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Die Finanzlage in Dietramszell ist angespannt. Um alle Ausgaben stemmen zu können, muss die Gemeinde Grundstücke verkaufen, an ihre Rücklagen gehen und einen weiteren Kredit aufnehmen.

Haushalt in Dietramszell beschlossen

Mehr Ausgaben bei weniger Steuern „2021 ist es nicht so gut um uns bestellt“

  • Clara Wildenrath
    vonClara Wildenrath
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Der Dietramszeller Gemeinderat hat am Dienstagabend den Haushalt für 2021 verabschiedet. Auch coronabedingt mussten freiwillige Leistungen größtenteils gestrichen werden.

Dietramszell – „2021 ist es nicht so gut um uns bestellt“, resümierte Kämmerin Katharina Laß die aktuelle finanzielle Lage der Gemeinde. Grund ist zum einen der coronabedingte Rückgang der Steuereinnahmen, zum anderen die Mehrbelastung durch die Kreisumlage. Gleichzeitig müssen die teils schon begonnenen und dringend notwendigen Investitionen in Schule, Kindergärten und Straßenbau weitergeführt werden. Freiwillige Leistungen der Gemeinde wurden laut Laß größtenteils gestrichen.

Gesamtvolumen ist höher als zuvor: 23 Millionen Euro umfasst der Plan

Mit einem Gesamtvolumen von 23 Millionen Euro und einem Plus von 1,5 Millionen im Vergleich zum Vorjahr setzt der Haushaltsplan für 2021 den Aufwärtstrend der letzten Jahre fort. Den Löwenanteil der Einkünfte im Verwaltungshaushalt machen die Steuereinnahmen mit einem Planansatz von 6,6 Millionen Euro aus. Hier rechnet Laß infolge der Pandemie mit einem Rückgang von etwa einer halben Million bei der Gewerbesteuer. Der kommunale Anteil an der Lohn- und Einkommensteuer sinkt dagegen nur geringfügig auf knapp vier Millionen. „Da kann sich aber durch Kurzarbeit und steigende Arbeitslosigkeit noch einiges verändern“, gab die Kämmerin zu bedenken.

Paradox: Der Hebesatz ist gesunken, trotzdem muss die Gemeinde mehr Steuereinnahmen abführen

Fast die Hälfte ihrer Steuereinnahmen muss die Gemeinde allerdings in Form der Kreisumlage wieder abgeben. Das ist knapp eine halbe Million mehr als 2020 – trotz eines niedrigeren Hebesatzes. Für die Berechnung werden die Steuereinnahmen aus 2019 zugrunde gelegt, erklärte Laß: „Das war für uns ein extrem gutes Jahr mit einem weit überdurchschnittlichen Steueraufkommen.“ Gleichzeitig erhält die Gemeinde fast eine halbe Million weniger an Schlüsselzuweisungen aus dem kommunalen Finanzausgleich.

Mit 3,5 Millionen Euro schlagen die Personalkosten zu Buche. Auch hier ergibt sich im Vergleich zum Vorjahr ein Mehraufwand. Dieser ist laut Laß vor allem durch zusätzliche Stellen im neugebauten Kindergarten Ascholding begründet. Deutlich besser als erwartet entwickeln sich dagegen die Gebühreneinnahmen durch den 2020 eröffneten Bestattungswald. „Die Nachfrage ist sehr groß“, so Laß. Allerdings muss die Gemeinde 94 Prozent der Einnahmen als Pacht und Verwaltungsentschädigung abgeben.

Größte Ausgabeposten sind Kindergärten - mit 4,4 Millionen Euro

Aufgrund der insgesamt gestiegenen Ausgaben und gesunkenen Einnahmen beträgt der Überschuss des Verwaltungshaushalts dieses Jahr voraussichtlich nur eine halbe Million Euro. Das sind rund 60 Prozent weniger als im Vorjahr. Die vorgeschriebene Mindestzuführung an den Vermögenshaushalt für Kredittilgungen wird aber dennoch um voraussichtlich 280 000 Euro überschritten, betonte Laß.

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83 Prozent der Ausgaben im Vermögenshaushalt – rund neun Millionen Euro – fließen in Baumaßnahmen. Der größte Posten ist hier der Neubau der Kindergärten Ascholding und Linden mit 4,4 Millionen. Dazu kommen Aufwendungen für die Wasserversorgung und -entsorgung, den Straßen- und Gewässerbau, das Feuerwehrhaus in Ascholding, die Schulsanierung und die Überfahrt des Rathauskellers.

Kommune muss einige Grundstücke verkaufen

Um die vielen notwendigen Investitionen leisten zu können, stehen in diesem Jahr zahlreiche Grundstücksverkäufe an, erklärte Laß. Neben den Einheimischenmodellen in Bairawies, Ascholding, Obermühltal, Schönegg und Lochen wurden auch zwei Grundstücke gegen Höchstgebot vergeben. Insgesamt erwartet die Gemeinde 2021 dadurch Einkünfte in Höhe von rund 3,2 Millionen Euro. Darüber hinaus muss sie auf ihre allgemeinen Rücklagen zugreifen, um ihre Kosten zu decken. Von den angesparten 5,3 Millionen sollen im Laufe des Jahres 3,2 Millionen entnommen werden. Außerdem ist ein weiterer Kredit in Höhe von knapp 600 000 Euro eingeplant. Dabei handelt es sich um ein Wohnraumförderungsdarlehen für den Umbau des alten Schulhauses in Linden. Das war eigentlich bereits für 2020 vorgesehen, wurde aber noch nicht in Anspruch genommen.

Die Pro-Kopf-Verschuldung ist im Bayernvergleich niedrig

Die Gesamtverschuldung der Gemeinde liegt zum Ende des Jahres damit bei 1,8 Millionen Euro, rechnete Laß vor. Das entspricht einer Pro-Kopf-Verschuldung von 334 Euro – nur rund die Hälfte des bayerischen Durchschnitts. Im nächsten Jahr muss die Gemeinde aber laut der aktuellen Finanzplanung einen weiteren Kredit in Höhe von zwei Millionen Euro aufnehmen.

Schon in einer Woche könnte ein Nachtragshaushalt beschlossen werden

Die Gemeinderäte billigten den Haushalt einstimmig. Schon in der nächsten Woche wird allerdings möglicherweise ein Nachtragshaushalt beschlossen: Weil der geplante Neubau des Schützenheims in Linden nach der Kostenschätzung des Architekten erheblich teurer wird als bisher angenommen, will das Gremium darüber in einer Sondersitzung beraten.

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