu kamen familiäre Probleme.“ Der Dietramszeller beschloss, sich professionelle Hilfe zu holen. In einer Therapiesitzung dachte Schäl einmal, er würde reden, dabei schwieg er die ganze Zeit. „Ich habe nicht einmal mehr bemerkt, was ich mache. Wie bin ich also mit anderen Menschen umgegangen?“

Schäls Frau ist seit 1987 in psychiatrischer Behandlung. „Ich habe angefangen, mich dafür zu interessieren, was im Hintergrund abläuft, was man selbst machen kann.“ Er schloss sich einer Selbsthilfegruppe von Angehörigen psychisch kranker Menschen an. „Aber die haben mir zu viel gejammert.“ Schließlich fand er den „Montagsclub“ in Tölz, eine Gruppe für psychisch Kranke und deren Angehörige. Plötzlich wurde Walter Schäl bewusst, dass „wir Experten in eigener Sache sind, nicht die anderen, die über uns reden. Wir müssen mal aus unserer Sicht sagen, wo es lang geht. Weg vom Lehrstuhl, hin zur Praxis.“

2006 initiierte er eine unabhängige psychiatrische Beschwerdestelle im Landkreis, wurde Mitglied im Zusammenschluss der Selbsthilfegruppen Psychiatrie-Erfahrener in Oberbayern, arbeitete an Entwürfen des bayerischen Psychiatrieplans und nahm am 4. Internationalen Psychiatrie-Tag in Kloster Seeon teil. Seit 2013 ist Schäl Vorsitzender der Oberbayerischen Selbsthilfe-Psychiatrie-Erfahrener (OSPE), ein Zusammenschluss von Selbsthilfegruppen, ehrenamtlich Engagierten und Betroffenen, der für mehrere Landkreise zuständig ist. Dazu gehört mittlerweile die Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung (EUTB), die Menschen mit Behinderungen zu Fragen der Teilhabe und Rehabilitation berät. „Die Berater sind selbst Betroffene – sie wissen, wovon sie sprechen.“ 26 Kollegen arbeiten inzwischen hier. „Ich sage immer, das sind unsere Edelsteine. Sie sind einfach unglaublich.“

Walter Schäl selbst sieht es nicht als Zufall an, dass er in all diese Ämter „hineingerutscht“ ist, sondern als Art Vorbestimmung. Die ihr Gutes hat, wie er sagt: „Es hat meinen eigenen Horizont verzehnfacht.“

Im Barocksaal des Klosters Benediktbeuern wurde Schäl jüngst die Isar-Loisach-Medaille verliehen. Die Feier war eine Glanzstunde für das Ehrenamt.sh

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