Eigentlich ein Ort der Ruhe: Der Friedhof Kreuzbichl mit Andachtskapelle.
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Eigentlich ein Ort der Ruhe: Der Friedhof Kreuzbichl mit Andachtskapelle.

Enkelin bricht bei „Verwüstung“ in Tränen aus

Großer Unmut auf Friedhof: Bestatter schütten Blumen und Trauerkerze zu - Hinterbliebene entsetzt

  • Clara Wildenrath
    VonClara Wildenrath
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Für Bestattungsleistungen auf den gemeindlichen Friedhöfen hat die Gemeinde Dietramszell einen privaten Dienstleister beauftragt. Das sorgt bei Trauerfeiern für Unmut.

Dietramszell – Die letzte Ruhe geriet in den vergangenen Monaten in Dietramszell immer wieder zum Stein des Anstoßes. Seit Anfang des Jahres können Hinterbliebene nicht mehr selbst entscheiden, welches Beerdigungsinstitut eine Bestattung auf den gemeindlichen Friedhöfen Kreuzbichl und Steingau durchführen soll.

Unmut bei Bestattungen: Hinterbliebene dürfen Beerdigungsinstitut nicht mehr selbst wählen

Für den letzten Weg des Verstorbenen – also für den Transport des Sargs oder der Urne innerhalb des Friedhofs sowie das Ausheben und Verfüllen des Grabes – beauftragte die Gemeinde das überregional tätige Bestattungsinstitut Trauerhilfe Denk. Das sorgt bei vielen Bürgerinnen und Bürgern für Unmut.

„Ist das nun Bevormundung oder Nötigung?“, fragt Ex-Gemeinderätin Waltraud Bauhof im Gespräch mit unserer Zeitung. Zwar könne man ein anderes Unternehmen mit allen Aufgaben betrauen, die bis zur Beerdigung zu erledigen sind, zum Beispiel den Sarg zu liefern, eine Leichenschau zu veranlassen oder Traueranzeigen zu drucken.

Bestattungen in Dietramszell: „Macht einem die Trauer noch schwerer, als es ohnehin schon ist“

Dass die Urne oder der Sarg dann aber nur bis zur Friedhofsmauer gebracht werden dürfe, verletze die Gefühle der Trauergemeinde sehr. „Schließlich hat man mit dem selbst ausgewählten Beerdigungsinstitut fast eine intime Verbindung aufgebaut, die oft sehr tröstlich ist.“ Schon bei mehreren Beerdigungsfeiern hätten sich Gäste über dieses „unpersönliche“ Vorgehen beschwert.

„Das macht einem die Trauer noch schwerer, als es ohnehin schon ist“, sagt Corinna Senninger, die vor wenigen Wochen ihre Großmutter zu Grabe tragen musste. Als Hinterbliebene fühlte sie sich von den gemeindlichen Erfüllungsgehilfen zu wenig informiert und ihrer Einflussmöglichkeit beraubt.

Trauerkerze und Blumen zugeschüttet: Hinterbliebene bricht bei „Verwüstung“ in Tränen aus

„Uns wurde nicht Bescheid gegeben, wann das Familiengrab ausgehoben wird. Die persönlichen Schmuckgegenstände, Trauerkerze, Blumen und Engel sind einfach mit Erde zugeschüttet worden, bevor wir sie wegräumen konnten.“ Als sie angesichts der „Verwüstung“ in Tränen ausbrach, habe der Mitarbeiter des Bestattungsinstituts mit einem pietätlosen Kommentar reagiert.

In der Andachtskapelle konnte sie „gerade noch rechtzeitig“ einschreiten, als die Aufgebahrte mitsamt den Blumenbuketts schon vor der geplanten Feier hinausgetragen werden sollte. Weil sie und viele Trauergäste entsetzt gewesen seien, will Senninger nun eine Unterschriftenaktion gegen die „erzwungene Monopolstellung“ innerhalb der Gemeindefriedhöfe starten.

Nach Beschwerden: Gemeinde reagiert - „So wie es vorher war, ist es rechtlich nicht zulässig.“

Alfred Sand von der Tölzer Geschäftsstelle der Trauerhilfe Denk erklärt dazu: „Wir übernehmen im Auftrag der Gemeinde nur deren hoheitlichen Aufgaben, das heißt, wir öffnen das Grab und stellen bei Bedarf Sargträger. Für alle andere Dienstleistungen gilt freie Bestatterwahl. Die Infos über die Wünsche der Angehörigen und den Zeitpunkt bekommen wir in der Regel von den Kollegen der anderen Institute mitgeteilt.“ In vielen umliegenden Gemeinden sei das schon seit Jahren gängige Praxis und funktioniere reibungslos –zum Beispiel in Wolfratshausen und Kochel am See. Max Riedl vom gleichnamigen Tölzer Bestattungsunternehmen bestätigt das auf Anfrage unserer Zeitung.

„Das spielt sich ein“, ist Katharina Laß überzeugt, die bei der Gemeindeverwaltung für das Bestattungswesen zuständig ist. Ohnehin sieht sie keine Alternative zu der jetzigen Regelung: „Eine kleine Gemeinde wie wir kann nicht immer eigenes Personal vor Ort haben, um das Grab auszuheben.“ Deshalb müsse sie ein Bestattungsunternehmen verpflichten. „Das ist gesetzlich so geregelt“, so Laß. Auch das Landratsamt drängte auf eine Lösung.

Bereits 2016 hatte die Gemeinde die Bestattungsleistungen offiziell ausgeschrieben, jedoch keinerlei Angebot erhalten. Erst nach einer nochmaligen Nachfrage bei den örtlichen Beerdigungsunternehmen habe sich die Trauerhilfe Denk im vergangenen Jahr als einzige dazu bereiterklärt, so Laß.

Mit Alfred Sand sei abgesprochen worden, dass auch Nachbarn oder Vereinsmitglieder den Sarg tragen dürfen. In diesem Fall stellt der Bestatter allerdings dennoch zwei Mitarbeiter als Unterstützung und Aufsicht in Rechnung. Vertragspartner für alle vereinbarten Dienstleistungen am Friedhof bleibt in jedem Fall die Gemeinde. Sie setzt im Anschluss die Gebühren für die Hinterbliebenen per Bescheid fest. Laß betont: „So wie es vorher war, dass jeder selbst einen Bestatter beauftragen kann, ist es rechtlich nicht zulässig.“ Clara Wildenrath

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Ein Aufzug sollte in der Dietramszeller Grund- und Mittelschule die Barrierefreiheit verbessern. Der Einbau wurde aus Kostengründen jedoch gestrichen.

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