Sebastian Millervor dem Moarwirt
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Freut sich über die Auszeichnung: Sebastian Miller, Chef des Moarwirts in Hechenberg.

Moarwirt wird mit dem „Grünen Stern“ des Guide Michelin ausgezeichnet

„Bei uns darf nicht alles in den Topf“

  • Sabine Hermsdorf-Hiss
    vonSabine Hermsdorf-Hiss
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Der Guide Michelin führt Genießer an die Top-Adressen. Eine davon findet sich im kleinen Hechenberg: Der Moarwirt wurde für seinen verantwortungsvollen Umgang mit der Natur mit einem „Grünen Stern“ ausgezeichnet.

Dietramszell/Hechenberg – Nachhaltigkeit, Regionalität und Bio sind für Sebastian Miller (41), Chef des Moarwirts in Hechenberg, keine leeren Worte, sondern eine Lebensphilosophie, die es umzusetzen gilt. Dafür wurde das Restaurant mit angrenzendem Hotel nun mit dem „Grünen Stern“ des Restaurantführers Guide Michelin ausgezeichnet.

Grüner Stern zeichnet nicht nur nach Geschmack aus

Dass ein Tester im Haus war und ihm daraufhin der Stern zugesprochen wurde, war Miller überhaupt nicht bewusst. „Normal erkennt man einen Prüfer daran, dass er ziemlich viel fragt“, sagt er und lacht. „Andererseits: Viele Fragen stellen auch die anderen Gäste.“ Der Stern selbst wurde erst im vergangenen Jahr in Frankreich ins Leben gerufen und ist nun auch in Deutschland angekommen. Mit ihm werden Gastronomiebetriebe ausgezeichnet, die ihre Umwelt mit Respekt behandeln und Wert auf einen verantwortungsvollen Umgang mit der Natur legen. „Da er noch relativ unbekannt ist, hatte ich ihn auch nicht auf dem Schirm.“

Produzenten aus der Region, Bio-Qualität: Miller achtet auf viele Aspekte

2017 hat Sebastian Miller, der von seiner Frau Isabella unterstützt wird, die Gastronomie übernommen. Von Anfang an arbeiten sie mit Produzenten aus der Region zusammen und versuchen, soweit es nur geht, Bio-Produkte zu verwenden. „Und wenn das nicht geht, dann sollen wenigstens die Fahrtstrecken auf ein Minimum reduziert sein.“ Denn warum soll beispielsweise Bio-Fisch in München gekauft werden, wenn eine Fischzucht „mit Top-Qualität“ gleich um die Ecke ist? Meeresfische und Scampi wurden wegen der langen Transportwege von der Speisekarte gestrichen.

Bei uns darf eben nicht alles in den Topf“

Sebastian Miller vom Moarwirt

Das Restaurant ist bereits seit mehreren Jahren Mitglied bei Naturland sowie der Bewegung, Slow Food und Green Chefs. Für Miller beginnt sozusagen gutes Essen nicht mit der Zubereitung, sondern bereits mit der Auswahl der verwendeten Zutaten. Davon kann sich der Gast am Ende der Speisekarte selbst ein Bild machen: Der Bio-Ochse, ist dort nachzulesen, ist in Altdorf bei Landshut aufgewachsen. Der Honig wurde direkt am Waldrand, der an Millers Grundstück grenzt, geerntet, Äpfel liefert der Bauer nebenan. Und für die Wildkräuter muss der Koch und Wirt nur in den eigenen Garten gehen. „Bei uns“, betont Miller, „darf eben nicht alles in den Topf.“

Bio ist Miller „nicht Bio genug“

Das Landhotel mit seinen 18 Zimmern war schon immer Bio, „aber nicht Bio genug.“ Also wurde auf natürliche Kosmetik umgestellt, wie das Duschgel, das selbstverständlich aus dem Spender kommt, um Verpackungsmüll zu vermeiden. „Ebenso verwenden wir nur ökologische Reinigungsmittel bei der Wäsche und für die Spülmaschine“, erklärt der 41-Jährige. Und: Über eine Dosieranlage wird gesteuert, dass wirklich nur die benötigte Menge verbraucht wird.

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In der Zukunft möchte Miller die Zusammenarbeit mit den umliegenden Landwirten weiter ausbauen. „Ich könnte mir vorstellen, eigene Schweine zu haben“, sagt er. „Sie sollen natürlich aufwachsen, sich suhlen und richtig austoben können.“ Erfahrung mit Tieren hat das Paar bereits: Neben eigenen Hühnern werden auch ein paar Schafe gehalten, die den Rasen auf der Leiten kurz halten. „Das sind unsere lebendigen Rasenmäher“, sagt Miller. Ökologischer geht es fast nicht mehr. sh

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