+
Er steht lieber: Nach der vierten Bandscheiben-OP verzichtet Dietramszells neuer Bürgermeister Josef Hauser liebend gerne auf den Chefsessel.

Stehen und Schwimmen

Ein Besuch im Amtszimmer des neuen Bürgermeisters Josef Hauser

  • Clara Wildenrath
    vonClara Wildenrath
    schließen

Dietramszell hat mit Josef Hauser seit Mai einen neuen Bürgermeister. Der ehemalige Kriminalbeamte hat sich inzwischen im Rathaus eingerichtet - und auch die ein oder andere Änderung vorgenommen. Ein Besuch im Amtszimmer. 

Dietramszell – Der Chefsessel im Rathaus bleibt unbesetzt. Josef Hauser, seit 1. Mai Erster Bürgermeister in Dietramszell, steht lieber. Ausgemustert ist auch der wuchtige Holzschreibtisch seiner Vorgängerin Leni Gröbmaier. Er wurde durch ein weißes Stehpult ersetzt, das mit seinen zwei Computerbildschirmen und der futuristisch aussehenden Lampe so gar nicht zu dem gediegenen Stil des großen Bürgermeisterzimmers passen will.

Dietramszell: Chefsessel im Rathaus bleibt unbesetzt

„Seit meiner vierten Bandscheibenoperation vor vier Jahren kann ich nicht mehr gut sitzen“, erklärt der Zwei-Meter-Hüne die neue Möblierung. Ohnehin habe er sich an dem alten Schreibtisch immer die Knie angestoßen. Das technikbeladene Funktionsmöbel soll aber nicht lange in dem holzvertäfelten Raum mit dem großen Sitzungstisch stehen bleiben: Mittelfristig will sich Hauser nebenan im acht Quadratmeter großen Server-Raum ein Büro einrichten. „Dann kann man das Sitzungszimmer auch für Besprechungen nutzen, bei denen ich nicht dabei sein muss.“ Alle anderen Räume im Rathaus sind anderweitig belegt.

Nicht nur auf den symbolträchtigen Chefsessel, auch auf Chefallüren möchte Hauser verzichten. Seine erste Amtshandlung: Das Schild, das einen der Parkplätze vor dem Rathaus für den Bürgermeister reserviert, hat er eigenhändig abmontiert. „Wichtig ist, dass der Bürger einen Parkplatz hat“, betont er. „Ich finde schon irgendwo einen – und wenn ich ein bisschen laufen muss, ist’s auch nicht tragisch.“

Für mehr Bürgernähe: Hauser richtet neue Sprechstunde ein

Für mehr Bürgernähe hat Hauser eine neue Sprechstunde eingerichtet: Jeden Donnerstag von 15 bis 18.30 können die Gemeindebewohner ohne Anmeldung dem Bürgermeister ihre Anliegen und Fragen vortragen.

Aus zwölf Jahren im Gemeinderat und sechs Jahren als Dritter Bürgermeister kennt der 53-Jährige die Rathausangestellten und viele Vorgänge in der Gemeinde schon. Trotzdem ist im täglichen Kommunalpolitikgeschäft vieles Neuland für ihn, gibt er zu. „Aber ich habe gute Mitarbeiter, die ich immer fragen kann.“ Er ist mit allen per Du. 

Von der Verwaltung sei er sehr herzlich aufgenommen worden, zwei Willkommensschilder hinter dem neuen Schreibtisch zeugen davon. Dass er angesichts der neuen Aufgaben anfangs ein wenig nervös war, hat Hauser in seiner ersten Sitzung als Vorsitzender des Gemeinderats freimütig eingeräumt.

Eigentlich sei aber bisher alles gut gelaufen, meint der 53-Jährige. Auch wenn ihm die Corona-Pandemie den Start erschwert: Die Turnhalle ist durch ihre „miserable Akustik“ als Sitzungssaal nicht wirklich gut geeignet, offizielle Kennenlern-Termine mit Amtskollegen und wichtigen Institutionen sind nur bedingt möglich.

Corona-Pandemie erschwerte Hauser den Start als Bürgermeister

Als eine der größten Herausforderung seiner Amtszeit sieht der Bürgermeister das Problem, wie die Gemeinde trotz sinkender Einnahmen ihre geplanten Investitionen realisieren kann. „Wir haben keine Projekte, die man locker verschieben oder streichen kann“, sagt er. Der Bau der neuen Kindergärten, die Schulhaussanierung, die Ortserneuerung im Zuge des Straßenneubaus in Dietramszell – all das sei zwingend notwendig. 

In welcher Form und wann der neue Dorfplatz an der Abzweigung nach Holzkirchen gestaltet wird, will er allerdings zur Diskussion stellen. Schrecken lässt sich Hauser von den vorherzusehenden Schwierigkeiten nicht: „Mit Problemen fertig zu werden, habe ich bei der Polizei gelernt“, sagt der Ex-Kriminalbeamte.

Hauser vergleicht sein neues Amt mit einem Schwimmbecken

Sein neues Amt vergleicht der 53-Jährige mit einem Schwimmbecken: „Im tiefen Wasser kann ich nicht stehen. Aber ich kann schwimmen und gehe nicht unter.“ Hektisch mit den Armen und Beinen zu rudern, bringe ihn seinem Ziel nicht näher. „Den Rand erreichen, also jeden zu 100 Prozent zufriedenstellen, kann ich sowieso nicht. Stattdessen komme ich Zug um Zug voran.“ Schwimmen liegt dem neuen Rathauschef auf jeden Fall viel mehr als sitzen.

Mit 1789 Stimmen, das heißt, 56,63 Prozent holt Josef Hauser (Freie Wählergemeinschaft) im März in Dietramszell die eindeutige Mehrheit. Seit Mai ist er neuer Bürgermeister.

cw

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Kontrahenten betrunken: Schlägerei an der alten Floßlände
Die beiden Männer kennen sich seit Jahren. Wenn sie getrunken haben, vertragen sie sich aber offenbar nicht mehr so gut. So nahm ein Sommerabend ein schmerzhaftes Ende. 
Kontrahenten betrunken: Schlägerei an der alten Floßlände
Deining trauert um Kaspar Schäffler
Kaspar Schäfflers große Liebe galt der Landwirtschaft und der alten Landtechnik. Jetzt ist er im Alter von 68 Jahren verstorben.  
Deining trauert um Kaspar Schäffler
Blühwiesen für die grüne Lunge Waldrams
Das Neubauprojekt im Wolfratshausen Ortsteil Waldram ist fertig - nun präsentierten Bürgermeister und Bauherr das Umfeld. 
Blühwiesen für die grüne Lunge Waldrams
Hubert und Staller: Das erwartet Fans am Drehort
Die beliebte ARD-Serie „Hubert und Staller“, beziehungsweise „Hubert ohne Staller“ spielt in Wolfratshausen. Dort erwartet Fans nun eine neue Attraktion.
Hubert und Staller: Das erwartet Fans am Drehort

Kommentare