Eierproduzent Michael Häsch aus Dietramszell
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Zweifel am Gesetzentwurf gegen das Kükentöten: Eierproduzent Michael Häsch hält die neuen Bestimmungen nicht für zu Ende gedacht.

Michael Häsch sieht Tier- und Umweltschutz gefährdet

Bertenbauer kritisiert neues Gesetz gegen das Kükentöten

  • Clara Wildenrath
    vonClara Wildenrath
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Die Bundesregierung will aus dem Kükentöten aussteigen. Michael Häsch bezweifelt, dass das sinnvoll ist. Er sieht nur Nachteile - auch für die Tiere.

Dietramszell – Männliche Küken in der Legehennen-Produktion dürfen künftig nicht mehr getötet werden. Das sieht ein Gesetzentwurf vor, den die Bundesregierung diese Woche auf den Weg brachte. Das Verbot soll ab dem nächsten Jahr greifen. Ein Fortschritt für das Tierwohl? Michael Häsch hat da Zweifel.

„Es gibt bislang kein praxisreifes Verfahren, mit dem man das Geschlecht des Embryos im Ei bestimmen kann, bevor das Schmerzempfinden einsetzt“, sagt der Eierproduzent aus Dietramszell. Die Tötung des voll entwickelten Kükens im Ei, so fürchtet er, ist nicht so „human“ wie die CO2-Begasung nach dem Schlüpfen. Es sehe nur vordergründig besser aus: „Im Ei sind sie noch nicht so schön flauschig.“

Derzeit werden die Küken schmerzlos eingeschläfert

Nach der heute üblichen Methode schlafen die männlichen Eintagsküken langsam und ohne Schmerzen ein, erklärt er, „wie bei einer Narkose“. Die bereits neun bis 14 Tage bebrüteten Eier würden dagegen einfach aus der Wärmekammer genommen – die männlichen Embryonen erfrieren also. Die „extrem hohen Kosten“ für die Geschlechtsbestimmung im Ei können sich kleine Brütereien zudem gar nicht leisten, so die Sorge des „Bertenbauern“. Er bezieht seine Legehennen aus einem nahe gelegenen Familienbetrieb, der möglicherweise zugrunde gehen würde. „Das führt zu einer Zentralisierung auf einzelne Großunternehmen. Im Schlachthofbereich hat dieser Strukturwandel schon vor Jahren eingesetzt – mit den bekannten Folgen.“

Die Neuregelung kostet die Bauern viel, viel Geld

Kritisch sieht Häsch auch die einzig mögliche Alternative, die Aufzucht der sogenannten Bruderhähne: „Dadurch sind wir gezwungen, erheblich größere Mengen des Klimakillers CO2 zu produzieren und noch mehr Flächen zu versiegeln.“ Allein für seinen relativ kleinen Betrieb wären 20 Hektar zusätzliche Futterfläche notwendig, rechnet er vor. In Deutschland stünden die erforderlichen Anbaugebiete für Weizen, Mais und Soja genauso wenig zur Verfügung wie die Flächen für die Ausbringung des zusätzlichen Mistes. Zudem gebe es für die 40 Millionen Bruderhähne am Markt gar keinen Bedarf: „Für Suppenhühner haben sie zu wenig Fett. In der Regel wird nach einer Mast von fünfeinhalb Monaten nur das Brustfleisch ausgelöst, der Rest geht in die Tiernahrung.“

Während man für ein Kilo Fleisch bei einem Masthuhn 1,6 bis 1,8 Kilogramm Futter brauche, benötigten die männlichen Vertreter der Legehühner fünf Kilogramm Futter für lediglich 300 Gramm Fleisch von geringerer Qualität. Diese Mehrkosten werden zumindest zum Teil auf den Eierpreis umgelegt. Die Produktionskosten proEi steigen dadurch um etwa fünf Cent, kalkuliert Häsch, der jede Woche 70 000 bis 80 000 Eier im Direktvertrieb verkauft, und fragt: „Wie wollen wir verhindern, dass die Lebensmittelindustrie ihren Bedarf an Eiern, zum Beispiel für Nudeln oder Backwaren, in Zukunft durch eine wesentlich billigere Importware deckt und unsere heimischen Erzeuger auf ihren teuren Eiern sitzen bleiben?“

Häsch hat demnächst einen Termin im Ministerium

Der 60-Jährige fürchtet, dass ein Großteil der Bruderhähne deshalb künftig für wenig Geld nach Polen transportiert wird. Für die dortige Aufzucht bekommt der deutsche Legehennenproduzent ein Zertifikat und genügt damit den Gesetzesvorgaben. „Aber wie das dort abläuft, ist mit unseren Vorstellungen von Tierschutz vermutlich nicht vereinbar“, gibt Häsch zu bedenken und fügt etwas zynisch hinzu: „Eine hohe Sterblichkeit spart Futterkosten.“ Ein weiterer Punkt ist seiner Auffassung nach ebenfalls noch nicht geklärt: „Die getöteten männlichen Küken gelangen alle wieder in den Nahrungskreislauf, zum Beispiel als Futtermittel in der Falknerei oder in Zoos. Was tritt in Zukunft an deren Stelle?“ Das können nur Importe aus Ländern sein, in denen das Töten der Eintagsküken erlaubt ist, fürchtet er. „Oder wird es dann Betriebe geben, die Ratten und Mäuse als Ersatz produzieren?“

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Seine Bedenken gegen die Gesetzesänderung hat Häsch in einem Offenen Brief an Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner und Umweltministerin Svenja Schulze formuliert. Die Antwort kam prompt: Klöckners Referentin lud ihn zu einem Termin in ihrem Ministerium ein. Nächste Woche will Häsch dort vorsprechen – ob persönlich oder per Videokonferenz, sei noch offen.

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